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Ana Marwan gewinnt den Bachmann-Preis

26. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Die in Niederösterreich lebende Slowenin Ana Marwan hat mit ihrem Text "Wechselkröte" am Sonntag in Klagenfurt den 46. Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. Die mit 25.000 Euro dotierte Literatur-Auszeichnung wurde heuer erstmals nach einem Punktesystem vergeben.

"Es ist sehr merkwürdig, dass das erste Licht, in das ich nach meiner Eremitenrolle gekommen bin, nicht die Sonne gewesen ist, sondern die Scheinwerfer", sagte die Preisträgerin im Interview mit der APA. Was der Preis mit ihr machen werde, "darüber habe ich mir tatsächlich noch gar keine Gedanken gemacht, weil ich wirklich nicht damit gerechnet habe, dass ich hier gewinnen könnte.

Der Höhepunkt war für mich schon, dass der Text so schön bei den Zuhörern und der Jury angekommen ist." Sie werde sich jedoch "immer in beiden Sprachen ausdrücken wollen". Im kommenden Jahr soll die deutsche Übersetzung ihres slowenischen Romans "Zabubljena" erscheinen.

Deutschlandfunk-Preis: Alexandru Bulucz

Der Deutschlandfunk-Preis (12.500 Euro) ging an den in Berlin lebenden gebürtigen Rumänen Alexandru Bulucz, der im Siegerinterview ein großes Jury-Lob aussprach. Den Kelag-Preis (10.000 Euro) erhielt der deutsche Soziologe Juan S. Guse, der zuletzt als Favorit gehandelt worden war. Der deutsche Wahl-Wiener Leon Engler bekam den 3sat-Preis (7.500 Euro).

BKS Bank-Publikumspreis: Elias Hirschl

Neben diesen von einer siebenköpfigen Jury vergebenen Preisen gab es den BKS Bank-Publikumspreis (7.000 Euro plus Stadtschreiberstipendium), für den am Samstagnachmittag online abgestimmt werden konnte. Gewonnen hat ihn der junge Wiener Elias Hirschl, der sich damit sehr zufrieden zeigte.

"Es freut mich sehr, dass der Preis dieses Jahr an eine Autorin geht, die Österreich als ihren Lebensmittelpunkt und auch ihre literarische Heimat ausgewählt hat. Dieser Preis ist weit mehr als eine Ehrung, er kann neue Türen öffnen und Chancen ermöglichen. Dies ist Ana Marwan auch weiterhin von ganzem Herzen zu wünschen", gratulierte Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) per Aussendung. "Ich freue mich auch, dass der Publikumspreis mit Elias Hirschl, der mich persönlich immer wieder mit seiner Vielseitigkeit beeindruckt, an einen jungen österreichischen Autoren geht. Es ist eine große Kunst, die Zuhörerinnen und Zuhörer für sich zu erobern, die ihm immer wieder aufs Neue gelingt."

Nach zwei Jahren wieder vor Ort

Nach zwei Jahren pandemiebedingter gänzlicher oder teilweise Auslagerung ins Internet haben die Tage der deutschsprachigen Literatur heuer wieder alle vor Ort zusammengeführt: 14 Autorinnen und Autoren, die Jury und das Publikum. Die Stimmung bei der fünftägigen Literaturveranstaltung war ausgesprochen gut.

Ob Neuerungen wie das räumliche Auseinanderziehen von Lesungen und Jury-Diskussionen sowie der neue Vergabemodus blieben werden, wird sich zeigen. ORF-Cheforganisator Horst Ebner wollte gegenüber der APA jedoch nicht "Kaffeesudleserei betreiben": "Vielleicht wird es nächstes Jahr wieder etwas ganz anderes. Man darf ja nicht nur in ausgetretenen Bahnen unterwegs sein, sondern braucht auch das Neuland." Der nächste Bewerb findet jedenfalls von 28. Juni bis 2. Juli 2023 statt.

Quelle: Agenturen