APA - Austria Presse Agentur

Studie zeigt dramatischen Gletscherschwund in den Alpen

25. Juni 2020 · Lesedauer 3 min

Der Klimawandel lässt die Gletscher in den Alpen rasch schwinden. Wie deutsche Forscher im Fachjournal "Nature Communications" berichten, verloren die Gletscher der Alpen seit von 2000 bis 2014 etwa ein Sechstel (17 Prozent) ihres Eisvolumens - mehr als 22 Kubikkilometer. Besonders betroffen sind die Schweizer Alpen, aber auch die Gletscher in Österreich gehen stark zurück.

Der Klimawandel lässt die Gletscher in den Alpen rasch schwinden. Wie deutsche Forscher im Fachjournal "Nature Communications" berichten, verloren die Gletscher der Alpen seit von 2000 bis 2014 etwa ein Sechstel (17 Prozent) ihres Eisvolumens - mehr als 22 Kubikkilometer. Besonders betroffen sind die Schweizer Alpen, aber auch die Gletscher in Österreich gehen stark zurück.

In der Studie untersuchten Geografen der Universität Erlangen-Nürnberg erstmals die kompletten Alpen statt nur einzelner Gletscher oder Regionen. Dafür nutzten sie Daten von Radarsatelliten, um dreidimensionale Modelle der Erdoberfläche zu erstellen, und kombinierten diese mit optischen Satelliten-Aufnahmen. Dadurch konnten sie Fläche und Höhe der Gletscher messen. "Der Vorteil ist, dass man das Gletschervolumen im Ganzen betrachten kann", sagte Christian Sommer vom Institut für Geografie.

Den größten Eisverlust stellten die Forscher in den Schweizer Alpen fest. "Diese haben die größten Gletscherflächen und gleichzeitig die größten Schmelzraten", sagte Sommer. So schmolz die Oberfläche des Großen Aletschgletschers im Schweizer Wallis, dem größten Gletscher der Alpen, um mehr als fünf Meter pro Jahr in den unteren Lagen. "In den höchsten Lagen der Zentralalpen scheint es dagegen noch keine Eisschmelze zu geben", sagte Sommer.

Ganz anders in den Randgebirgen: Da beobachteten die Forscher einen Rückgang der Gletscher auch in den höheren Lagen. "Das spricht dafür, dass die Randbereiche die ersten Regionen sein werden, die künftig eisfrei sind", sagte Sommer.

Die Wissenschafter beziffern den Gesamtmassenverlust in den Alpen seit 2000 mit 1,3 Gigatonnen pro Jahr. Das heißt, dass die Alpengletscher pro Jahr rund 1,2 Prozent ihres Gesamtvolumens vom Beginn des Jahrhunderts verlieren. Die stärksten Beiträge dazu würden "die Ablationszonen (jene meist tiefer gelegenen Bereiche, wo die Gletscher durch Abschmelzung Eis verlieren, Anm.) der großen Talgletscher der Schweizer und österreichischen Alpen, die am meisten aus dem Gleichgewicht geraten sind und sich noch an das heutige Klima anpassen", schreiben die Forscher.

Vom Gesamtverlust von 1,3 Gigatonnen pro Jahr entfällt rund die Hälfte auf die Gletscher in den Schweizer Alpen (minus 0,7 Gigatonnen pro Jahr). Der Masseverlust der Gletscher in den italienischen und österreichischen Alpen beträgt jeweils rund 0,25 Gigatonnen pro Jahr, jener in den französischen Alpen 0,16 Gigatonnen pro Jahr.

Die Daten ermöglichen es den Angaben nach, die Entwicklung des Großteils der knapp 4.000 Gletscher in den Alpen auszuwerten. Sie erlaubten aber auch Vorhersagen über das Schmelzwasser in den Sommermonaten, das für die Wasserversorgung und Energiegewinnung vieler Länder wichtig sei. "Das hat Auswirkungen über den Alpenraum hinaus, weil es Einfluss auf den Wasserhaushalt einiger großer europäischer Flusssysteme mit Ursprung in den Alpen hat", erläuterte Sommer.

Quelle: Agenturen