APA - Austria Presse Agentur

Bregenzer Festspiele abgesagt

Mai 15, 2020 · Lesedauer 4 min

Das Coronavirus hat zur Absage der diesjährigen Bregenzer Festspiele geführt. "Ich muss feststellen, dass mit der Verlautbarung von heute, den neuen behördlichen Auflagen, die für den Sommer gelten, die Festspielsaison 2020 abgesagt ist", sagte Festspielpräsident Hans-Peter Metzler. Damit werden die Bregenzer Festspiele heuer zum ersten Mal seit ihrer Gründung im Jahr 1946 nicht stattfinden.

Der von Metzler angesprochenen Verlautbarung zufolge sind bei Vorstellungen ab 1. August nicht mehr als 1.000 Zuschauer erlaubt - die Bregenzer Seebühne fasst knapp 7.000 Gäste. Der kaufmännische Direktor Michael Diem erklärte, dass die Bregenzer Festspiele mit 1.000 Gästen auf der Seebühne "wirtschaftlich nicht machbar sind".

Die Festspiele in kleinerem Rahmen durchzuführen - wie es Salzburg macht - sei in Bregenz nicht zur Diskussion gestanden, sagte Intendantin Elisabeth Sobotka. "Für uns ist die Seebühne das Herz und der Motor der Festspiele", betonte sie. Inhaltlich, atmosphärisch und finanziell ermögliche die Seebühne alles andere, man hätte den kleineren Produktionen nichts Gutes getan, sie ohne Seebühne aufzuführen, so Sobotka: "Wir wollen Festspiele machen, wie sie für uns die einzig mögliche Vorstellung sind." Man werde 2021 wie für heuer geplant sowohl "Rigoletto" auf dem See als auch "Nero" im Festspielhaus zur Aufführung bringen. Überhaupt wolle man alle für dieses Jahr geplanten Projekte in den nächsten beiden Jahren verwirklichen. "Wir haben auch von fast allen Künstlern die Zusage, dass sie mitgehen können", sagte die Intendantin. Um ein Jahr auf 2022 verschoben wird "Madame Butterfly" als Spiel auf dem See.

Diem zufolge war der Vorverkauf für den Sommer 2020 der erfolgreichste aller Zeiten, selbst am Freitagvormittag habe man noch 30 Karten verkauft. Besuchern, die bereits Tickets haben, haben vier Optionen: Die Lieblingsvariante der Festspiele ist ein Ticketumtausch auf 2021, weitere Möglichkeiten sind ein Gutschein, der mehrere Jahre Gültigkeit hat, eine Rückerstattung oder das Spenden des Ticketbetrags an das Festival. Start der Abwicklung per Festspiele-Internetseite ist am Montag, 18. Mai. Für "Rigoletto" 2021 sind vorerst 26 Vorstellungen mit der Option auf zwei weitere vorgesehen, 190.000 Tickets sind aufgelegt. Premiere ist am 22. Juli 2021, einen Tag nach der Hausoper "Nero".

Für Festspielpräsident Metzler war der Freitag "nicht das Ende, sondern der Start in eine neue Phase". Man wolle mit Land, Stadt und Bund als verlässliche Partner sprechen, "wie wir diese Saison, die mit Kurzarbeit begonnen hat, in Stärke überstehen". Mitte Juni gebe es dazu eine Kuratoriumssitzung. Er sei zuversichtlich, dass sich Lösungen finden. Ob die Absage der diesjährigen Saison Auswirkungen auf die Sanierungspläne für die Seebühne und das Festspielhauses haben, wusste Metzler am Freitag noch nicht. Laut ursprünglichen Plänen sollte die Sanierung im Ausmaß von 55 Mio. Euro von 2021 bis 2023 erfolgen. "Im Hintergrund werden die Pläne weiterentwickelt, die Detailpläne werden im Herbst vorliegen", sagte der Festspielpräsident.

Die Festspiele-Verantwortlichen erfuhren von den Auflagen und damit der Nicht-Durchführbarkeit ihres Festivals übrigens wie alle anderen aus dem Fernsehen bei der Pressekonferenz der Bundesregierung. Die Entscheidung zur Absage sei dementsprechend gegen 12.45 Uhr gefallen. Zu der Performance der Bundesregierung wollte sich Metzler nicht weiter äußern. Er greife lieber zum Hörer, wenn er etwas zu sagen habe und bringe seine Kritik direkt und konstruktiv an. Er hatte vor einigen Wochen bekannt, man fühle sich ein Stück weit vergessen. Es habe schon Austausch gegeben, berichtete Sobotka, die Reaktionsgeschwindigkeit sei aber für die Festspiele schwierig gewesen. "Aber es ist eine herausfordernde Situation, es gab so viel Bewegung", sagte die Intendantin. "Jetzt sind wir da, wo wir nicht hinwollten", schloss sie.

Bedauert wurde die Absage von Kulturlandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP), die die Entscheidung als "nachvollziehbar, wenn auch traurig" bezeichnete. Jedoch könne sich niemand "Festspiele in klein" vorstellen. Vorarlbergs Tourismusdirektor Christian Schützinger nannte die Absage einen "herben Schlag". Gebe es keine Festspiele, keine Schubertiade usw. könnten bei 1,3 Mio. Gästen im Sommer in Vorarlberg bis zu 130.000 Urlauber fehlen.

Quelle: Agenturen