APA - Austria Presse Agentur

Bachmann-Haus in Klagenfurt von Land und Stadt angekauft

15. Sept 2021 · Lesedauer 2 min

Das Haus Henselstraße 26 in Klagenfurt, in dem Ingeborg Bachmann ihre Jugend verbracht hat, geht in den Besitz von Land Kärnten und Stadt Klagenfurt über. Die Privatstiftung Kärnten kauft es der Familie Bachmann ab, es kostet rund 500.000 Euro. Am Mittwoch wurde im Vorgarten des Hauses der Kaufvertrag feierlich unterzeichnet. Das Gebäude wird nun adaptiert und als Museum sowie als Begegnungsort genutzt.

Die Geschwister der 1973 gestorbenen Dichterin, Isolde und Heinz Bachmann, überreichten nach der Vertragsunterzeichnung die Schlüssel. Die Familie sei 1933 von der Durchlaßstraße in die Henselstraße übersiedelt, erzählte Heinz Bachmann, der in London lebt. "Hier gab es Klavierunterricht, unsere Mutter hat Klavier gespielt, der Vater Geige." Die glücklichen Jahre hätten allerdings nicht sehr lange gedauert, dann sei der Krieg gekommen. Beim ersten Bombenangriff auf Klagenfurt im Jänner 1944 seien die drei Kinder allein zuhause gewesen. "Das war das erste Mal, dass wir in den Bunker am Kreuzbergl gegangen sind", sagte Isolde.

Der Angriff richtete in dem Stadtviertel schwere Schäden an, Bachmanns Mutter zog mit Isolde und Heinz daraufhin in den Bezirk Hermagor. "Ingeborg ist nicht mitgegangen, sie ist in Klagenfurt geblieben, weil sie die Matura machen wollte", erzählte der Bruder. Das Haus sei wieder aufgebaut worden, Ingeborg Bachmann sei immer wieder gerne dorthin zurückgekommen, so Heinz.

Nach ihrem Tod in Rom schaffte er sämtliche Besitztümer der Dichterin nach Klagenfurt, wo Möbel, Schallplatten, Schreibmaschinen und Tausende Bücher nach wie vor ihren Platz haben. Das Dachgeschoß wurde zur Bibliothek ausgebaut, wo sich Exemplare mit persönlichen Widmungen von Paul Celan, Heinrich Böll, Günther Grass, Erich Fried oder Henry Kissinger finden. Das Interesse am Bachmann-Haus dürfte nicht gering sein. Heinz Bachmann: "Ich bekomme schon jetzt zahlreiche Anfragen, wann es denn zugänglich sein wird."

Bedingung der Familie für den Verkauf war, dass das Gebäude öffentlich zugänglich wird. "Wir werden uns jetzt daran machen, ein Nutzungskonzept zu erstellen", sagte Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ). Es sei etwa angedacht, Räumlichkeiten für Artists in Residence zu schaffen. Land und Stadt stellen für den Umbau je 120.000 Euro zur Verfügung, geführt werden soll das Haus vom Musil Museum. Mit einer Eröffnung wird in rund drei Jahren gerechnet.

Quelle: Agenturen