Waldbrand an der Rax: 400 Feuerwehrleute im Einsatz

27. Okt 2021 · Lesedauer 5 min

Bei dem riesigen Waldbrand in Hirschwang in der Marktgemeinde Reichenau a.d. Rax (Bezirk Neunkirchen) bereitet den Einsatzkräften nun starker Wind große Sorge, der für Donnerstag prognostiziert ist.

Im Kampf gegen den seit Wochenbeginn wütenden Waldbrand in Hirschwang in der Marktgemeinde Reichenau a.d. Rax (Bezirk Neunkirchen) sind am Donnerstag 500 Helfer, davon 400 Feuerwehrleute, im Einsatz gewesen. Die "Verteidigungsfront" an der Höllental-Bundesstraße (B 27) war errichtet, teilte Franz Resperger vom Landeskommando Niederösterreich mit. Dass der Wind wie prognostiziert anziehe, bereite Sorge, unterstrich der Sprecher.

Wenn notwendig, sollten fünf an der B 27 positionierte Großtanklöschfahrzeuge mit einer Wasserwand einen Flammenüberschlag auf die Rax-Seite verhindern bzw. auch Funkenflug hintanhalten, erläuterte Resperger. Im Brandgebiet seien in der Nacht vereinzelt Wurzelstöcke herabgestürzt und abgelöscht worden. Zu einer weiteren Ausbreitung der Flammen sei es nicht gekommen.

Landeskommandant: "Brand noch lange nicht unter Kontrolle"

Der Landesfeuerwehrkommandant von Niederösterreich Dietmar Fahrafellner  im PULS 24 Talk.

Im Kampf gegen den "größten Waldbrand, den es je in Österreich gab" waren auch am Donnerstag wieder Hubschrauber des Bundesheeres und der Polizei im Einsatz. In Hirschwang eingetroffen war laut Resperger zudem die "mobile Küche" der Feuerwehr zur Versorgung der Einsatzkräfte.

Der Brand war am Montag ausgebrochen. Die Flammen breiteten sich extrem rasch aus - innerhalb von zehn Stunden von fünf auf mehr als 100 Hektar.

LHStv. Stephan Pernkopf (ÖVP) sprach am Mittwochvormittag in einer Pressekonferenz von einem Einsatz "unter gefährlichsten Bedingungen" und einer "hoch sensiblen Situation". Die Lage sei sehr kritisch und angespannt, die Ausbreitung der Flammen werde zwar verhindert, aber der Brand sei noch lange nicht unter Kontrolle.

"Unsere größte Gefahr wird sein, dass die nächsten Stunden eine grobe Änderung der Wetterlage bringen. Wir sind dran, Brandüberschläge auf andere Gebiete zu verhindern", betonte Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner. "Wir unternehmen alles, was in unserer Macht steht, um diesen Brand unter Kontrolle zu bringen." Gefährlich sei der Einsatz auch deshalb, weil es immer wieder zu Felsstürzen komme.

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PULS 24  spricht mit den Einwohnern über den schweren Waldbrand.

Schneisen verhindern Ausbreitung

Durch das Schlagen von Schneisen sei ein weiteres Ausbreiten des Brandes verhindert worden, sagte Bezirksfeuerwehrkommandant Josef Huber am Mittwochvormittag. Die Löscharbeiten mit Unterstützung aus der Luft werden aber wohl noch einige Tage dauern. Der Waldbrand ist rückwirkend mit Dienstagfrüh (9.00 Uhr) zum Katastropheneinsatz erklärt worden.

Laut Verordnung der Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen liegt in Reichenau, Hirschwang, Hirschwanger Forst sowie Klein- und Großau eine Katastrophe vor. "Diese Feststellung erfolgte aufgrund der außergewöhnlichen Situation, insbesondere dem großen Ausmaß des Brandes, dem in einem Quellschongebiet der Stadt Wien liegenden Brandgebiet, das mit seichtgründigem Baumbestand in unwegsamem Gelände bewachsen ist. Ebenfalls sind auch Gefährdungen der eingesetzten Kräfte, bedeutender Sachwerte, Siedlungsbereiche, Infrastruktureinrichtungen und der Trinkwasserreserven nicht ausgeschlossen", so die Behörde.

