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"Tierwohlgipfel" soll Haltungskennzeichen bringen

24. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Der auch für Tierschutz zuständige Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) hat heute, Freitag, die Spitzen des Lebensmittelhandels zu einem "Tierwohlgipfel" geladen.

Bei den Gesprächen steht eine Branchenvereinbarung für ein Tierhaltungskennzeichen im Mittelpunkt, das künftig für mehr Tierwohl sorgen soll. "Wir müssen anfangen, Tiere als Lebewesen zu sehen und nicht als Produkt", sagte Rauch beim "Doorstep" vor dem Gipfel.

Handel für Branchenvereinbarung

Konsumentinnen und Konsumenten sollen damit die Möglichkeit bekommen, sich bewusst für Fleisch mit höheren Haltungsstandards zu entscheiden. Die teilnehmenden Lebensmittelhandelsketten Hofer, Lidl, Rewe und Spar sprachen sich bereits im Vorfeld für die Entwicklung eines Tierhaltungskennzeichens aus. Dieses Bekenntnis wurde bekräftigt. Rewe wies allerdings darauf hin, dass eine Branchenvereinbarung nur ein kleiner von vielen nötigen Schritten sei, "der aber nicht zu den notwendigen Verbesserungen der Haltungsbedingungen" beitrage. Die AMA-Marketing und der Handelsverband begrüßten das Vorhaben.

"Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, Vertreter:innen der vier großen Lebensmitteleinzelhandelsketten ins Boot zu holen und ein klares Bekenntnis zur Entwicklung einer Tierhaltungskennzeichnung zu erreichen. Wir haben uns zusammen darauf geeinigt, bis Ende des Jahres in einem gemeinsamen Prozess eine entsprechende Kennzeichnung der Tierhaltungsform für Fleischprodukte zu erarbeiten", bilanzierte Rauch nach dem Treffen.

"Wissen, wie die Tiere gelebt haben"

Eine künftige Tierhaltungskennzeichnung soll es demnach Konsumentinnen und Konsumenten ermöglichen, mit einem Blick zu erkennen, welchem Tierhaltestandard die gekauften Fleischprodukte entsprechen. Geplant ist laut Gesundheitsminister auch, die Agrarmarkt Austria (AMA) einzubeziehen. "Viele Konsument:innen wollen wissen, wie die Tiere gelebt haben, deren Fleisch sie an der Ladentheke oder im Supermarkt kaufen", betonte Rauch.

Rosenberg: Transparente Kennzeichnung von Fleisch notwendig

Kritik an dem Gipfel kam von der Landwirtschaftskammer und dem Bauernbund: Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, und Bauernbund-Präsident Georg Strasser bemängelten, dass keine Vertreter der Bauern zu dem Gipfel eingeladen waren. "Auf so einen Tisch gehören nicht nur Handels- und Ministeriumsbosse, sondern auch Vertreterinnen und -vertreter aus der Praxis - also jene Menschen, die von der Tierhaltung leben müssen", kritisierte Moosbrugger.

Bio Austria nannte die "verpflichtende Kennzeichnung von Fleisch nach Haltungsform richtig und notwendig. Am Beispiel der Kennzeichnung von Eiern ist ersichtlich, wie eine solche Maßnahme zu einer Win-Win-Win Situation für alle wird - für die Bäuerinnen, die KonsumentInnen und für die Tiere", betonte Bio Austria-Obfrau Gertraud Grabmann. "Wesentlich wird sein, dass das Modell leicht zu unterscheidende Stufen enthält."

Greenpeace demonstrierte

Vor dem Sozialministerium protestierten unterdessen Aktivistinnen und Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace für die rasche Einführung eines Tierhaltungskennzeichens. Die Aktivisten kritisieren die mangelnde Transparenz bei Fleischprodukten und die Standards der AMA-Zertifizierung. So würde selbst AMA-zertifiziertes Fleisch nicht einmal die deutschen Tierhaltungs-Mindestkriterien erfüllen.

Erst gestern, Donnerstag, wurden Bilder vom Verein gegen Tierfabriken (VGT) veröffentlicht, die dramatische Zustände in einem AMA-zertifizierten Mastbetrieb zeigten. So sollen etwa tote Tiere unter den lebenden gelegen haben. Der VGT sprach von katastrophalen Zuständen mit zahllosen toten Tieren in verschiedenen Verwesungsstadien. Knochenreste würden beweisen, dass die Betreiber die toten Tiere sehr lange nicht entfernt hätten, hieß es in einer Aussendung des Vereins gegen Tierfabriken. Der VGT erstattete Anzeige gegen den Schweinemastbetrieb. "Dieser Vorfall zeigt, dass das System nicht stimmt", so Rauch vor den Gipfelgesprächen. Daher arbeite man nun auch an einer Systemumstellung, damit "so etwas nicht mehr vorkommen kann".

Quelle: Agenturen