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Umweltministerium mit neuer Biodiversitäts-Strategie

12. Dez. 2022 · Lesedauer 4 min

Das Umweltministerium hat am Montag die "Biodiversitäts-Strategie Österreich 2030+" publiziert. Sie umfasst eine rund 160 Seiten lange Bestandsaufnahme der Artenvielfalt und definiert drei Hauptziele bis 2030: Bis dahin soll ein Drittel der Landesfläche unter Schutz stehen, ebenso soll ein Drittel der Arten auf der "Roten Liste" nicht mehr gefährdet und zudem 35 Prozent der Landwirtschaft dann auf "Bio" umgestellt sein.

"Eine intakte Umwelt hilft uns im Kampf gegen die Klimakrise. Sie ist Arbeitsplatz für viele Menschen in Österreich und macht unser Land so lebenswert", wurde Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) zitiert. Aktuell hält Österreich laut Ressortangaben bei rund 29 Prozent an Schutzgebieten (1,7 Prozent sind Gebiete mit strengen Schutzauflagen), das aktuell bei der UN-Artenschutzkonferenz in Montreal zu verhandelnde 30-30-30-Ziel ist im Fall von Österreich als beinah erreicht. Um den Anteil der biologischen Landwirtschaft an der landwirtschaftlichen Nutzfläche auf 35 Prozent zu erhöhen, braucht es indes mehr Anstrengung, da waren es im Jahr 2019 demnach 670.000 Hektar und damit rund 26 Prozent.

Rein quantitativ scheint die "Rote Liste" die größte Aufgabe zu sein, denn allein auf der "Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen Österreichs", die 2022 erst aktualisiert wurde, finden sich 1.274 derartiger Pflanzen. Das Umweltbundesamt stellte zudem fest, dass der Artenrückgang bei den Farn- und Blütenpflanzen unvermindert fortschreite. Bei den Tierarten gilt laut Umweltbundesamt, dass in Österreich über die Hälfte aller Amphibien und Reptilien stark gefährdet sind, knapp die Hälfte aller Fische und ein Drittel aller Vögel und Säugetiere sind es ebenfalls.

Um die Zahl der gefährdeten Arten um ein Drittel zu reduzieren, brauche es laut Umweltministerium Maßnahmen, die die zentralen Ursachen der Biodiversitätsverluste bekämpfen - ein Rückgang der Flächenversiegelung, aber auch eine Reduktion des Pestizideinsatzes. Die Biodiversitätsstrategie gibt dabei den Rahmen für politische Maßnahmen in unterschiedlichen Bereichen vor und richte sich damit natürlich an alle relevanten Akteure - von der Gemeindeebene bis zur Bundesregierung, vom Gesundheits- bis zum Rohstoffsektor, hieß es weiter. Zur Unterstützung der Umsetzung erinnerte das Ministerium an den im Jahr 2021 eingerichteten Biodiversitätsfonds, der mit 80 Millionen Euro dotiert ist. Dieser Fonds unterstütze unterschiedlichste Projekte zum Schutz der Arten, aber auch zur Wiederherstellung von bereits zerstörten Lebensräumen und werde durch den Wiederaufbaufonds der EU RRF finanziell unterstützt.

Der WWF forderte in einer ersten Reaktion nicht nur die rasche Umsetzung der Strategie, sondern erinnerte auch an die vorangegangene, die zehn Jahre lang "keine messbaren Früchte getragen" habe. "Wie die neue Strategie ohne konkreten Aktionsplan und Kompetenzzentrum diese Situation verbessern soll und was sie von der letzten gescheiterten Strategie unterscheidet, ist momentan nur schwer ersichtlich", sagt Julia Balasch vom WWF-Jugendnetzwerk Generation Earth, die als Jugend-Delegierte Teil der nationalen Biodiversitäts-Kommission ist.

Aus Sicht von Global 2000 sei ein konkreter Zeitplan zur Implementierung wichtig. Die Biodiversitätsstrategie selbst wurde indes gelobt, sie stelle "den Schutz der Natur und damit das Gemeinwohl aller Österreicher:innen vor die Interessen einzelner". Die NGO wies darauf hin, dass die Naturschutz-Agenden jedoch "Ländersache" seien: Die Landeshauptleute und ihre ausführenden Organe müssten endlich ihrer Verantwortung gerecht werden, wurde Martin Wildenberg zitiert - auch er ist Mitglied der Kommission. Mehrere parallele Vertragsverletzungsverfahren der EU wegen Nicht-Einhaltung von Naturschutz-Standards würden den Nachholbedarf aufzeigen.

Österreich erfülle das 30-Prozent-Ziel zwar schon fast, hieß es von Greenpeace zu den bereits 29 Prozent an Schutzgebieten, dies aber "nur am Papier". Es müssten also nicht nur Schutzgebiete erweitert, sondern auch der Zustand von bestehenden stärker kontrolliert werden. Iris Dorfegger, Sprecherin für Biodiversität bei Greenpeace in Österreich, trat ebenfalls für eine rasche Umsetzung und sowie eine aktive Beteiligung der Bundesländer ein.

Der Umweltdachverband forderte, dass "sektorenübergreifend Verantwortung für unser Naturerbe" übernommen werde, "bei der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung ebenso wie beim Ausbau der erneuerbaren Energien", sagte Umweltdachverbands-Präsident Franz Maier. "Der nächste Schritt muss ein ambitionierter Aktionsplan sein, der sicherstellt, dass die gesetzten Ziele auch erreicht werden. Mittelfristig braucht es eine Biodiversitäts-Milliarde, wie sie auch der österreichische Biodiversitätsrat fordert", hielt Bernd Kajtna, stellvertretender Arche-Noah-Geschäftsführer fest.

(S E R V I C E - "Biodiversitäts-Strategie Österreich 2030+"unter https://www.bmk.gv.at/biodiversitaetsstrategie

, Rote Liste gefährdeter Arten: https://www.umweltbundesamt.at/umweltthemen/naturschutz/rotelisten)

Quelle: Agenturen