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UNO-Klimakonferenz in Glasgow verschoben

02. Apr 2020 · Lesedauer 3 min

Wegen der Coronavirus-Pandemie ist die für November im schottischen Glasgow geplante UNO-Klimakonferenz verschoben worden. Ein neuer Termin für 2021 solle später genannt werden, teilte die britische Regierung am Mittwochabend mit.

Wegen der Coronavirus-Pandemie ist die für November im schottischen Glasgow geplante UNO-Klimakonferenz verschoben worden. Ein neuer Termin für 2021 solle später genannt werden, teilte die britische Regierung am Mittwochabend mit.

UNO-Klimaschutzsekretärin Patricia Espinosa nannte die Verschiebung unvermeidlich, warnte die Weltgemeinschaft aber davor, die Bedrohung des Erdklimas aus den Augen zu verlieren. Auf lange Sicht sei die Klimaerwärmung "die größte Bedrohung für die Menschheit".

Zu der zehntägigen Konferenz im November waren rund 30.000 Teilnehmer erwartet worden, darunter etwa 200 Staats- und Regierungschefs aus aller Welt. Bei der Mammut-Tagung sollen die Staaten des Pariser Abkommens von 2015 ihre neuen Klimaschutzzusagen vorlegen. Die Vertagung wurde vom UN-Klimasekretariat UNFCCC zusammen mit dem Gastgeberland Großbritannien und dessen Partner-Ausrichter Italien beschlossen.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres erklärte, der Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie habe derzeit für die Vereinten Nationen "oberste Priorität". Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze bezeichnete die Verschiebung am Donnerstag als "verständlich" und "konsequent". Auch bei Umweltschutzorganisationen stieß sie auf Verständnis.

Der Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, Martin Kaiser, nannte die Vertagung "verantwortungsvoll und nachvollziehbar". Doch ebenso wie Espinosa mahnte auch Kaiser, dass es unverantwortlich wäre, wenn die Staaten wegen der Pandemie "die Bedrohung durch die Klimakrise vergessen". Wenn wegen der Corona-Krise nun Konjunkturprogramme aufgelegt würden, könnten damit sichere Arbeitsplätze und zugleich "eine klimagerechte und nachhaltige Wirtschaft" geschaffen werden.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnte davor, den Klimaschutz "links liegen zu lassen". Auf die Herausforderungen der Corona-Krise müssten "grüne Antworten" gefunden werden, erklärte die BUND-Klimaexpertin Ann-Kathrin Schneider.

Sven Harmeling, klimapolitischer Koordinator der internationalen Hilfsorganisation Care, mahnte, "unter dem Vorwand des aktuellen Krisenmanagements" dürften "die Klimaschutzambitionen der reicheren Länder nicht leiden".

Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch, appellierte zudem an die Staaten, nach der Corona-Krise bei ihren Wiederaufbau-Programmen ihre Klimaziele mit zu bedenken.

Bundesumweltministerin Schulze warnte unterdessen vor falschen Schlüssen zum Klima-Effekt der Corona-Krise. Zwar gingen die Emissionen von Treibhausgasen derzeit zurück, doch sei dies "nicht nachhaltig", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Deshalb dürfe das europäische Klimaschutzvorhaben "Green Deal" nicht infrage gestellt werden. Sie drängte vor allem darauf, Konjunkturprogramme zur Wiederbelebung der Wirtschaft ökologisch auszurichten.

Durch das Nachlassen der wirtschaftlichen Aktivität und des Auto- wie Flugverkehrs in der Corona-Krise verringert sich derzeit weltweit der Ausstoß der klimaschädlichen Gase. Auch die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hatte am Dienstag jedoch vorhergesagt, dass die positiven Auswirkungen auf das Klima "wahrscheinlich nur sehr gering" sein würden. So sei abzusehen, dass der CO2-Ausstoß wieder ansteige, sobald die Pandemie überstanden sei und die Weltwirtschaft wieder anlaufe.

Bei der Klimakonferenz in Glasgow soll es darum gehen, wie die Staaten ihre Anstrengungen verstärken können, um die im Pariser Abkommen vereinbarten Ziele zu erreichen. In dem Abkommen hatten die Unterzeichner vereinbart, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Dennoch wächst weiterhin der Kohlenstoffausstoß jedes Jahr, auch weil die weltweite Energienachfrage weiter ansteigt.

Im Unterschied zur UNO-Klimakonferenz soll der sogenannte Petersberger Klimadialog weiterhin stattfinden - jedoch nicht mehr als Treffen in Berlin, sondern lediglich per Videokonferenz, wie das Bundesumweltministerium mitteilte. Die Beratungen von Ministern aus etwa 35 Ländern finden am 27. und 28. April statt. Der Petersberger Dialog dient der Vorbereitung der UN-Klimakonferenzen.

Quelle: Agenturen