APA - Austria Presse Agentur

Wildererbande in OÖ tötet 100 Tiere

21. Aug 2020 · Lesedauer 3 min

Eine siebenköpfige Wildererbande aus Oberösterreich soll mehr als 100 wild lebende Tiere verschiedenster Arten getötet haben. Bei Hausdurchsuchungen wurden Unmengen von Fleisch und Trophäen, aber auch ein großes Waffenarsenal samt Schalldämpfern sichergestellt. Drei der Männer waren eingetragene Jäger, berichtete ein ermittelnder Beamter am Freitag der APA.

Eine siebenköpfige Wildererbande aus Oberösterreich soll mehr als 100 wild lebende Tiere verschiedenster Arten getötet haben. Bei Hausdurchsuchungen wurden Unmengen von Fleisch und Trophäen, aber auch ein großes Waffenarsenal samt Schalldämpfern sichergestellt. Drei der Männer waren eingetragene Jäger, berichtete ein ermittelnder Beamter am Freitag der APA.

Die sieben sollen seit 2019 in unterschiedlicher Zusammensetzung in den Bezirken Gmunden, Linz-Land, Grieskirchen, Salzburg-Umgebung und Zwettl in Niederösterreich ihr Unwesen getrieben haben. Um Schonzeiten oder Schutzbestimmungen kümmerten sie sich nicht. Teilweise waren sie mit Nachtsichtgeräten, Wärmebildkameras und Schalldämpfern unterwegs. Häufig wurde aus fahrenden Autos heraus geschossen.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand dürften neben mindestens 26 Rehen auch Fisch- und Seidenreiher, Biber, Füchse, Bussarde, Gänsesäger, Feldhasen, Fasane, Mauswiesel, Bisamratten, Krähen, Tauben, Dohlen, Eichelhäher, Sperber, Grün- und Schwarzspechte, Haussperlinge, Amseln, Eichkätzchen und Bachforellen der Bande zum Opfer gefallen sein. Das Wildbret wurde für den eigenen Bedarf geteilt, Trophäen wurden ausgekocht, Vögel wurden präpariert bzw. für späteres Ausstopfen eingefroren.

Zum Motiv sagen die Beschuldigten, gegen die wegen Wilderei und Tierquälerei ermittelt wird, wenig. Wie ein Ermittler schilderte, dürfte es in vielen Fällen auch um den Ehrgeiz - "ich habe noch nie dies und das geschossen" - bzw. ums Schießen an sich gegangen sein. Bei den Bibern könnte es sein, dass man sie als Plage gesehen habe.

Auf die Spur der Bande war die Polizei nach einem Hinweis aus der Bevölkerung im April gekommen. Seither ermittelte die Inspektion Bad Ischl. Im Fokus standen zunächst drei Männer im Alter von 19, 26 und 27 Jahren, alle aus dem Bezirk Gmunden. Der 45-jährige Vater des 19-Jährigen war eingetragener Jäger, soll aber rechtswidrigerweise seinen Sohn schießen lassen haben bzw. auch selbst illegale Abschüsse vorgenommen sowie Abschüsse nicht gemeldet haben.

Weitere Ermittlungen führten zu einem 52-Jährigen, ebenfalls aus dem Bezirk Gmunden, und zwei 27-Jährigen aus dem Bezirk Linz-Land, die über Jagdkarten verfügten. Letztere sollen mehrere Biber erlegt haben. Die streng geschützten Tiere landete laut den Männern im Kochtopf. Der finanzielle Schaden liegt nach Schätzung der Polizei in fünfstelliger Höhe - das bezieht sich aber nur auf die Schädigung von Jagdpächtern, nicht auf den Schaden im Naturschutzbereich, der sich monetär nicht wirklich beziffern lässt.

Anfang Juni wurde einer der Männer mit einer Jagdwaffe, Munition und Jagdausrüstung in seinem Auto erwischt und festgenommen. Hausdurchsuchungen bei ihm und weiteren Verdächtigen förderten 78 Schusswaffen, mehrere tausend Schuss Munition und 31 Schalldämpfer, Jagdausrüstung, diverse Trophäen und eingefrorene Wildtiere zutage. Zudem fanden die Beamten ein umfangreiches Equipment zur Eigenproduktion von Munition. Gegen die sieben Beteiligten wurden vorläufige Waffenverbote ausgesprochen und mittlerweile auch alle behördlich bestätigt. Die drei ehemaligen Weidmänner sind ihre Jagdberechtigung los.

Die Naturschutzorganisation WWF Österreich zeigte sich "erschüttert über diesen ökologischen Amoklauf". Die illegale Verfolgung von Tieren sei kein Kavaliersdelikt, so WWF-Artenschutzexperte Arno Aschauer in einer Aussendung. "Derlei Straftaten gehören zu den Hauptbedrohungen streng geschützter Arten und machen jahrzehntelange Naturschutzarbeit zunichte." Der WWF fordert daher mehr Ressourcen für die ermittelnden Behörden und harte Strafen.

Quelle: Agenturen