APA/Verena Leiss

Trauner Hundeführer nach Erdbeben-Einsatz zu Hause empfangen

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Nach zehn Tagen im Erdbeben-Einsatz in der Region Hatay im Süden der Türkei sind zwei der beteiligten Suchhundeführer samt ihren Tieren am Freitag in ihrer Heimatstadt Traun feierlich empfangen worden. Neun Personen habe die gesamte Einheit aus den Trümmern gerettet, schilderten Gerald Schmidberger und Markus Gruber, die gerade mit ihren Malinois Action und Boom heimgekehrt sind. Boom erlitt bei der Arbeit eine Verletzung an der Pfote und musste vor Ort operiert werden.

Zur Truppe der Austrian Forces Disaster Relief Unit (AFDRU) gehörten neben 70 Soldatinnen und Soldaten sowie sechs Bergrettern auch sechs Hundeführer samt Hunden. Mit dabei Gruber und Schmidberger von der Feuerwehr Traun sowie Boom und Action. Die Heimkehrer wurden am Freitag in Traun von ihren Kameraden und Vertretern der türkischen Community geehrt.

Gruber hatte der Ruf in die Türkei zu reisen beim Gassigehen mit Boom erreicht. Der Hundeführer, der im Zivilberuf Abteilungsleiter in einer großen Firma ist, musste seine überstürzte Abreise erst koordinieren. Sein Kollege Schmidberger, beruflich selbstständig, dankte seiner Frau, die in der Firma für ihn eingesprungen war. Die Arbeit am Katastrophenort war belastend, schilderten sie. "16 Stunden arbeiten und acht Sunden Pause, Minusgrade in der Nacht" - sie seien bald sehr erschöpft gewesen, berichtete Gruber von den Strapazen. Aber gleich zu Beginn habe man eine Person lebend bergen können. Das hob die Motivation. Insgesamt konnte die österreichische Einheit neun Menschen retten. Nach 100 Stunden schließe sich aber das Fenster, "auch wenn immer noch einzelne Wunder möglich sind", daher habe man den Einsatz mittlerweile beendet.

"Wenn große Häuser eingestürzt sind, dann stehen oft 40 oder 50 Leute darauf, die man wegschicken muss, um die Hunde arbeiten zu lassen", erzählte Gruber. Wenn man aber jemanden lebend finde, dann herrsche "Volksfeststimmung. Jedes Leben ist unglaublich viel wert". Auch für die Hundeführer war vieles Neuland, aber: "Wir haben einfach das gemacht, was wir im Training machen. Wir haben abgeschaltet und das getan, was zu tun war."

Die Hunde sind auf den Geruch lebender Menschen trainiert. Wenn ein Hund diesen wahrnehme, kreise er ihn solange ein, bis ein Hundeführer komme und ihm ein Leckerli oder ein Spielzeug gebe, schilderte Gruber. Dann werde ein zweiter Hund hingeschickt. Schlägt auch er an, beginnen die eigentlichen Such- und Rettungsmaßnahmen. Man horcht auf Klopfgeräusche und versucht mit Verschütteten in Kontakt zu treten. Das ist oft mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden: "Wenn sieben Stockwerke auf einer Person liegen, dann muss man sieben Betonlagen aufstemmen", schilderte Patrick Arzt von der ABC-Abwehrkompanie die schwere Arbeit.

Boom verletzte sich bei dem gefährlichen Einsatz an der Pfote. Eine Tierärztin operierte sie in einem Zelt, nach einem Tag Krankenstand war die tapfere Hündin bereits wieder im Einsatz. Zum Pressetermin in Traun erschien sie mit einem Verband. Kollege Action präsentierte den wartenden Feuerwehrleuten, Gästen und Journalisten stolz sein Spielzeug.

Empfangen wurden die Trauner Erdbebenhelfer und ihre Hunde im Hof der Freiwilligen Feuerwehr mit Applaus, Blaulicht und Geschenkkörben. Kinder hatten Transparente mit Dankesbotschaften gebastelt. Auch etliche Vertreter der türkischen Community - einige von ihnen haben selbst Angehörige im Bebengebiet - sind gekommen, um den Helfern zu danken. Sie haben nach dem Erdbeben spontan den Verein "Kraft der Freiwilligen" gegründet. Man habe bereits mehr als 30.000 Euro an Spenden gesammelt, berichtete Vereinssprecher Sefa Yetkin, damit soll ein Containerdorf in Adiyaman gebaut werden. Eine Benefizveranstaltung demnächst in Wels soll noch mehr Geld für die Hilfe bringen, hofft er.

ribbon Zusammenfassung
  • Nach zehn Tagen im Erdbeben-Einsatz in der Region Hatay im Süden der Türkei sind zwei der beteiligten Suchhundeführer samt ihren Tieren am Freitag in ihrer Heimatstadt Traun feierlich empfangen worden.
  • Neun Personen habe die gesamte Einheit aus den Trümmern gerettet, schilderten Gerald Schmidberger und Markus Gruber, die gerade mit ihren Malinois Action und Boom heimgekehrt sind.
  • Boom verletzte sich bei dem gefährlichen Einsatz an der Pfote.

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