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Architekturzentrum Wien: Finanzielle Sorgen im Jubiläumsjahr

12. Dez. 2022 · Lesedauer 4 min

Das Architekturzentrum Wien (Az W) feiert 2023 sein 30-Jahr-Jubiläum. "Wie werden aber nicht nostalgisch zurückschauen. In der Architektur geht es immer darum, zu planen und zu gestalten", sagte Direktorin Angelika Fitz bei der heutigen Vorstellung des Jahresprogramms. "Architektur trägt Mitverantwortung für die Zukunft." Von den derzeitigen finanziellen Sorgen will man sich nicht beeinträchtigen lassen: "Wir haben weiter Elan und Esprit!"

2019 hatte man noch mit 73.000 Besucherinnen und Besuchern bilanziert. In den Zeiten der Pandemie-Einschränkungen waren diese Zahlen laut Geschäftsführerin Karin Lux auf 25.000 bis 28.000 gesunken, seit Mitte des Sommers ginge es jedoch wieder bergauf: "Jetzt bewegen wir uns auf die 50.000 zu." Auch die Workshops und Führungen seien wieder angelaufen. "Auch wenn wir wieder auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken: Die finanzielle Situation macht uns Sorgen", sagte Hannes Swoboda, Präsident des Vorstandes und seinerzeit als Stadtrat an der Gründung des Az W beteiligt.

Laut Lux habe das Jahresbudget bisher im Schnitt um die 3,2 Millionen Euro betragen (zwei Drittel davon aus Subventionen), durch die Teuerung würde man nun langfristig 4 Millionen benötigen. Entsprechende Budget-Berechnungen habe man vorgelegt, jedoch Signale erhalten, dass dem 2023 noch nicht Rechnung getragen werde. "Wir sind in Gesprächen. Aber wir beginnen das Jahr, ohne zu wissen, wie es weitergeht." Ohne zusätzliche Mittel müsste man reagieren. "Uns vorauseilend einzuschränken kann aber nicht das Ziel sein, denn noch geben wir die Hoffnung nicht auf", betonte Fritz. Es wäre "grotesk", wenn die öffentlichen Aufgabenstellungen des Az W "nicht auch finanziell anerkannt würden von denen, die öffentliche Mittel verwalten", unterstrich Swoboda.

Zusätzlich gibt es "massivsten Sanierungsbedarf" bei der Infrastruktur sowie die Notwendigkeit, Adaptierungsarbeiten im derzeit leer stehenden Lokal zu finanzieren, für das man einen Nachmieter gefunden hat. Ein Wiederaufsperren ist für Mitte des Jahres angestrebt, für eine Zwischennutzung sei man mit Volkstheater und Wiener Festwochen im Gespräch, "um den Ort lebendig zu halten".

Nach der Eröffnung der neuen Schausammlung "Hot Questions - Cold Storage", zu der im Februar ein Buch erscheint, konzentriert man sich auf Wechselausstellungen, in denen die gesellschaftliche Aktualität der heutigen Bauaufgaben (Stichwort: Dekarbonisierung) im Zentrum steht. Die am 9. März startende Schau "Yasmeen Lari. Architektur für die Zukunft" sei "eine ungeheuer aktuelle Ausstellung", versicherte die Az W-Direktorin. Als erste Architektin Pakistans entwarf die heute 81-Jährige ikonische Bauten der Moderne, "bevor sie eine Zero-Carbon-Selbstbau-Bewegung für die Ärmsten der Armen begründete". Anhand ihres Lebenswerks zeigt diese weltweit erste Ausstellung zu Yasmeen Lari, "wie sich das Verhältnis von Architektur und Zukunft verändert".

Ab 21. September heißt es dann "Hollein Calling": "Architektonische Dialoge" sollen das Werk von Hans Hollein in der Gegenüberstellung mit 15 Positionen einer jüngeren europäischen Architektengeneration einer Neubewertung unterziehen und "in den aktuellen Diskurs zurückholen". Das Az W verwaltet den über 400 Projekte, über 800 Modelle und über 30.000 Fotos umfassenden Hollein-Nachlass und zeigt in der Ausstellung "ganz viele Dinge, die noch nie veröffentlicht wurden" (Fitz).

Ab 5. Oktober soll die als temporäre Erweiterung der Schausammlung gedachte Ausstellung "Zwischen Kostenschätzung, Muttermilch und Bauwende. Positionen unserer Generation" die brennendsten Fragen junger Architektinnen und Architekten behandeln.

Die 2021 geschaffene und mittlerweile für ihr Informationsdesign mit einem Joseph-Binder-Award geehrte Ausstellung "Boden für alle" hat auf ihrer Tour österreichweit bereits über 20 Stationen hinter sich. "Wir machen jetzt noch ein drittes Jahr weiter", kündigte Fitz an, denn an Aktualität habe diese Auseinandersetzung mit der rasant fortschreitenden Bodenversiegelung leider nichts verloren. "Was wir tun können, ist, Bewusstsein zu schaffen. Realpolitisch sind wir aber noch weit von einer guten Bodenstrategie entfernt." Dem pflichtete Swoboda bei: "Ohne neuen rechtlichen Rahmen wird man diese in ihrem Tempo europaweit einmalige Versiegelung nicht bremsen können."

(S E R V I C E - Architekturzentrum Wien, Museumsquartier Wien, Geöffnet täglich 10-19 Uhr, www.azw.at )

Quelle: Agenturen