Ausstellung im Palais Liechtenstein zeigt "Noble Begierden"
Die Fürstlichen Sammlungen des Hauses Liechtenstein stünden mit ihrer 400-jährigen Geschichte in einer langen Tradition des generationenübergreifenden Sammelns, hieß es am Donnerstag bei einem Pressetermin, bei dem auch Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein anwesend war. Die Ausstellung wolle "über den kunsthistorischen und analytischen Ansatz hinaus auch die Wertschätzung für das gemeinsame kulturelle Erbe Europas fördern", betonte er und verwies auf die im Familienarchiv liegende "umfangreiche Korrespondenz zwischen den Händlern und den Fürsten", die bei der Aufarbeitung des Themas sehr hilfreich gewesen sei.
Es sei ihm ein Anliegen gewesen, zu zeigen, "dass der Kunstmarkt eine entscheidende Rolle in der Kunstgeschichtsschreibung spielt", sagte Stephan Koja, Direktor der Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein: "Nicht nur Kunsthistoriker schreiben die Kunstgeschichte, sondern alle Akteure des Kunstmarkts." Dieser habe "lange Zeit als marginal, suspekt oder sogar unseriös" gegolten. "Beschäftigt man sich aber etwas näher damit, wird klar, dass jedes der Werke, die heute in Museen hängen, einmal in einem Marktzusammenhang geschaffen und bewertet wurde, dass bekannte Künstlernamen nicht nur von Kunsthistorikern geprägt wurden, sondern auch ganz wesentlich von Kunsthändlern."
Koja hat die über zwei Etagen reichende Schau drei Jahre lang vorbereitet und gemeinsam mit der Chefkuratorin Yvonne Wagner und Christian Huemer, dem Leiter des Belvedere Research Centers, kuratiert. Die Ausstellung, die sich zwar wesentlich auf die Fürstlichen Sammlungen stützt, aber auch mit zahlreichen Leihgaben aufwartet, startet mit der "Kunstproduktion im Römischen Reich". "Wir beginnen mit der Nachfrage nach griechischen Originalen, die man gerne auch in Rom gehabt hätte", schilderte Wagner. Kleinplastiken versuchten, diese Nachfrage zu befriedigen.
Frühe Kunstmessen und Auktionen
"Wir versuchen, in jedem Raum eine charakteristische Atmosphäre zu schaffen und kleine Geschichten zu erzählen", schilderte Wagner. Den italienischen Stadtstaaten der Renaissance ist ebenso ein Kapitel gewidmet wie dem "Goldenen Zeitalter" der Niederlande und der Etablierung des "Breughel Enterprise", der Kunstmessen in Antwerpen und der Auktionen in Paris und London.
Es geht um "Mäzenatentum und Serienproduktion", aber auch um das Phänomen der Grand Tour. Mit dem 19. Jahrhundert und der "Aura der Marktferne" schließt die Schau, die auch mit vier Monet-Gemälden aufwartet. "Wir glauben, dass nicht mehr allzu viel im 19. Jahrhundert dazu erfunden wurde", sagte Christian Huemer, der sich seit 30 Jahren mit dem Thema beschäftigt.
Huemer hofft, dass sich die begleitende Publikation zum Standardwerk entwickeln und dadurch einstige prominente Kunstmarktplayer wie der Pariser Kunsthändler Charles Sedelmeyer (1837-1925), der nobel gewohnt und an eine internationale Klientel verkauft hat, entsprechende Bekanntheit erlangen werden: "Es gibt viele Geschichten der Kunst, aber keine Geschichte des Kunstmarkts."
(S E R V I C E - "Noble Begierden. Eine Geschichte des europäischen Kunstmarkts", Ausstellung im Gartenpalais Liechtenstein, Wien 9, Fürstengasse 1, 30. Jänner bis 6. April, täglich von 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei, Katalog, hg. von Christian Huemer und Stephan Koja, erschienen bei De Gruyter, 448 Seiten, ISBN 978-3-68924-106-3, "Was prägt den Kunstmarkt heute? Strukturen, Trends & Akteure", Gespräch mit Max Hollein, Christian Huemer und Iris Yvonne Wagner, 6. Februar, 10 Uhr, Anmeldung erforderlich. www.liechtensteincollections.at , www.palaisliechtenstein.com )
Zusammenfassung
- Im Gartenpalais Liechtenstein in Wien werden ab 30. Jänner über 200 Werke von Künstlern wie Monet, Klimt, Tizian, Brueghel und Rembrandt in der Ausstellung "Noble Begierden" bei freiem Eintritt gezeigt.
- Die Schau beleuchtet bis 6. April die Geschichte des europäischen Kunstmarkts, gestützt auf die 400-jährige Tradition der Fürstlichen Sammlungen und zahlreiche Leihgaben, und thematisiert die prägenden Rollen von Sammlern, Händlern und Mäzenen.
- Ein 448-seitiger Katalog begleitet die Ausstellung, zu der am 6. Februar ein Gespräch mit Max Hollein, Christian Huemer und Iris Yvonne Wagner zu aktuellen Kunstmarkttrends stattfindet.