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Forstverwalter Peter Lepkowicz  spricht im PULS 24 Talk über unwegsames Gelände und herabstürzende Steine, die bereits einen Arbeiter verletzten. 

Gebiet großteils im Besitz der Stadt Wien

"Wir haben ein Überschlagen des Waldbrandes über das Höllental Richtung Rax zu verhindern", erläuterte auch der Forstdirektor der Stadt Wien, Andreas Januskovecz. Gehe der Wind wie prognostiziert in den kommenden Stunden Richtung Rax hin, "haben wir dort einen Düseneffekt. Das Höllental wird enger, der Wind wird dadurch stärker und diese Düse facht das Feuer stark an. Die Gefahr, die besteht ist, dass der Waldbrand, der derzeit auf der Schneeberg-Seite ist, überspringt auf die Rax-Seite", so Januskovecz. In beiden Bereichen seien "die Verhältnisse sehr schwierig und nicht bzw. kaum begehbar". Talauswärts habe sich der Brand zwar ausgebreitet, dort seien die Verhältnisse aber besser, "denn dort haben wir Forststraßen und können das Gelände teilweise begehen". Das betroffene Gebiet ist großteils im Besitz der Stadt Wien.

Januskovecz sagte am Mittwochabend in ORF-"Wien Heute" und gegenüber dem "Kurier" (Donnerstagsausgabe), dass das Feuer kein Problem für die Wiener Wasserversorgung sei, weil die erste genutzte Quelle etwa 3,5 Kilometer vom Brand entfernt sei. Er sagte aber, die Wiederaufforstung des vernichteten Gebiets werde bis zu 20 Jahre in Anspruch nehmen.

Flugpolizei-Sprecher Greiner erklärt den Einsatz aus der Luft

Helmut Greiner erklärt, wie der Löscheinsatz mit sieben Löschhubschraubern und zwei Drohnen abläuft.

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) teilte am Mittwochnachmittag in einer Aussendung mit, dass bereits etwa eine Million Liter Wasser abgeworfen worden sei. Das Bundesheer setze bei der Bekämpfung des großflächigen Waldbrandes zwei S-70 Black Hawk, eine Agusta Bell 212 und eine Alouette III ein. Etwa 500 Landungen und 50 Flugstunden seien notwendig gewesen, um die bisherigen Wassermassen zu transportieren. Die Löschwassertanks fassten 3.000 Liter (S-70 Black Hawk), 800 (Agusta Bell 212) bzw. 500 Liter (Alouette III).

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) spricht im Interview mit PULS 24 über den Waldbrand.

Warnung vor Düseneffekt

Aus dem betroffenen Gebiet stieg auch am Mittwoch weiterhin starker Rauch auf, sagte Resperger. Positiv sei, dass es in der Nacht keinen Wind gegeben habe. Laut dem Forstdirektor der Stadt Wien, Andreas Januskovecz, sei wichtig "ein Überschlagen des Waldbrandes über das Höllental Richtung Rax zu verhindern.

"Sollte der Wind wie prognostiziert in den nächsten Stunden Richtung Rax hingehen, "haben wir dort einen Düseneffekt. Das Höllental wird enger, der Wind wird dadurch stärker und diese Düse facht das Feuer stark an. Die Gefahr, die besteht ist, dass der Waldbrand, der derzeit auf der Schneeberg-Seite ist, überspringt auf die Rax-Seite", erklärte Januskovecz. Talauswärts habe sich der Brand in den letzten Stunden ausgebreitet, dort seien die Verhältnisse aber besser. "Denn dort haben wir Forststraßen und können das Gelände teilweise begehen", sagte der Wiener Forstdirektor.

Meteorologe: "Wind könnte Flammen erneut entfachen"

Alban Burster, Meteorologe bei "wetter.com", spricht im Interview mit PULS 24 über den Waldbrand in Hirschwang.

Quelle: Agenturen