Südeuropa brennt: Sizilien ruft sechsmonatigen Notstand aus

06. Aug 2021 · Lesedauer 6 min

Die Waldbrände wüten weiter. In der griechischen Hauptstadt ist die Luftqualität bedenklich, Einwohner sollen in ihren Häusern bleiben. Sizilien erklärte für sechs Monate den Notstand.

Nach Tagen heftiger und großflächiger Brände wird die Lage in Athen kritischer. Es kam zu Stromausfälle, weil ein Verteilerknoten wergen des Feuers vom Netz genommen werden musste. 

Wegen der starken Rauchbildung stinkt ganz Athen, Asche geht am dritten Tag in Folge nieder. "Schließen Sie alle Fenster und gehen Sie nicht aus dem Haus", riefen die Behörden die Einwohner auf. Die ganze Nacht hindurch loderten im Norden der griechischen Hauptstadt die Flammen.

Griechen geht die Zeit aus

"Wenn wir es heute nicht schaffen, die Brände einzudämmen, dann werden wir ein Riesenproblem haben", sagte der für den Zivilschutz zuständige Vizegouverneur des Großraums Athens, Wassilis Kokkalis, Samstag früh im Staatsfernsehen. Weil die Winde in der Nacht und am frühen Morgen nachließen, gebe es ein "Zeitfenster" für die Feuerwehr, die Brände im Norden Athens in den Griff zu bekommen, hieß es.

Unterdessen bestätigte Kokkalis, dass es drei Festnahmen mutmaßlicher Brandstifter gegeben habe.

EU-Länder schicken Feuerwehrleute und Gerät

Großbrände toben weiterhin auch auf der zweitgrößten griechischen Insel Euböa sowie nahe Olympia und Sparta auf der Halbinsel Peloponnes. An den Löscharbeiten nehmen auch Feuerwehrleute aus der Ukraine, Rumänien und Zypern teil. Zudem sind Löschflugzeuge und Hubschrauber aus Frankreich, der Schweiz, Schweden und Kroatien im Einsatz.

Nördlich der Hauptstadt wurden schon am Freitag Menschen mehrerer Ortschaften aufgerufen, die Region zu verlassen. Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis schwor die Bürger auf harte Tage ein.

Der griechische Zivilschutz-Chef Nikos Chardalias informierte unterdessen über 56 aktive Brände im ganzen Land. Nördlich von Athen breitete sich das Feuer in Richtung der Gemeinde Marathon aus, die Evakuierung von weiteren 13 Siedlungen laufe. Chardalias konnte keine Entwarnung geben; stattdessen rechnet die Feuerwehr am Nachmittag mit noch stärkeren Winden. In der Region ist die Sicht derzeit wegen der Rauchentwicklung stark eingeschränkt; Videos in sozialen Netzwerken dokumentieren zahlreiche Explosionen von brennenden Lager- und Produktionshallen sowie von Gasflaschen in brennenden Häusern.

Bisher acht Tote in der Türkei

In der Türkei wird den zehnten Tag in Folge gegen die schwersten Waldbrände seit Jahren gekämpft. Besonders betroffen sind die süd-und westtürkischen Küstenregionen Antalya, Marmaris, Bodrum und Milas. In Milas verschlangen die Flammen in der Nacht mehrere Viertel, die zuvor evakuiert worden waren. Mindestens acht Menschen kamen in der Türkei schon ums Leben. Zwei Großbrände in der türkischen Urlaubsregion Antalya sind nach offiziellen Angaben unter Kontrolle.

Zerstörungen in der Türkei  immens

In der Türkei wurden nach offiziellen Angaben seit Beginn der Brände vor etwa zehn Tagen mehr als 36.000 Menschen aus rund 12.000 Häusern in Sicherheit gebracht. In Antalya flaute der Wind unterdessen ab, und die Behörden hofften, die im Bezirk Manavgat lodernden Brände bald unter Kontrolle zu bringen. Die Zerstörungen in der Türkei sind schon jetzt immens. Schätzungen zufolge fielen mindestens 1.000 Quadratkilometer Wald und Felder den Flammen zum Opfer - eine Fläche etwa doppelt so groß wie der Bodensee.

