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Albertina modern widmet sich Anfängen der Kunstfotografie

03. Feb. 2023 · Lesedauer 3 min

Einem "Kapitel der Kunstgeschichte, das wirklich noch entdeckt werden muss", widmet sich die Albertina modern mit der Schau "Piktorialismus. Die Kunstfotografie um 1900". Zu sehen sind 98 Fotos zwischen Historismus, Jugendstil und Modernismus, denen das Ansinnen gemeinsam ist, neben der bildenden Kunst als eigenständige Kunstform zu bestehen. Dabei spannt man den Bogen von der frühen Amateurfotografie des späten 19. Jahrhunderts bis zur Kunstfotografie der Zwischenkriegszeit.

Laut Direktorin Angela Stief, die auf APA-Anfrage bekannt gab, sich für die Albertina-Generaldirektion ab 2025 zu bewerben, sei bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Piktorialismus "noch Luft nach oben", wie sie am Freitag beim Presserundgang betonte. Ein Großteil der von Astrid Mahler kuratierten Schau stammt aus den Beständen der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt, die der Albertina als Dauerleihgabe zur Verfügung stehen.

Eingebettet ist die Schau in den Kontext der englischen Vorläufer: Ab den 1880er-Jahren bildete sich auf der Insel ein aus Amateuren bestehender Personenkreis, der sich zunehmend für den bildnerischen Aspekt der Fotografie interessierte. Als Pioniere gelten der Landschafts- und Genremaler David Octavius Hill und der Fotograf Robert Adamson, die bereits in den 1840er-Jahren als Negativmaterial gewachstes Aquarellpapier verwendeten, das aufgrund der groben Papierfasern eine sanfte Unschärfe hervorrief. Als wegweisend bezeichnete Mahler die Arbeiten von Julia Cameron, deren Porträtfotografien der 1860er-Jahre durch großformatige Köpfe und eine gewisse Unschärfe tatsächlich malerische Komponenten aufwiesen. Gar auf Montagetechniken setzte mit Henry Peach Robinson in den 1880ern ein weiterer Vertreter der britischen Bewegung.

Auch in Österreich waren es um 1900 zunächst Amateure, die zu den heimischen Begründern des Piktorialismus zählten: Die Schau präsentiert dabei Arbeiten von Hugo Henneberg und Hans Watzek, deren Verwendung des (auch mehrfärbigen) Gummidrucks die malerischen Aspekte der Landschaftsfotografien noch stärker zur Geltung brachte. 1887 entstand mit dem "Camera-Club" gar ein eigener Verein von (wohlhabenden) Amateurinnen und Amateuren, zu denen etwa der Bauingenieur Robert von Stockert und der Zuckerfabrikant Julius Strakosch gehörten. Als einer der bedeutendsten Protagonisten galt schließlich Heinrich Kühn, der vor allem durch seine engen Beziehungen zur amerikanischen Fotografieszene internationale Bekanntheit erlangte und der in der Ausstellung mit zahlreichen Stillleben, Porträts und Aufnahmen seiner Kinder vertreten ist.

Schließlich gewann der Piktorialismus auch Einfluss in der Porträtfotografie, in der überflüssige Accessoires eliminiert wurden, während eine nuancenreiche Belichtung die Persönlichkeit der Modelle hervorhob. Als österreichisches Beispiel präsentiert die Ausstellung Arbeiten des Atelier d'Ora wie etwa ein Porträt des Komponisten Alban Berg aus dem Jahr 1909. Als Schüler der Graphischen zeigten sich die Einflüsse auch in den ikonischen Arbeiten von Rudolf Koppitz mit seiner berühmten Bewegungsstudie und Anton Josef Trčka, der mit seinen Porträts von Egon Schiele und Gustav Klimt in der Schau vertreten ist. Den Abschluss der Schau, die den Weg hin zur Kunstfotografie eindrucksvoll nachzeichnet, bilden schließlich Architektur- und Landschaftsfotografien aus der Zwischenkriegszeit.

(S E R V I C E - "Piktorialismus. Die Kunstfotografie um 1900" in der Albertina modern. 3. Februar bis 26. April. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, 24,90 Euro. www.albertina.at)

Quelle: Agenturen