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"Bloom" als Ausstellungs-Doppelpack im Kunsthaus Graz

Heute, 15:23 · Lesedauer 3 min

Aufblühen des Themenschwerpunkts "Bloom" des steirischen Universalmuseums Joanneum (UMJ) im Jahr 2026: Am Freitag beginnen die beiden Schauen "30 % Prozent Löwenzahn" bzw. Hybrid Pleasures. Helen Chadwick Supported by Liesl Raff" im Kunsthaus Graz. Der Fokus liegt zwar auf dem Kunsthaus, aber im Gesamtprojekt wird das Thema Pflanzen, Blumen und Co. in acht Standorten und zehn Ausstellungen gespielt, so Kunsthaus-Chefin Andreja Hribernik am Donnerstag bei der Presseführung.

Laut dem wissenschaftlichen Geschäftsführer des UMJ, Marko Mele, habe man sich überlegt, was könne man häuserübergreifend spielen? "Als Museumsverbund können wir mit unseren Sammlungen und Fachexpertisen von der Antike bis zur Gegenwart vielfältig arbeiten." Die eine Ausstellung solle Lust auf die andere machen, so Mele, im Mai werde es dann eine extra dichte Reihe von Eröffnungen geben.

Hribernik definierte das Motto der Ausstellungen im Rahmen von "Bloom": Wir brauchen Brot, aber auch Rosen für das Leben, es muss ja lebenswert sein. Die Blume ist ein Symbol, ein Moment und schafft ein Podium für alle, ein gesellschaftliches Gewebe." Blumen und Pflanzen definierten sich nicht nur über die Schönheit, sie erzählten auch tragische und ernsthafte Geschichten, hätten koloniale Auswirkungen, seien Teil der Ausbeutung, aber erzählten auch über Liebe und Zuneigung. Und können überraschen: "Der Löwenzahn teilt mit dem Menschen wie mit allen Blumen rund 30 Prozent seines genetischen Materials", so Hribernik, die die gleichnamige Ausstellung mit Katrin Bucher Trantow kuratiert hat.

In der Schau auf einer Etage des Kunsthauses überraschen die Pflanzen in der Vielfalt der Rezeption und ihrer Rollen: Die Blumenkönigin, die rote Rose, wird in einem Video über Anbaugebiete in Kenia zur Massenware für die europäischen Supermärkte. In einem Ghillie-Suit, dem Grundgerüst eines militärischen Tarnanzugs, werden getrocknete Blumen und Gräser sorgfältig zu einem Teppich verwoben, der den Träger mit der Umgebung verschmelzen lässt. Eine Abteilung des UMJ steuert eine Porzellanuhr im Rokoko-Stil bei, scheußlicher Kitsch, aber blumig-fröhlich.

Umfangreiche Kooperationen

Für die Ausstellung gibt es umfangreiche Kooperationen, mit dem Botanischen Garten in Graz, mit der Kulturzeitschrift "manuskripte", mit dem Dramatikerinnenfestival. Werke von Iris Andraschek, dem litauischen Duo Vilte Braziunaite & Tomas Sinkevicius oder von Anna Jermolaewa sind schillernde Seitentriebe der Ausstellung. Und einen Stock über der Gruppenausstellung "30 % Löwenzahn" breitet sich das Werk "Hybrid Pleasures. Helen Chadwick Supported by Liesl Raff" aus. Die Kuratorin Bucher Trantow und Laura Smith haben die erste umfassende Retrospektive der britischen Künstlerin Helen Chadwick (1953-1996) zusammengestellt, ein Dialog über die Bedeutung sinnlicher Erfahrung und die Verbundenheit von Blume und Körper. Chadwicks Blütengestaltungen aus Fuchsfellen bzw. eine Blüte in Form eines Schokobrunnens mögen ungewohnt wirken, die Verbindung von Schönheit und Vergänglichkeit beschert Erkenntnisgewinn. Wie auch der hinter Glas befindliche Umwandlungsprozess von Pflanzen- und Gemüseresten in Kompost - art of nature in progress.

Laut Hribernik wurde zu den Schauen ein umfangreiches, auch performatives Programm entwickelt. Ein (pflanzlicher) Teil wächst sich praktisch auf dem Dachgarten des Kunsthauses über die Monate der Ausstellung in seine Behausung ein.

( S E R V I C E - Schwerpunkt "Bloom" des Universalmuseums Joanneum im heurigen Ausstellungsjahr ab 20. März mit den Schauen "30 % Löwenzahn" (bis 8.11.) bzw. "Hybrid Pleasures" (bis 20.9.) im Grazer Kunsthaus, umfangreiches Rahmenprogramm unter www.kunsthaus.at)

Zusammenfassung
  • Die Retrospektive "Hybrid Pleasures. Helen Chadwick Supported by Liesl Raff" widmet sich der Verbindung von Blume und Körper und läuft bis 20. September, während "30 % Löwenzahn" bis 8. November 2026 zu sehen ist.