Italien: Sizilien erklärte für sechs Monate Notstand

Die Regionalregierung von Sizilien hat für sechs Monate den Not- und Krisenfall erklärt. Seit Ende Juli brenne es auf Sizilien, und in den kommenden Wochen herrsche ein permanentes Risiko. Auf Sardinien meldete die Feuerwehr in der Provinz Oristano am Samstagvormittag einen Brand in einer Unterkunft für Touristen. Die Einsatzkräfte verhinderten nach eigenen Angaben, dass die Flammen auf die umliegende Vegetation übergriffen, es wurde niemand verletzt. In Oristano an der Westküste der Ferieninsel wüteten unlängst zahlreiche Waldbrände und richteten enorme Schäden an.

In Italiens Süden herrschen derzeit Hitze und Trockenheit, die den Feuern immer wieder Vortrieb geben. Hinter vielen Bränden dürfte Brandstiftung stecken. Die Temperaturen liegen teils über 40 Grad Celsius. Der Landwirtschaftsverband Coldiretti sprach vom heißesten Sommer des Jahrzehnts. Sizilien, Kalabrien und Apulien waren zuletzt am stärksten von den Feuern betroffen. Die Feuerwehr meldete zwei Tote aus San Lorenzo an der italienischen Stiefelspitze, die Menschen kamen in den Flammen ums Leben.

Hitze

Für die nächsten Tage sagen Meteorologen wieder große Hitze für den Süden voraus. Die Temperaturen könnten von Sonntag an die 40 Grad erreichen und dann bis zu 45 Grad steigen, teilte der Wetterdienst meteo.it mit. Für den Norden sind ab dem Wochenende dafür erneute Unwetter vorhergesagt. Zu Überschwemmungen kam es schon zuletzt unter anderem am Comer See oder in Südtirol. Dort stabilisierte sich die Lage am Freitag allerdings. Ab Samstag sollen jedoch neue Gewitter in den Alpenregionen kommen.

Nordmazedonien

Auch in mehreren Staaten in der Balkanregion kam es zu Bränden: In Nordmazedonien hatte die Regierung am Donnerstag den Krisenzustand ausgerufen angesichts von acht aktiven Bränden. Der Wind ändere ständig seine Richtung und entfache dadurch von immer wieder neue Brandherde, berichtete das Portal "vesti.mk". Am Morgen waren die ersten Konvois einer Hilfsmission aus Österreich eingetroffen. Insgesamt schickt das Alpenland 136 Helfer, 16 Löschfahrzeuge, 24 Lastwagen und einen Krankenwagen nach Nordmazedonien. Hilfe kam zudem aus Serbien, Bulgarien und Slowenien.

Albanien

Im Nachbarland Albanien gab es am Freitag immer noch etwa zehn Waldbrände, erklärte Verteidigungsminister Niko Peleshi. Insgesamt habe man 163 Brände gelöscht. Während der letzten Woche hatten Brände im Süden sowie in der Küstenregion Vlora neben Vegetation auch einige Bauernhäuser zerstört.

Kosovo

Kosovo wurde in dieser Zeit von fast 500 Waldbränden heimgesucht, auch hier brannten mehrere Bauernhöfe. Die Brände konnten mit Unterstützung der im Kosovo stationierten KFOR-Truppe der NATO gelöscht werden. Doch fürchten die Behörden weitere Ausbrüche.

Das Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen der EU arbeitet in diesen Tagen auf Hochtouren. Nach Angaben aus Brüssel vom Freitag waren in Griechenland zuletzt Löschflugzeuge aus Zypern, Schweden, Frankreich, Kroatien und Rumänien im Einsatz. Zudem unterstützen mehr als 200 von EU-Staaten gestellte Feuerwehrleute und Rettungskräfte die griechischen Einsatzkräfte. In der Türkei helfen drei Flugzeuge aus Kroatien und Spanien sowie ein Hubschrauber aus Polen bei der Brandbekämpfung.

"Das rund um die Uhr besetzte Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen steht in ständigem Kontakt mit den Katastrophenschutzbehörden der von den Bränden betroffenen Länder, um die Lage genau zu überwachen und die EU-Hilfe zielgerichtet zu verteilen", heißt es aus der EU-Kommission. Bei der Koordinierung der Notfalldienste kämen auch Satellitenbilder des europäischen Copernicus-Dienstes zum Einsatz. Neben der Türkei und Griechenland werden derzeit auch Italien, Nordmazedonien und Albanien von der EU bei der Bekämpfung verheerender Brände unterstützt.

Quelle: Agenturen