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Vererbtes Cholesterin-Risiko schon im Kindesalter erkennen

Heute, 12:51 · Lesedauer 3 min

Eines von 250 Kindern hat aufgrund erblicher Ursachen von Geburt an erhöhte LDL-Cholesterinwerte. Dadurch ergibt sich ein 20-fach erhöhtes Risiko, schon im frühen Erwachsenenalter einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Dem lässt sich jedoch bei früher Diagnose mit Lebensstilmodifikationen wie ausreichend Bewegung sowie gesunder Ernährung und/oder mit Medikamenten entgegenwirken. Das berichteten Fachärzte am Freitag im Vorfeld eines Symposiums in Wien.

Bei der familiären Hypercholesterinämie (FH) fehlen in der Leber Rezeptoren oder funktionieren nicht ordentlich, erläuterte der Kindermediziner Kurt Widhalm bei einer Pressekonferenz. Das habe zur Folge, dass das LDL nicht über die Leber dem Stoffwechsel zugeführt wird, sondern in erhöhter Konzentration in den Gefäßen verbleibt. Dort könne es sich schon im Kindesalter ablagern.

"Der springende Punkt dabei ist, dass man lange Zeit von diesen Ablagerungen nichts spürt, bis irgendwann einmal die Verengung der Gefäße so stark ist, dass es zu einem Herzinfarkt, zu einem Schlaganfall oder zu einer Durchblutungsstörung kommt, und diese Ereignisse sind meistens dramatisch", sagte der Universitätsprofessor, anlässlich dessen 80. Geburtstags das Festsymposium zur familiären Hypercholesterinämie am Freitagnachmittag initiiert wurde.

Deshalb sei es so wichtig, die Hypercholesterinämie früh zu diagnostizieren und in der Familie nachzufragen, ob es eine Vorgeschichte dazu oder auch zu frühen Herzinfarkten und Schlaganfällen gibt, betonte Widhalm. Trotz einfacher Diagnose bleiben viele Fälle von FH unentdeckt, hieß es bei dem Medientermin.

Mit Therapie "normales Leben" möglich

Der erste Punkt nach der Diagnose sei immer gesunde Ernährung, der zweite physische Aktivität. "Wir müssen die Menschen dazu bringen, dass sie sich intensiv bewegen", erklärte Widhalm. Der dritte Schritt sei dann - wenn nötig, aber in vielen Fällen schon im Kindesalter - eine medikamentöse Therapie. Hier gibt es beispielsweise sogenannte Statine zur Senkung des LDL-Cholesterinspiegels, die laut Widhalm kaum Nebenwirkungen haben. Vielversprechend seien auch PCSK9-Hemmer, die in der Entwicklung sind, sowie neue "Gen-Methoden", die in zehn bis 15 Jahren vorhanden sein könnten, hoffte Widhalm.

Dank einer frühen Diagnose bei Professor Widhalm im Alter von vier Jahren sowie der medikamentösen Therapie, gesunder Ernährung und Bewegung, "darf ich heute ein wunderbares, normales Leben führen", berichtete die nun junge Erwachsene Lena-Rosa Hanauer bei dem Medientermin als Betroffene. Es sei wichtig, früh zu handeln und keine Familie solle Angst haben vor der Diagnose, weil diese den betroffenen Menschen "eine gute Zukunft" schenke.

"Sport als Medikament" - "Ernährung als Medizin"

Der Wichtigkeit von Lebensstilmodifikationen pflichteten die Sport- und Bewegungswissenschafterin Rhoia Neidenbach und Sven-David Müller von der Deutschen Diabetes Gesellschaft bei. Sie sprachen von "Sport als Medikament" beziehungsweise "Ernährung als Medizin". Auch das Rauchen sollte vermieden werden, betonte Neidenbach und "nicht nur für die Lebensqualität, sondern für das gesamte Gefäßsystem ist die Bewegung von enormer Wichtigkeit".

Ein zusätzlicher Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen bei einer familiären Hypercholesterinämie ist erhöhtes Blutfett Lipoprotein(a). Diesen Wert sollten Betroffene auch im Blick haben, empfahl Oliver Helk, Vizepräsident des Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin (ÖAIE), Veranstalter des Symposiums und der Pressekonferenz. Zudem sollten die Ärztinnen und Ärzte nicht nur als "Reparaturmediziner", sondern auch als "Gesundheitsmanager" gesehen werden, also die Prävention gestärkt werden. "50 Prozent der chronischen Erkrankungen sind lebensstilbedingt", sagte dazu der Obmann Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen (SVS), Peter Lehner. Vorsorge sei wichtig. Jugendliche hätten sich in den 1970er-Jahren rund drei Stunden am Tag bewegt, "heute ist es in drei Tagen ungefähr eine Stunde", berichtete er. "Bewegung heißt Lebensfreude", betonte Lehner.

Zusammenfassung
  • Etwa 1 von 250 Kindern leidet an familiärer Hypercholesterinämie, wodurch das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall im jungen Erwachsenenalter um das 20-fache steigt.
  • Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung durch gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und gegebenenfalls Medikamente wie Statine ermöglichen ein normales Leben für Betroffene.
  • Experten betonen die Bedeutung von Lebensstilmodifikationen und Prävention, da 50 Prozent der chronischen Erkrankungen lebensstilbedingt sind und sich Jugendliche heute deutlich weniger bewegen als früher.