APA - Austria Presse Agentur

Studie bestätigt hohe Corona-Todeszahl in Italiens Heimen

18. Juni 2020 · Lesedauer 2 min

Eine Studie von Italiens Oberstem Gesundheitsinstitut (ISS) bestätigt eine hohe Anzahl von Coronavirus-Todesfällen in Seniorenheimen. Es sei davon auszugehen, dass 41 Prozent der Sterbefälle in den Altersheimen auf SARS-CoV-2 zurückzuführen seien.

Eine Studie von Italiens Oberstem Gesundheitsinstitut (ISS) bestätigt eine hohe Anzahl von Coronavirus-Todesfällen in Seniorenheimen. Es sei davon auszugehen, dass 41 Prozent der Sterbefälle in den Altersheimen auf SARS-CoV-2 zurückzuführen seien.

Die Untersuchung, die 1.356 Heime mit mehr als 97.000 Patienten in den norditalienischen Regionen unter die Lupe nahm, belegt, dass im Zeitraum zwischen 1. Februar und 30. April dort 9.154 Personen gestorben sind. Davon seien 680 Menschen positiv auf Covid-19 getestet worden, während 3.092 weitere Grippensymptome aufwiesen. Da letztere jedoch nicht auf das neuartige Coronavirus getestet wurden, konnte eine Erkrankung mit Covid-19 weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.

Der Höhepunkt der Todesfälle in den italienischen Seniorenheimen wurde im Zeitraum zwischen 16. und dem 31. März gemeldet. Untersucht wurden Einrichtungen in den vom Coronavirus besonders betroffenen Regionen Lombardei, Piemont und Emilia Romagna.

Die meisten Seniorenheime seien auf den Umgang mit der Epidemie unvorbereitet gewesen, ergab die Studie. 77 Prozent der Einrichtungen beklagten einen Mangel an Schutzmaterial. 20,9 Prozent berichteten von Informationsdefiziten bezüglich der Prozeduren zur Eindämmung der Infektion. 9,8 Prozent beklagten einen Mangel an Medikamenten und 33,8 Prozent beschwerten sich über zu wenig Gesundheitspersonal. 26,2 Prozent meldeten Probleme bei der Isolierung infizierter Patienten.

Staatsanwaltschaften in der Lombardei ermitteln bereits in mehreren Fällen wegen Missmanagements in Altersheimen. Die hohe Sterblichkeit sei auf schlechte Vorbereitung der Einrichtungen und mangelnde Unterstützung zurückzuführen, lautet der Verdacht.

Der zuvor schon problematische Personalmangel, fehlende Schutzausrüstung für die Angestellten und unzureichende Koordination zwischen Krankenhäusern und Heimen hätten dazu geführt, dass die Gesundheitskrise dort besonders dramatische Auswirkungen hatte, so der Vorwurf von Familienangehörigen der in Seniorenheimen Verstorbenen. Das Krisenmanagement in vielen Heimen sei chaotisch und das Pflegepersonal zu oft auf sich allein gestellt gewesen, kritisieren Hinterbliebene.

Mit über 34.000 Todesopfern zählt Italien zu den von der Coronavirus-Epidemie am stärksten betroffenen Länder. Besonders schwer getroffen wurde die Region Lombardei.

Quelle: Agenturen