Wiener Fäkalien-Werfer vor Gericht geständig
Eines der ersten Opfer war eine junge Frau, die den Vorfall im Detail dem Gericht schilderte: "Er wollte mich im Gesicht treffen. Das ist ihm Gott sei Dank nicht gelungen. Ich hab' mich weggedreht. Er hat mich an der Schulter getroffen. Ich hab' geschrien, geheult, gestunken. Es war schrecklich."
Am nächsten Tag sei sie zur Polizei gegangen, sei dort aber "nicht ernst genommen worden. Die haben mir gesagt, was ich denn will, die Kleidung, das T-Shirt kann man ja wechseln." Man habe sie aufgefordert, sich zu einer anderen Polizeistation zu begeben, "weil sie Dienstwechsel bzw. Schichtwechsel haben. Sie haben mich weggeschickt." Mit diesem Agieren habe sie die Polizei "neuerlich gedemütigt", betonte die Studentin.
Der Angreifer habe sie "mit Fäkalien und Urin überschüttet", berichtete eine weitere junge Frau. Sie sei zunächst von einem Säure-Angriff ausgegangen: "Es gibt so viele Attacken auf Frauen. Femizide." Ein anderes Opfer erinnerte sich, der Angreifer hätte "auf mein Gesicht gezielt." Sie habe gerade noch ausweichen können: "Ich war seitlich komplett voll. Es hat extrem gestunken. Es war extrem viel."
Eine andere junge Frau wurde unweit der U-Bahn-Station Gumpendorfer Straße "mit einem Becher beschossen und an der Schulter getroffen. Ich habe dann wahrgenommen, dass es eine unangenehme Flüssigkeit war", wie sie dem Schöffensenat schilderte. Sie sei umgehend nach Hause gegangen: "Ich hab' nicht gewusst, wie ich da einkaufen gehen soll." Daheim habe sie dann "einen kleinen Nervenzusammenbruch bekommen. Wer macht so was?"
Ein Chemie-Student stand in einer Garnitur der U6, als vom Bahnsteig ein Becher in seine Richtung geflogen kam, nachdem sich in der Station Währinger Straße die Türen geöffnet hatten. Spritzer mit "irgendetwas Braunhaltigem" hätten ihn getroffen, berichtete er: "Ich hab' nicht gewusst, wie ich das einordnen soll." Zunächst habe er "an einen Streich gedacht". Als er jedoch aus den Medien mitbekam, dass das kein Einzelfall war, sei er zur Polizei gegangen.
"Es hat bestialisch gestunken"
Ein 22-Jähriger wurde an der U-Bahn-Station Westbahnhof mit einem Becher mit ekelerregendem Inhalt beworfen und "direkt auf der Sonnenbrille getroffen", wie der junge Mann zu Protokoll gab. "Ohne Sonnenbrille hätte es die Augen getroffen", betonte er im Grauen Haus. Und weiter: "Es hat bestialisch gestunken. Der Geruch war beißend."
Die Anklage legte dem 30-Jährigen versuchte schwere Körperverletzung, Körperverletzung, Nötigung, gefährliche Drohung und Sachbeschädigung zur Last. Zudem wurde nach § 21 Absatz 2 Strafgesetzbuch (StGB) seine Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum beantragt. Einem psychiatrischen Gutachten zufolge weist der Mann eine kombinierte Persönlichkeitsstörung auf, die ihn gefährlich macht. Im Fall einer Verurteilung wären ohne haftbegleitende therapeutische Maßnahmen zeitnahe Straftaten mit schweren Folgen - etwa Körperverletzungen - zu befürchten, warnte die psychiatrische Sachverständige Sigrun Rossmanith.
Der Angeklagte hat bereits zwei einschlägige Vorstrafen am Kerbholz. Zuletzt wurde er am Wiener Landesgericht wegen eines tätlichen Angriffs auf einen Security-Mitarbeiter verurteilt, den er mit einer Falsche mit Urin attackiert hatte.
Angeklagter: "Hab' das nie aus Spaß gemacht"
"Ich hab' das nie aus Spaß gemacht", meinte der Angeklagte. Von ihm nicht näher bezeichnete "Menschen" hätten ihn "gefoltert und gequält, bis ich diese Sachen gemacht habe".
Der 30-Jährige hatte wenige Tage vor der ersten inkriminierten Tat ein Krankenhaus aufgesucht und wollte sich auf einer psychiatrischen Abteilung stationär aufnehmen lassen. "Er hat Stimmen gehört, die er loswerden wollte. Er wollte sich selbst einweisen", sagte seine Verteidigerin. Das Spital habe ihn aber nicht behandelt - weil es keine Anzeichen auf eine unmittelbare Fremd- oder Selbstgefährdung gab, wie eine Ärztin im Anschluss in der Verhandlung erklärte. Der Mann habe auch keine Krankheitseinsicht gezeigt und keine Medikamente nehmen wollen.
Entgegen der Behauptung des Angeklagten, die meisten Opfer wären zufällig überwiegend weiblich gewesen, ging die psychiatrische Sachverständige davon aus, dass er bewusst Frauen ausgewählt hatte. "Sein größter Wunsch war es, ein begehrenswerter und sexuell attraktiver Mann zu sein", legte Rossmanith dar. Dieser Wunsch habe sich in der Realität nicht umsetzen lassen. Die Taten könnten demnach eine Art Kompensation für erlittene Enttäuschungen gewesen sein.
Die Verhandlung wurde zur Einvernahme weiterer Zeugen vertagt. Am 25. Februar wird weiter verhandelt.
Zusammenfassung
- Ein 30-jähriger Mann gestand vor dem Wiener Landesgericht, zwischen Ende April und Mitte Juni 2025 mindestens 14 Personen, überwiegend junge Frauen, mit Fäkalien beworfen zu haben.
- Die Anklage wirft ihm versuchte schwere Körperverletzung, Körperverletzung, Nötigung, gefährliche Drohung und Sachbeschädigung vor.
- Mehrere Opfer schilderten vor Gericht, dass sie durch die Angriffe schwer traumatisiert wurden und sich von der Polizei teilweise nicht ernst genommen fühlten.
- Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigt dem Angeklagten eine kombinierte Persönlichkeitsstörung und ein hohes Rückfallrisiko ohne therapeutische Maßnahmen.
- Die Verhandlung wurde vertagt und wird am 25. Februar mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt.
