APA - Austria Presse Agentur

Verletzte bei Protesten gegen IAA-Automesse in München

10. Sept 2021 · Lesedauer 4 min

Die Proteste gegen die IAA in München haben einen Höhepunkt erreicht. Bei Zusammenstößen setzte soll es zu Verletzten bei Demonstranten und Polizisten gekommen sein. Ein Haus wurde besetzt und Autobahnen blockiert.

Die Polizei ging bei Protesten gegen die Automesse IAA in München am Freitag mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen Demonstranten vor. Aktivisten besetzten ein Haus, demonstrierten auf mehreren der Aktionsflächen in der Innenstadt und blockierten zeitweise eine Autobahn. Am Messegelände blieb es ruhig, aber in der Nacht zuvor wurde das Privathaus von VW-Konzernchef Herbert Diess Ziel einer Farbattacke.

Hausbesetzung

Die Aktivisten besetzten ein Haus in der Karlstraße, nahe der Altstadt. Man wolle dort einen "Open Space for Future" als Kontrapunkt setzen zu den von der IAA genutzten Open Spaces im Stadtgebiet, hieß es vom Aktionsbündnis "No Future for IAA". Die Polizei bestätigte die Besetzung. Aus Fenstern des Gebäudes wurden Fahnen des Aktionsbündnisses geschwenkt.

Die Aktivisten wollen das Gebäude längerfristig besetzen. Sie fordern, es für "selbstorganisierte klimapolitische Gruppen und andere Initiativen als Ort der Vernetzung und Organisierung" zur Verfügung zu stellen.

Mindestens ein Aktivist und ein Polizist verletzt

Als ein Protestzug vor dem Gebäude stoppte, kam es Beobachtern zufolge zum Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray. Eine Person, die auf einen Baum kletterte, wurde verletzt. Wie genau und wie schwer sei unklar, sagte der Grünen-Landtagsabgeordnete Florian Siekmann, der die Proteste als "Parlamentarischer Beobachter" begleitet hatte. Allerdings sei ein Rettungswagen im Einsatz gewesen.

Die Polizei äußerte sich zunächst nicht zu möglichen Verletzten aufseiten der Aktivisten, bestätigte aber, dass Beamte im Einsatz verletzt wurden. Zu möglichen Festnahmen machte die Polizei ebenfalls zunächst keine Angaben.

Bereits am frühen Vormittag hatte es Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gegeben, die insgesamt mit bis zu 4.500 Beamten zur Messe im Einsatz ist. Einem Polizeisprecher zufolge sollen IAA-Gegner versucht haben, eine Polizeiabsperrung an der Theresienwiese zu durchbrechen.

Weit mehr Polizisten als Demonstranten

Auf der Fläche, auf der normalerweise das Oktoberfest stattfindet, befindet sich ein Camp der IAA-Kritiker, von dem aus Hunderte Aktivisten und andere Demonstranten aufgebrochen waren. Die Polizei war mit einem Großaufgebot am Ort, die Zahl der Beamten überstieg Beobachtern zufolge die der Demonstranten deutlich.

Ohne direkten Zusammenhang zu diesen Ereignissen wurden am Haus von VW-Chef Diess Schmierereien entdeckt, wie ein Sprecher des Unternehmens in Wolfsburg sagte. "Diess enteignen" sei demnach etwa auf der Tür gestanden. Außerdem sei ein Zettel mit Anschuldigungen gegen einen "Vertreter des deutschen Autokapitals" angeklebt worden. Der Manager habe Strafanzeige erstattet.

Am Freitag gab es Aktionen von IAA-Gegnern auch auf den Open Spaces am Königsplatz und am Odeonsplatz sowie bei einem Bosch-Werk.

Autobahnblockaden

Zudem blockierte eine Gruppe von Klimaaktivisten kurzzeitig die für die Messe eingerichtete Sonderspur BlueLane auf der Autobahn A94, die an der Messe vorbeiführt. Aktivisten hatten bereits am Dienstag an mehreren Autobahnen im Raum München Banner angebracht und sich an einigen Brücken abgeseilt. Die Fernstraßen mussten deswegen vorübergehend gesperrt werden.

Kritik wegen "massiver Gewalt"

Weitere Blockaden und Störaktionen bei der IAA sind angekündigt. Die Polizei teilte mit, man werde gegen Straftaten konsequent vorgehen. Klimaaktivisten dagegen sprachen von "massiver Gewalt" seitens der Polizei. Die Grünen-Abgeordnete Claudia Köhler, die die Proteste ebenfalls beobachtete, kritisierte das Vorgehen der Polizei auf der Theresienwiese als "unangebracht".

Dagegen hatte CSU-Generalsekretär Markus Blume bereits am Mittwoch getwittert: "Brückenkletterer bleiben bis Messeende eingesperrt! So läuft's in Bayern!" Am Freitag entschied das Landgericht Landshut allerdings, dass fünf Aktivisten frei kommen sollen. Es gab ihrer Beschwerde gegen die Gewahrsamnahme recht. Der Entschluss ist aber noch nicht rechtskräftig.
 

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam