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APA-CEO Pig skizziert mit Buch Zukunft der Infogesellschaft

"Hat die Wa(h)re Nachricht eine Zukunft?", fragt sich APA-Geschäftsführer Clemens Pig in seinem neuen Buch "Democracy dies in Darkness". Eine Antwort darauf zu finden ist angesichts von zunehmenden Fake News, Nachrichtenmüdigkeit und einer rasanten technologischen Entwicklung nicht einfach. Im Kampf gegen Desinformation könnte eine "European NewsTech Alliance" Abhilfe schaffen, wo zuverlässige Infos den Input für gemeinsame KI-Anwendungen liefern, so der Medienmanager.

Kurz vor dem 175-jährigen Gründungsjubiläum der österreichischen Nachrichtenagenturen (1849-2024) streicht Pig mit seinem jüngst veröffentlichten Buch, dessen Titel von der "Washington Post" entliehen ist, die den Slogan seit mehreren Jahren unter ihrem Logo trägt, die zentrale Funktion von Nachrichtenagenturen für die Medienindustrie hervor. Bis zu zwei Drittel aller täglichen massenmedialen Informationen gehen direkt oder indirekt auf diese zurück. Umso bedenklicher sei daher, dass nur ein kleiner Teil aller Nachrichtenagenturen weltweit staatlich unabhängig ist. Die unabhängigen Agenturen würden jedoch "an der Spitze der Informationspyramide" den "free flow of information" aufrechterhalten und mit ihrem faktenbasierten Journalismus als "Kühlmittel für die polarisierten, überhitzten Meinungsmärkte der sozialen Netzwerke" fungieren.

"Es ist heutzutage so wichtig wie nie zuvor, dass man unterscheiden lernt, was eine sauber recherchierte Nachricht ist und was nicht. Technische Entwicklungen wie ChatGPT befeuern das nochmal massiv", sagte Pig bei einer Buchpräsentation am Donnerstagvormittag. "Es findet derzeit eine Art unsichtbares Match über die internationale Lufthoheit der globalen Nachrichtenströme statt", so der APA-CEO. Allein die staatliche chinesische Nachrichtenagentur habe mehr Mitarbeiter als alle unabhängigen europäischen Nachrichtenagenturen zusammen. Der erste Schritt in ein autokratisches System sei in der Regel, "den freien Medien das Licht abzudrehen". "Wir sollten hochsensibilisiert dafür sein und intensiver auf die Rolle unabhängiger Berichterstattung für die Demokratie hinweisen", plädierte Pig.

Mit ihrem Kerngeschäft - der Bereitstellung von verlässlichen Informationen - könnten sich aber nur die wenigsten Nachrichtenagenturen finanzieren. Daher sei Diversifizierung "unausweichlich", so Pig, der auch als Präsident der European Alliance of News Agencies (EANA) tätig ist. Nachhaltig erfolgreiche Agenturen müssten mit ihren Services "selbst zum (technologisch) integralen Bestandteil der Medienproduktion werden", schreibt er. Wobei er den Mehrwert von Kollaboration hervorstreicht - sind doch die Entwicklung und der Betrieb von neuen IT-Services teuer und komplex und brauche es einen Schulterschluss gegen die Herausforderungen der Zeit.

Und in diesen Bereich fällt Pigs Vision eines gemeinsamen Raums, wo Nachrichtenagenturen und Medienhäuser gemeinsam künstliche Intelligenz trainieren und für ihre jeweiligen Anforderungen einsetzen können. "Auch wenn derzeit generative AI keine journalistischen Texte oder Nachrichten alleine ohne weitere menschliche Prüfung auswählen und verfassen kann, ist die aktuell verfügbare AI-Technologie wohl nur ein Vorgeschmack auf eine mögliche bis sehr wahrscheinliche Revolution in der Analyse, Verarbeitung und Erstellung von Texten und Bildern - und Nachrichten", zeigte sich der Medienmanager überzeugt.

"KI ist Riesenbedrohung und Riesenchance zugleich. Die Finger davon zu lassen ist nicht mein Ansatz", erklärte Pig bei der Präsentation. Man dürfe sich das Thema nicht aus der Hand nehmen lassen. "Wir müssen selber Profis auf diesem Feld werden und das Wertesystem unabhängiger Nachrichtenagenturen auf diese Technologie anwenden." Es brauche eine europäische Technologie-Plattform, welche die Intelligenz der Newsrooms nutz- und teilbar macht und Künstliche Intelligenz anhand verifizierter Informationen umfassend trainiert. Dies schaffe neue Services und Geschäftsmodelle zur wirtschaftlichen Stärkung des Ökosystems und zur Entwicklung neuer IT-Anwendungen.

Abseits seines Plädoyers für die "European NewsTech Alliance" liefert der APA-Geschäftsführer mit seinem Buch einen Einblick ins Nachrichtenagenturgeschäft, befasst sich mit dem Thema Faktencheck und streut so manche Anekdote wie ein virtuelles Aufeinandertreffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ein, das ihm erneut verdeutlicht habe: Man müsse früh gegen den Abbau der vierten Säule der Demokratie ankämpfen. Und derzeit seien Medien wichtiger denn je für die Demokratie, meinte Pig.

(S E R V I C E - Clemens Pig: "'Democracy dies in Darkness'. Fake News, Big Tech, AI: Hat die Wa(h)re Nachricht eine Zukunft?", Brandstätter Verlag, 216 Seiten, 25 Euro)

ribbon Zusammenfassung
  • Eine Antwort darauf zu finden ist angesichts von zunehmenden Fake News, Nachrichtenmüdigkeit und einer rasanten technologischen Entwicklung nicht einfach.
  • Wobei er den Mehrwert von Kollaboration hervorstreicht - sind doch die Entwicklung und der Betrieb von neuen IT-Services teuer und komplex und brauche es einen Schulterschluss gegen die Herausforderungen der Zeit.
  • Fake News, Big Tech, AI: Hat die Wa(h)re Nachricht eine Zukunft?