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So reagierten die Medien auf den Tod der Queen

09. Sept. 2022 · Lesedauer 8 min

Der Tod von Queen Elizabeth II. ist derzeit in den Schlagzeilen aller Zeitungen weltweit. Die Reaktionen der internationale Medien zum Tod der Königin und was dazu geschrieben wurde, kann hier nachgelesen werden.

"The Telegraph" (London):

"Der Einfluss, den sie in ihrem ererbten Amt als Staatsoberhaupt ausübte, beruhte auf einer tief verwurzelten Zuneigung des Volkes, von der ein Politiker nur träumen kann. Die Königin erinnerte uns an unsere Vergangenheit, an die Kontinuität unserer nationalen Geschichte und an die Tugenden der Widerstandsfähigkeit, des Einfallsreichtums und der Toleranz, die sie geschaffen haben.

Wir sollten auch nicht vergessen, dass nicht nur das Vereinigte Königreich eine Monarchin verloren hat, sondern auch Australien, Kanada, Neuseeland und elf weitere überseeische Gebiete, die die Königin als Staatsoberhaupt behalten haben. Werden sie ohne sie dem Druck widerstehen können, Republiken zu werden? (...)

Das Leben der Königin war nicht ohne Wechselfälle. Sie sah sich mit vielen der Schwierigkeiten konfrontiert, die alle Familien heimsuchen, mit zerrütteten Beziehungen, Scheidungen und dem Unglück von Kindern und Enkelkindern. Trotz der Erhabenheit ihrer Position war sie den enttäuschenden Aspekten des Lebens genauso ausgesetzt wie wir alle. Als Nation trauern wir alle gemeinsam um sie. Das zweite Zeitalter einer Königin Elizabeth ist zu Ende. Lang lebe König Charles III."

"The Guardian" (London):

"Die längste monarchische Herrschaft in der britischen Geschichte, mehr als 70 Jahre, ist vorbei. Doch das Buch der Rekorde ist weniger wichtig als das weit verbreitete Gefühl, dass das, was nun vergangen ist, nie mehr zurückkehren wird. Das Leben der Königin umspannte die gesamte Geschichte des modernen Großbritannien. Sie wurde geboren, als Großbritannien ein Weltreich mit etwa 600 Millionen Einwohnern beherrschte. Sie starb, als Großbritannien ein mittelgroßes nordeuropäisches Land mit einer ungewissen Zukunft geworden war. (...) Elizabeth II. hinterlässt eine Lücke, die wahrscheinlich nicht gefüllt werden kann. Die Monarchie der Zukunft wird nicht mehr dieselbe sein. Sowohl die Reform der königlichen Finanzen als auch die der Zivilliste (die staatlichen Zahlungen für den Unterhalt von Mitgliedern der königlichen Familie) müssen sorgfältig durchdacht werden, wobei das Parlament angemessen konsultiert werden und das Recht haben muss, seine endgültige Zustimmung zu geben. Vorrangig muss jetzt die Krönung - eine religiöse Zeremonie, die unter den europäischen Monarchien einzigartig ist - erörtert werden."

"Washington Post" (USA):

"Ihre Regentschaft auf Statistiken herunterzubrechen, würde ihren größeren Beitrag zur britischen Gesellschaft und unserem kulturellen Bewusstsein verfehlen. Stetig wie ihr allgegenwärtiges Profil auf Briefmarken und Münzen verkörperte die Königin die britische Selbstbeherrschung.(...) Während andere in der königlichen Familie sich lautstark zu ihren Privatleben und Meinungen äußerten - auch zu Regierungsangelegenheiten - stellte sie die Monarchie vor die Monarchin, gab der Pflicht den Vorrang vor persönlichen und familiären Interessen. (...)

Letztlich war ihre praktizierte Unparteilichkeit ein Vorteil, der es ihr ermöglichte, zu einem Nationalismus ohne Parteilichkeit zu inspirieren. Ihr Engagement für den Dienst am Volk war lobenswert - umso mehr für die Dauer ihrer Regentschaft und die Führung, die sie in spaltenden Zeiten anbot. Die Beliebtheit und Langlebigkeit der Queen haben als einende Kraft gewirkt, selbst nachdem der Brexit Großbritanniens Bindung an Europa gelöst hat und sich auch die Bande gelockert haben, die die einzelnen Länder des Vereinigten Königreichs zusammenhalten. Die Monarchie - und Großbritannien - könnten sich ohne die Queen dramatisch verändern."

"Libération" (Paris):

"Kann sie wirklich so plötzlich verschwinden, eine Konstante in einer Welt, in der sich scheinbar alles zu schnell verändert? Sie hat fünfzehn Premierminister erlebt, angefangen mit Winston Churchill. Sie hat keine Ideologie, keine Idee und nur sehr wenige Zitate hinterlassen. Genau das macht sie so wichtig für die Geschichte ihres Volkes. (...)

Ihr Tod stürzt ihr Land ins Ungewisse; es warten nun flammende und bewegende Rituale, die nur die Briten zu inszenieren wissen. Nach diesen Tagen der Trauer, der auf halbmast gesetzten Flaggen und der prunkvollen Krönung wird King Charles III. als König (...) seinem Volk allein gegenüberstehen. Aber er hat zweifellos ihren Überlebensinstinkt geerbt und könnte durchaus für Überraschungen sorgen."

