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Ars Electronica will Wunsch wecken, sich zu verändern

07. Sept. 2022 · Lesedauer 3 min

Die Themenschau "STUDIO(dys)TOPIA - At the Peak of Humankind" des Ars Electronica Festivals "Welcome to Planet B" bringt in fast 30 Positionen im Science Park 4 der Linzer JKU Licht in doch eher dystopische Zukunftsaussichten. Sie handeln von Umdenken, hinterfragen Entscheidungen von Künstlicher Intelligenz und Verhalten von Menschen gleichermaßen. Ergänzt wird die Schau von 15 Partnern aus "Ars Electronica Gardens", die in den Vorjahren virtuell am Festival teilnahmen.

Die Menschheit an einem Wendepunkt und eine "enorme Dimension von guten Absichten, von Optimismus, der aus der Präsenz des Willens, es besser zu machen, bleibt", sah Ars-Electronica-Leiter Gerfried Stocker beim Presserundgang mit Stadträtin Doris Lang-Mayerhofer (ÖVP) am Mittwoch. Rektor Meinhard Lukas betonte, "die Wissenschaft kann von der Kunst lernen mit Widersprüchlichkeit besser umzugehen". Diese Widersprüchlichkeit sah Festivalorganisatorin Christl Baur im Menschen selbst, der sich der Folgen seines Handelns nicht bewusst sei. "Wir erfinden Plastik und Mikroplastik verschmutzt die Meere", nannte sie ein Beispiel.

Die erste Position, der Film "the Intersection" der britischen Gruppe Superflux spielt in der nahen Zukunft, nachdem die vier Protagonistinnen und Protagonisten an einen Punkt gekommen sind, an dem sie etwas ändern mussten, Technik neu definieren, um sie besser für die Gesellschaft und die Natur zu nützen. Dieses Ziel projiziert Baur auf die Ausstellung, aus der man "rausgehen sollte, mit dem Wunsch, sich selber zu verändern".

Siobhan McDonald erkundet in "Invisible Seam" den arktischen Permafrost und die in diesem Depot erhaltenen Pflanzen. In "Carbon Echoes" untersucht Kat Austen "die Auswirkungen von Mikroplastik auf die Natur", so Chefkurator Martin Honzik. Die Slowenin Dorotea Dolinsek greift in "TerraPort" die Idee auf, dass die Menschen der Erde etwas zurückgeben, konkret wird Marsregolith mit Stoffen aus dem weiblichen Körper so angereichert, dass eine Sojabohne darin wachsen kann. Dies soll auch ein Hinweis sein, dass kaum weibliche Bedürfnisse berücksichtigt werden, wenn es um extraterrestrisches Leben geht.

An versöhnliches, natürliches Grillenzirpen erinnert Ralf Baeckers Licht- und Klanginstallation "Floating Codes", die dem Inneren eines künstlichen neuronalen Netzwerks nachspürt. Mit diesem Werk kommt man räumlich aus einem recht dunklen in einen helleren Bereich, in dem der "Synthetic Messenger" von Tega Brain und Sam Lavigne Klimanachrichten künstlich aufbläht. Bots suchen nach solchen Nachrichten im Internet und pushen ihren Wert mit vielen Klicks nach oben.

Mit KI beschäftigt sich auch das mit dem von Ars und Außenministerium vergebenen Award of Digital Humanity ausgezeichnete "Data Nutrition Project". KI entscheiden abhängig von den Daten, die sie zum Trainieren erhalten haben, und geben je nach deren Qualität Benachteiligungen oder Diskriminierungen wieder. Das Data Nutrition Project vermittelt wie eine Nährwertampel bei Lebensmitteln Informationen über die verwendeten Datensätze, um den durch problematische Daten verursachten Schaden zu vermindern.

Ein Stockwerk höher präsentieren sich die 15 Ars-Electronica-Gardens aus aller Welt, darunter jener aus Tokio vom Japan Media Art Festival, sehr beeindruckende Beiträge aus Barcelona, die unter anderem der DNA des Tasmanischen Tigers auf den Grund gehen, sowie Projekte aus Rotterdam, Bologna und Fano.

(S E R V I C E - "STUDIO(dys)TOPIA - At the Peak of Humankind" 7. bis 11. September, Mi 13 bis 19 Uhr, Do-Sa 10 bis 19 Uhr, So 10 bis 18 Uhr; JKU Linz, Science Park 4; weitere Infos unter http://ars.electronica.art/planetb)

Quelle: Agenturen