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Großbauer in OÖ soll Eigentümer von Online-Porno-Imperium sein

24. Mai 2021 · Lesedauer 3 min

Pornhub - die größte Pornoseite weltweit - ist in Kanada aufgrund von illegalen Inhalten wie Kinderpornographie und Vergewaltigungsvideos Gegenstand von Untersuchungen. Die intransparente Betreiberfirma soll mehrheitlich einem Großbauer aus Oberösterreich gehören, wie neue Recherchen zeigen sollen.

Pornhub ist die größte Pornoseite der Welt. Monatlich verzeichnet sie 3,5 Milliarden (!) Besucher - mehr als Netflix oder Amazon. Die Seite gibt sich in der Selbstdarstellung progressiv, macht immer wieder mit cleveren Marketing-Schmähs auf sich aufmerksam. Doch hinter der Wohlfühl-Fassade steckt Geschäftemacherei mit teils illegalen Inhalten.

Weil Nutzer selbst Videos hochladen können, findet sich auf Pornhub tausendfach Kinderpornografie, Vergewaltigungsvideos und Rachepornos, also Sexvideos die ohne Einverständnis der Beteiligten veröffentlicht werden, oft als Rache für ein Beziehungsende. Mehr als ein Dutzend Frauen erheben Vorwürfe gegen Pornhub. Es seien ohne ihr Einverständnis Videos veröffentlicht worden, manche waren auf den Aufnahmen erst 14 Jahre alt.

Pornhub gelobte nach mehreren reichweitenstarken Medienberichten Besserung und hat im Dezember 2020 Millionen Videos von "nicht verifizierten Usern" gelöscht. Man wolle strengere Richtlinien und mehr Sorgfalt bei der Moderation von Inhalten einführen, heißt es.

Der Eigentümer im Dunkeln

Der Ethikrat des kanadischen Parlaments untersucht inzwischen das Geschäftsgebaren von Pornhub, denn die Betreiberfirma Mindgeek ist nominell ein kanadisches Unternehmen. Allerdings zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass die Firma ihren Sitz auf Zypern hat und die tatsächlichen Eigentümer durch ein Netz aus Briefkastenfirmen verschleiert werden.

Die Recherche-Plattform "Dossier" und das Nachrichten-Portal "Tortoise" haben die Spur zum ominösen Mehrheitseigentümer verfolgt - und sind in Oberösterreich gelandet. Ausgangspunkt der Recherchen war die Aussage der Mindgeek-Geschäftsführer vor dem kanadischen Parlament unter Wahrheitspflicht. Sie sprachen von einem gewissen "Bernard Bergemar", der mehr als die Hälfte an Mindgeek besitze. Laut den Recherchen von "Dossier" und "Tortoise" handelt es sich dabei um einen Großbauern aus dem Großraum Linz.

Vom Bauernsohn zum Investor

Bergemar soll in Wirklichkeit anders heißen und jener geheimnisumwitterte Eigentümer des Pornhub-Imperiums sein. Er stammt aus einer oberösterreichischen Bauernfamilie. Nachdem er zunächst eine Landwirtschaftsschule absolvierte, soll der heute 52-Jährige eine rauschende Wirtschaftskarriere gestartet haben- unter anderem bei der Unternehmensberatung McKinsey und der Investmentfirma Goldman Sachs in New York. Danach verlaufen sich seine Spuren offenbar.

2006 taucht er wieder auf. Damals startete "Redtube", eine Website mit kostenlos abrufbaren Pornovideos nach dem Konzept von Youtube, die in kürzester Zeit Millionen Menschen erreichte. Die Firma hatte ihren Sitz in Wien und suchte Investoren, Bergemar stieg ein und legte so den Grundstein seines Online-Porno-Imperiums. Wie er jedoch zum Mehrheitseigentümer von Mindgeek aufstieg, ist aber nach wie vor unklar.

Großbauer, der auch gerne selbst mit anpackt

Bergemar lebt nach wie vor in Oberösterreich und hat mit seinem Vermögen von geschätzt 1,4 Milliarden Euro viel Grundbesitz in seiner Heimatgemeinde gekauft. Im Hochsommer komme er nach wie vor zum Weizendreschen, die Maschinen fahre er selbst, in Jeans und einem weißen Hemd, haben die "Dossier"-Reporter dort erfahren. Das Besondere: Auch der Grundbesitz läuft nicht auf seinen Namen sondern auf eine Briefkastenfirma auf den Virgin Islands.

Er selbst wollte den beiden Medien keine Fragen beantworten. Allerdings lässt der Bericht die Frage offen, ob die Spur hier tatsächlich zu Ende ist: Hat er wiederum finanzkräftige Hinterleute, die im Verborgenen agieren?

Quelle: Redaktion / hos