"El Mundo" (Madrid):

"Es ist schwierig, die historische Dimension einer so gigantischen Figur wie Elizabeth II. zu erfassen (...) Es war ihr persönliches Prestige, das die Krone stützte, als Skandale ihre eigene Familie erschütterten, insbesondere die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen gegen ihren Sohn Prinz Andrew. (...)

Es ist nun die Zeit ihres geduldigen Sohnes Charles, der im Alter von 73 Jahren den Thron besteigt. Hoffen wir, dass das Beispiel seiner Mutter ihm dabei helfen wird, das Vereinigte Königreich in diesem stürmischen 21. Jahrhundert mit der gleichen Gewissheit und Sicherheit zu führen. Schließlich ist das die Aufgabe der Monarchie in unserer Zeit: Sie soll eine institutionelle Sicherheit bieten, die vom ungewissen Auf und Ab der Geschichte unberührt bleibt."

"Pravo" (Prag):

"Obwohl die Monarchie als eine höchst konservative Institution gilt, lehnte Königin Elizabeth II. den Fortschritt nie ab. Im Jahr 1957 hielt sie ihre erste Weihnachtsansprache im Fernsehen, im Jahr 1976 schrieb sie über das Arpanet-Netzwerk ihre erste E-Mail und vor drei Jahren veröffentlichte sie ihren ersten Eintrag bei Instagram. Die Coronavirus-Pandemie brachte ihr den Spitznamen der 'Zoom-Monarchin' ein, weil sie ihren Pflichten über die Videokonferenzplattform nachkam. Großbritannien veränderte sich während ihrer mehr als 70-jährigen Herrschaft bis zur Unkenntlichkeit. Dennoch blieb Elizabeth II. in dieser Zeit für ihre Nation immer ein Fixstern und eine Stütze."

"Magyar Nemzet" (Budapest):

"Den Lebensweg der verstorbenen Königin hat die Demut, die Arbeit und das Pflichtbewusstsein bestimmt. Denn sie war die Herrscherin der alten Welt. In ihrer Person hat die ganze Welt die Briten wirklich verehren können, die nie Knechte sein konnten (...). Sie hat nicht ganz in diese sehr schmutzige, von falschen und entstellten Nachrichten volle Facebook-Welt gepasst. Mit dem Tod von Elizabeth II. ist ein sehr wichtiges Bindeglied zwischen dem Alten und dem Neuen verschwunden.

Prinz Charles - der schon König ist, wie merkwürdig das auch klingen mag - ist schon ein Moderner, über ihn ist in seinem bereits langen Leben schon alles gesagt worden, man hat ihn durch den Schlamm gezogen. (...) Mit Elizabeth II. ist die alte Welt gestorben. (...) Londons Brücke ist eingestürzt und vielleicht können sie sie nie wieder neu bauen."

"De Telegraaf" (Amsterdam):

"Mit dem Ableben von Königin Elizabeth II. ist ein Zeitalter zu Ende gegangen. Die Monarchin war für viele Briten ein Fels in der Brandung, ein Faktor für Stabilität in unruhigen Zeiten. Je länger sie auf dem Thron saß, desto mehr wurde sie auch weltweit zur Ikone. (...) Nun sind alle Augen auf ihren Sohn Charles gerichtet, der 73-Jährige war ein Leben lang in den Kulissen gestanden. Er muss nun in große Fußstapfen treten."

"Aftenposten" (Oslo).:

"Die Geschichte von Queen Elizabeth ist mehr als nur die Erzählung eines Landes. Sie handelt davon, wie ein Mensch nationale Traditionen und Symbole in sich als Person tragen kann. Niemand stand so lange und so unbeirrt im gnadenlosen Rampenlicht wie sie. Das Gesicht und die Gestalt der Königin, die farbenfrohen Kostüme und Hüte, die kleine Tasche an ihrem Arm, sind in allen Ecken der Welt bekannt. Sie war wahrscheinlich die berühmteste Person auf dem Planeten. Niemand war auf die gleiche Weise wie sie ein globales Symbol der Hingabe zur Würde, Pflicht und Berufung. Deshalb wurde sie auf der ganzen Welt geliebt und bewundert."

"De Standaard" (Brüssel):

"Queen Elizabeth wurde Königin, als Winston Churchill, Harry Truman und Josef Stalin die Welt regierten und ihr Land noch ein globales Imperium war, das große Teile Afrikas beherrschte. Die Botschaft, mit der sie den Thron bestieg, war einfach und klar - und vielleicht gerade deshalb so anziehend. Sie sprach von ihrer lebenslangen Pflicht, dem Volk zu dienen.

Die Welt hat sich seither sehr stark verändert, aber ihre Botschaft der Pflicht schien nie altmodisch zu werden und hat Generationen von Briten verzaubert. Immer wenn die Königin einen Jahrestag zu feiern hatte, füllten sich die Straßen Londons mit Hunderttausenden von Menschen und im ganzen Land wurden Volksfeste veranstaltet. Auch viele Nicht-Briten werden zugeben, dass sie sich regelmäßig von der Aura einer Königin mitreißen ließen, die selbst von Netflix als ein Weltstar betrachtet wurde."

Quelle: Agenturen / Redaktion / poz