APA - Austria Presse Agentur

"Facebook Papers": Zuckerberg ließ kritische Stimmen in Vietnam abdrehen

25. Okt 2021 · Lesedauer 2 min

Zahlreiche interne Dokumente des Social-Media-Giganten Facebook zeigen, wie Hetze, Gewaltdarstellungen und sogar politische Unterdrückung und Menschenhandel zugelassen wurden, um Profite zu maximieren. Zum Teil auch auf Anweisung von Chef Mark Zuckerberg selbst.

Unzählige interne Dokumente des Social-Media-Giganten Facebook geben Einblick in die inneren Abläufe des Unternehmens. 17 US-Medien haben diese sogenannten "Facebook Papers" ausgewertet und berichten über das Versagen Facebooks, schädliche, hetzerische oder verbrecherische Inhalte zu unterbinden. Vielfach wurden diese sogar bewusst geduldet, um das Wachstum des Unternehmens nicht zu gefährden, wie aus Berichten hervorgeht.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg soll sehr stark in die Entscheidungen bei Facebook involviert sein, wie die "Washington Post" unter Berufung auf ihre Auswertung der "Facebook Papers" berichtet. Während Zuckerberg in seinen Stellungnahmen in westlichen Ländern stets betont, dass Facebook der freien Meinungsäußerung verpflichtet sei, soll er höchstpersönlich entschieden haben, die Meinungsfreiheit in Vietnam zu unterdrücken.

Staatskritische Beiträge unterdrückt

Im Vorfeld des Parteikongresses der dort herrschenden kommunistischen Partei im Jänner seien staatskritische Beiträge vietnamesischer Facebook-Nutzer unterdrückt worden - auf ausdrückliche Anweisung von Mark Zuckerberg selbst, wie mehrere mit der Sache betraute Facebook-Mitarbeiter der "Washington Post" bestätigten. Facebook habe dem kommunistischen Regime in Hanoi beinahe die vollständige Kontrolle über das soziale Netzwerk überlassen, berichten demnach Regimekritiker vor Ort.

Das Unternehmen rechtfertigte die Entscheidung, sich den Forderungen Hanois zu beugen, damit, dass Millionen von Menschen im Land auf Facebooks Dienste angewiesen seien.

Marktdominanz geht vor Ethik

Kritiker sehen in der Entscheidung ein Beispiel dafür, dass Zuckerberg bewusst die vorgeschobenen ethischen Werte des Unternehmens ignoriere, um die Marktdominanz Facebooks zu sichern. Auch Whistleblowerin Frances Haugen betonte, der Facebook-Chef behalte ein hohes Maß an direkter Kontrolle über die Ausrichtung des Konzerns. Dadurch sei er auch verantwortlich für die schädlichen Auswirkungen auf Jugendliche und Schäden an der Demokratie.

Sean McKessy, Leiter der Whistleblower-Abteilung der US-Börsenaufsicht SEC meint, Zuckerberg selbst sei definitiv der Treiber hinter allen großen Entscheidungen. Facebook sei nicht wie ein herkömmliches börsennotiertes Unternehmen mit internen Kontrollmechanismen, sondern "wie ein autoritärer Staat" aufgebaut.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos