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A.A. Williams singt Coverprojekt in der Isolation ein

18. März 2021 · Lesedauer 4 min

Wenn der Zufall regiert: Die britische Musikerin A.A. Williams, die im Vorjahr ihr Debüt "Forever Blue" veröffentlicht hat, nutzte den coronabedingten Lockdown für ein besonderes Projekt. Via Instagram bat sie ihre Fans um Songvorschläge für reduzierte Liveversionen. "Ich habe aber nicht dazu geschrieben, ob es Lieder von mir sein sollen", lacht Williams. Also kamen Ideen wie Deftones, Nine Inch Nails, Radiohead - und es entstand das Coverprojekt "Songs From Isolation".

"Ich dachte mir einfach: Okay, Herausforderung angenommen, ich mache das!", rekapituliert Williams im APA-Gespräch die Entstehungsgeschichte des Vorhabens. Immerhin galt es für die Britin, aus der unfreiwilligen Pause das beste zu machen. "Schon vor dem ersten Lockdown hat sich ja angekündigt, dass da etwas auf uns zukommen wird", so die Sängerin. Konzerte wurde gecancelt, ihr Album erschien damals trotzdem. Aber wie die Hörerschaft abseits dessen zufriedenstellen?

"Im Lockdown bist du ja limitiert auf deine eigenen vier Wände. Also einen Stream mit meinem Smartphone machen? Nein, das ist nichts für mich", erinnert sich Williams an ihre ersten Ideen. "Ich überlegte mir also etwas, das ich für vielversprechender hielt, anstatt übereilt einfach die erstbeste Aufnahme online zu stellen." Es sollten Interpretationen werden, die nur das Wesentliche eines Songs widerspiegeln - zart, aber kraftvoll zugleich. Aber anstatt auf die Stücke von "Forever Blue" zurückzugreifen, wurden es dank ihrer Fans Nummern wie "Nights in White Satin" von The Moody Blues oder "Lovesong" von The Cure.

Im Nachhinein muss man sagen, dass es ein Glücksfall war. Denn Williams' Versionen erzeugen eine ganz besondere Atmosphäre - auch ohne die ursprünglich veröffentlichten, in schwarz-weiß gehaltenen Videos. "Es war schön, dass einmal nicht die ganze Verantwortung für ein Projekt bei mir lag", schmunzelt Williams. "Meine Fans hören ziemlich viele verschiedene Genres, wie ich bemerkt habe. Also wollte ich ihnen nicht meine Auswahl aufzwängen, sondern sie ins Boot holen." Aus den Hunderten Vorschlägen wählte sie jene aus, "die am besten zu mir passten". Ihr Label brachte schließlich ein Album als Ergänzung des Projekt ins Spiel.

"Es gibt aber immer ein Risiko, wenn du dir einen fremden Song vorknöpfst", unterstreicht Williams. "Du willst ihn ja nicht zu sehr verändern und für jemanden ruinieren. Es ist einfach ein schmaler Grat, auf dem du dich bewegst. Gesang, Text, Melodie - all das musst du abwägen und in deine Version reinbringen, selbst wenn das Cover letztlich viel reduzierter daherkommt als das Original." Bei "Creep" von Radiohead, dem ersten Song, sei sie noch sehr nervös gewesen. "Aber als das gut funktioniert hat und von den Leuten angenommen wurde, bin ich einfach meinem Instinkt gefolgt."

Mal begleitet sich Williams am Klavier, dann wieder an der Gitarre - stets aber ist es ihr dunkles Timbre und die oft vorsichtige Intonation der Worte, die in den Song hineinführen und ihre Interpretationen zum Blühen bringen. "Das Projekt war letztlich genau das richtige für mich, weil es mich im Lockdown beschäftigt hat und ich abgelenkt war. Sonst war es schon sehr eigenartig für mich, so lange zuhause zu bleiben und keine Konzerte spielen zu können. Aber darauf habe ich nun mal keinen Einfluss."

Die Bands, die nun den Weg auf diesem nach eigener Aussage "Zufallsalbum" gefunden haben, liegen Williams alle in der ein oder anderen Form sehr nahe. Der Alternative-Metal von Deftones habe sie als Jugendliche zu härterer Musik geführt, in den Kompositionen von Radiohead entdecke sie heute noch, nach all diesen Jahren, immer wieder neue Details. Und Trent Reznor mit seinen Nine Inch Nails habe sie als junge Musikhörerin "mit Dingen konfrontiert, die ich bis dahin nicht kannte". Die Zuneigung diesen Künstlern und ihren Songs gegenüber, man hört sie Williams zu jeder Sekunde der Platte an.

Aber nicht alles kann und muss klappen. So hat die Sängerin sich auch an einem Stück von Black Sabbath versucht. "Ich liebe sie und habe es wirklich probiert, aber es hat nicht funktioniert", gibt sie zu. "Diese mächtigen Songs kannst du nicht kleiner machen, nicht reduzieren. Also sagte ich mir schlussendlich: Nein, das ist zu heilig, als dass ich da einfach irgendetwas einfügen könnte, nur damit es für mich aufgeht. Ich lasse, es soll heilig bleiben."

Dass sie 2020 so gut wie keine Konzerte spielen konnte und auch das heurige Jahr nicht viel rosiger aussieht, nimmt Williams ziemlich pragmatisch. Immerhin mache es auch der Brexit sehr schwer für britische Künstler, Tourneen zu buchen. Also sucht sie sich andere Ziele. "Ich versuche, netter zu mir selbst zu sein und nicht mehr so hart mit mir ins Gericht zu gehen", betont die Vielarbeiterin. "Hin und wieder einen Tag freizunehmen, das ist schon in Ordnung." Und wenn Corona noch lange dem Konzertgeschehen im Weg steht, müsse man eben kreativ werden. "Teilweise sind ja Fachmessen, Fortbildungen und solche Dinge erlaubt. Dann brauche ich nur einen neuen Namen. 'Bob's Team Building Exercise Course' oder in der Art", lacht die Musikerin. "Man sieht sich bei der nächsten Weiterbildung!"

Quelle: Agenturen