Stadt Salzburg benennt Hermann-Gmeiner-Straße um
Das Land hat nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Herbst ein Ermittlungsverfahren nach dem Ehrenzeichengesetz eingeleitet. Dieses Verfahren ergab, dass ein Aberkennungstatbestand vorliegt. Daher hat die Landesregierung den Beschluss gefasst, sich von der vor 46 Jahren verliehenen Auszeichnung zu distanzieren. "Wer ein Ehrenzeichen trägt, soll auch Vorbild sein und andere dazu motivieren, nach dieser Auszeichnung zu streben. Für jene, die bei Missbrauch wegsehen, ihn ermöglichen oder gar selbst begehen, ist im Kreis der Ehrenzeichen-Trägerinnen und -Träger mit Sicherheit kein Platz", sagte Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) in einer Aussendung. "Die Aberkennung eines Ehrenzeichens ist kein symbolischer Akt, sondern eine klare Konsequenz", ergänzte Soziallandesrat Wolfgang Fürweger (FPÖ).
In der Stadt Salzburg hat der Kulturausschuss des Gemeinderates die Umbenennung der Hermann-Gmeiner-Straße einstimmig beschlossen. Die rund 400 Meter lange Straße an der Grenze zur Nachbargemeinde Wals-Siezenheim soll in Zukunft Barbara-Krafft-Straße heißen. Die endgültige Beschlussfassung soll in der Gemeinderatssitzung am 4. Februar erfolgen. Auch die Gemeinde Wals-Siezenheim stimmt einer Umbenennung zu. Durch den Schritt werden 114 Adressen eine neue Anschrift erhalten. Nachweisliche Sachkosten, die Anrainern entstehen, übernimmt die Stadt Salzburg. Barbara Krafft (1764-1825) war Malerin, die über viele Jahre in Salzburg lebte. Sie ist vor allem für ihre Porträts bekannt, etwa jenem Bildnis von Wolfgang Amadeus Mozart, das auch auf der österreichischen Ein-Euro-Münze zu sehen ist.
Auch in der Flachgauer Stadt Seekirchen, in der sich ein SOS-Kinderdorf befindet, sollen die dortige Hermann-Gmeiner-Straße und der Kindergarten gleichen Namens noch in diesem Frühjahr umbenannt werden. Welchen neuen Namen Straße und Kindergarten in Zukunft tragen werden, stand zuletzt noch nicht fest. Hermann Gmeiner steht im Verdacht, an zumindest acht minderjährigen Burschen "sexuelle Gewalt und Misshandlungen" ausgeübt zu haben.
Zusammenfassung
- Die Salzburger Landesregierung hat dem 1986 verstorbenen Gründer der SOS-Kinderdörfer, Hermann Gmeiner, nach schweren Missbrauchsvorwürfen das 1980 verliehene Goldene Ehrenzeichen aberkannt.
- Auch in Seekirchen sollen die dortige Hermann-Gmeiner-Straße und der gleichnamige Kindergarten nach Missbrauchsvorwürfen gegen Gmeiner, der mindestens acht minderjährige Burschen betroffen haben soll, umbenannt werden.
