Wiens Café Central schließt für Generalsanierung
"Eine gute Sanierung erkennt man daran, dass man nichts erkennt", betonte der zuständige Architekt Peter Klein. Auch Verkehrsbüro-Vorstand Martin Winkler und Geschäftsführer Kay Fröhlich beteuerten in einer Pressekonferenz, dass man behutsam vorgehen wolle. Dem Gastraum werde lediglich die Patina genommen. Wobei der Spielraum für Umbauten ohnehin gering ist. Denn das als Börsengebäude errichtete Palais Ferstl samt dem darin befindlichen Café sind denkmalgeschützt.
Zur historischen Substanz gehört nicht nur die Säulenhalle selbst, sondern auch das Interieur. So werden die Thonet-Stühle überholt und die Stoffe von Backhausen erneuert oder originalgetreu nachgefertigt. Auch die historischen Luster werden durch spezialisierte Werkstätten restauriert. Der größte Teil der baulichen Maßnahmen geschieht jedoch im Verborgenen. Produktions- und Küchenbereiche, Lüftungen oder Brandschutzeinrichtungen werden grundlegend saniert. Zudem werden zusätzliche Lagerflächen durch eine bauliche Verbindung zum benachbarten Palais Hardegg geschaffen.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden großteils weiterbeschäftigt, wie Verkehrsbüro-Chef Winkler hervorhob. Das Unternehmen betreibt über seine Tochter Palais Events das Café. Personal aus dem Central wird etwa vorübergehend in Hotels des Konzerns wechseln. Details zu Kosten der Sanierung wurden nicht genannt. Laut Geschäftsführer Fröhlich wird jedoch ein zweistelliger Millionenbetrag investiert.
Für das Kaffeehaus ist es nicht die erste Schließzeit. Weit länger dauerte jene nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Café Central wurde nach umfangreichen Renovierungsarbeiten erst in den 1980er Jahren wieder eröffnet, wobei anfangs nur der Arkadenhof zur Verfügung stand. Seinen legendären Ruf erwarb es sich als Treffpunkt der Wiener Moderne. Um 1900 verkehrten dort Stammgäste wie Sigmund Freud, Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Leo Trotzki oder Peter Altenberg - der im Lokal noch immer als Pappmachefigur präsent ist.
Beliebte Touristenattraktion
Heute gilt das Kaffeehaus als eine der bedeutendsten Touristenattraktionen der Stadt. Für Wien-Gäste, die ein "typisches" Kaffeehaus erleben möchten, ist es eine wichtige Anlaufstelle. Zugleich machen viele Besucher etwas, das den meisten Einheimischen nicht im Traum einfallen würde: Sie stellen sich an, um ins Kaffeehaus zu kommen. Vor allem in der Hochsaison sind die Warteschlangen vor dem Eingang des Café Central oft beeindruckend lang.
Um die Wartezeit bis zur Wiedereröffnung zu überbrücken, gibt es Ersatz: Während der Schließzeit wird das "Decentral" im Palais Harrach auf der Freyung eingerichtet. In dem Pop-Up-Lokal werden unter anderem die Patisserie-Produkte des Hauses angeboten.
Zusammenfassung
- Das traditionsreiche Café Central in der Wiener Herrengasse schließt ab Montag bis zum Herbst für eine umfassende Generalsanierung, bei der vor allem Technik, Infrastruktur und Brandschutz modernisiert werden.
- Das 150 Jahre alte Kaffeehaus und das Palais Ferstl stehen unter Denkmalschutz, weshalb das architektonische Flair und das historische Interieur wie Thonet-Stühle und Luster behutsam restauriert werden sollen.
- Während der Sanierung investieren die Betreiber einen zweistelligen Millionenbetrag, die meisten Mitarbeiter werden weiterbeschäftigt und ein Pop-Up-Lokal namens 'Decentral' im Palais Harrach bietet in der Zwischenzeit Patisserie-Produkte an.
