APA - Austria Presse Agentur

Anti-Idylle am Niedermoor: Olga Flors neuer Roman "Morituri"

26. Feb 2021 · Lesedauer 2 min

"Ave Caesar, morituri te salutant!" Diesen Spruch kennt nicht nur jeder Gymnasiast. Ob auch die Protagonisten in Olga Flors neuem Roman "Morituri" wirklich Todgeweihte sind, ist fraglich. Sie tummeln sich in den kurzen, rasch wechselnden Abschnitten des Buches jedenfalls recht lebendig: die Wirtin und Bürgermeisterin, die Redenschreiberin, der Hühnerzüchter und seine Tochter, der farbige "Moa", der sich so trefflich auf Moor reimt, und die Frau Dr. Mur vom "Good Life Center".

Im Niedermoor "einer Landgemeinde, die hauptsächlich aus Zersiedelung bestand und sich an ein von diesem Standpunkt aus noch nicht in aller Herrlichkeit erkennbares Gebirgsmassiv wie beiläufig heranwanzte, sich zwischenzeitlich mit einer Landschaft begnügte, die als hügelig und allgemein wenig herausragend bezeichnet werden musste", bereitet sich Großes vor: Hier soll - sofern das Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren, das freilich nur Formsache ist, positiv abgeschlossen wird - ein Privatklinik-Projekt errichtet werden. Man munkelt von Geldwäsche, vordergründig geht es jedoch um Blutwäsche: Zwei menschliche Blutkreisläufe werden zusammengeschlossen. Was das wirklich bringen soll, ist unklar. Pioniere (oder Versuchskaninchen) der neuen, Parabiose genannten Methode sind jedenfalls der Architekt, Aussteiger und Hühner- und Tomatenzüchter Maximilian und der Farbige Maurice. M&M, quasi.

Die unscheinbare 3485-Seelen Gemeinde ist keine Idylle, das wird rasch klar. Worum es Olga Flor eigentlich geht, wird weniger deutlich. Die kleinen Lebenslügen, politischen und wirtschaftlichen Tricksereien, mit denen man konfrontiert wird, bewegen sich im Rahmen des Erwartbaren. Viele Probleme des ländlichen Bereichs sind versammelt, inklusive der Folgen der Globalisierung: "globale Provinz". Auch die Flüchtlingsproblematik kommt immer wieder durch. Allmählich braut sich etwas zusammen. Zur Eröffnung der Privatklinik ("der Eingangsbereich nannte sich Einreisezentrum, das klang schon so einladend") wird als Medienstar der Präsident erwartet, unterdessen rüstet sich ein Attentäter zu seinem ultimativen Auftritt. Das alles kulminiert in einem "Showdown", der jedoch eher verwirrend als klärend ausfällt.

In Romanen wie "Die Königin ist tot", "Ich in Gelb" und "Klartraum" hat die vielfach ausgezeichnete Autorin viel Sprachwitz und einen pointierten, sarkastischen Zugang zur Gegenwart bewiesen. Bei "Morituri" gelingt ihr das nur abschnittsweise. Vieles wird angerissen, aber nicht zugespitzt, mehr vermischt als geklärt. Die Unentschlossenheit, die Olga Flor ihrem Schauplatz "im Halbmittelgebirge" einschreibt, hat auf die Morituri im Moor abgefärbt: Alles halb so wild. Aber auch nur halb so lustig. Da hält man sich also am Besten an den Schlusssatz: "Man könnte sagen, es sei nichts passiert."

(S E R V I C E - Olga Flor: "Morituri", Jung und Jung, 208 Seiten, 22 Euro)

Quelle: Agenturen