APA - Austria Presse Agentur

US-Behörde warnt vor dramatischer Verschärfung der Krise

05. Mai 2020 · Lesedauer 3 min

Inmitten der Lockerung der Corona-Beschränkungen in den USA warnen wichtige Behörden des Landes vor einer drastischen Verschärfung der Pandemie. Die US-Gesundheitsbehörde CDC geht Medienberichten zufolge in einer internen Projektion davon aus, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen bis Anfang Juni um das etwa Achtfache auf 200.000 steigen könnte.

Inmitten der Lockerung der Corona-Beschränkungen in den USA warnen wichtige Behörden des Landes vor einer drastischen Verschärfung der Pandemie. Die US-Gesundheitsbehörde CDC geht Medienberichten zufolge in einer internen Projektion davon aus, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen bis Anfang Juni um das etwa Achtfache auf 200.000 steigen könnte.

Die Zahl der täglich verzeichneten Todesfälle könnte demnach deutlich auf etwa 3.000 anwachsen, wie "New York Times" und "Washington Post" am Montag berichteten. Schon jetzt sind die USA das Land mit den meisten bestätigten Coronavirus-Infektionen und Todesopfern weltweit - und zwar mit großem Abstand. In den Vereinigten Staaten wurden bisher 1,18 Millionen Infektionen und knapp 69.000 Tote registriert. Die neuen CDC-Zahlen bedeuten, dass sich die Zahl der täglichen Todesopfer in den kommenden Wochen verdoppeln könnte.

Das Weiße Haus versuchte, die Relevanz der CDC-Prognose zu relativieren. Es handle sich um ein "internes" Dokument, das nicht mit anderen Behörden abgestimmt und auch nicht dem Krisenstab vorgelegt worden sei. US-Präsident Donald Trump hatte am Sonntag eingeräumt, dass bis zu 100.000 Menschen in den USA der Pandemie zum Opfer fallen könnten. Erst kürzlich hatte Trump noch eine Opferzahl von rund 60.000 vorhersagt.

Ihre düstere Prognose begründet die Gesundheitsbehörde CDC den Berichten zufolge damit, dass einige Bundesstaaten und Bezirke nicht aggressiv genug gegen die Ausbreitung des neuartigen Virus vorgegangen seien oder bei der Lockerung von Restriktionen zu rasch voranschreiten würden.

Auch das Forschungsinstitut Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) legte neue, finstere Zahlen vor: Demnach könnten bis zum 4. August in den USA knapp 135.000 Menschen an den Folgen von Covid-19 gestorben sein. Damit wurde die bisherige Prognose von 72.000 Toten nahezu verdoppelt.

Derzeit lockern zahlreiche Bundesstaaten und kommunale Behörden ihre Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Zahlreiche Geschäfte dürfen wieder öffnen, die Ausgangsbeschränkungen werden aufgeweicht.

Trump selbst dringt im Wahljahr 2020 auf eine möglichst rasche Rückkehr zur Normalität und das Wiederhochfahren der US-Wirtschaft. Seine Regierung hat dafür einen Drei-Stufen-Plan vorgelegt. Die Bundesstaaten gehen allerdings sehr unterschiedlich mit diesen nicht bindenden Leitlinien um. So werden sie eigentlich dazu angehalten, die Corona-Beschränkungen erst nach einem zweiwöchigen Rückgang der Infektionszahlen zu lockern. Nicht alle Bundesstaaten halten sich aber daran.

Im bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat Kalifornien sollen die Restriktionen ab Freitag etwas weiter gelockert werden. Gouverneur Gavin Newsom kündigte an, dass kleinere Geschäfte wie Buchhandlungen, Spielwaren- oder Blumengeschäfte wieder öffnen dürften. Auch Fabriken und Logistikunternehmen dürfen wieder den Betrieb aufnehmen.

In den gesamten USA wurden am Montag 1015 neue Coronavirus-Todesfälle verzeichnet. Dies war immerhin ein kleiner Lichtblick: Es handelte sich um die niedrigste Zahl neu registrierter Todesopfer seit Anfang April.

Kritiker werfen Trump vor, dem Wiederankurbeln der Wirtschaft mehr Bedeutung beizumessen als dem Schutz der Bevölkerung. Der Republikaner will sich bei der Präsidentschaftswahl am 3. November wiederwählen lassen und setzt dafür auf eine rasche wirtschaftliche Erholung.

Trump wollte am Dienstag eine Fabrik in Phoenix im Bundesstaat Arizona besuchen, in der Schutzmasken hergestellt werden. Es ist die erste größere Reise des Präsidenten seit Wochen. Der Präsident hatte das Weiße Haus wegen der Pandemie zuletzt kaum verlassen. Er sucht sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl wieder die Nähe zu Wählern und will bald auch in den Bundesstaat Ohio reisen. Klassische Wahlkampfveranstaltungen sind derzeit wegen der Corona-Krise nicht möglich.

Quelle: Agenturen