SOS-Kinderdorf - Zuweisungsstopp in Kärnten aufgehoben
Es seien viele Anzeigen eingegangen, vom Land, von einzelnen Opfern und zuletzt eine Sammelanzeige von SOS-Kinderdorf. Eine Staatsanwältin und eine Richteramtsanwärterin sind nun ausschließlich mit den Fällen befasst, die Polizei könnte eine eigene SOKO einrichten. Es gebe viele Überlappungen in den Anzeigen und den 14 Ermittlungsverfahren. Nach Auswertung der Sammelanzeige von SOS-Kinderdorf wird es wohl insgesamt rund 200 Beschuldigte geben. Unter diesen befinden sich nicht nur Verantwortliche von SOS-Kinderdorf, sondern etwa auch andere Kinder oder Jugendliche. Manchmal habe man auch nur einen Vornamen. "Die Ermittlungen sind schwer", so Kitz.
Teilweise wurden Ermittlungsverfahren auch schon eingestellt, etwa wenn Beschuldigte inzwischen gestorben sind, erklärte Kitz. Die Verjährungsfrage müsse ebenfalls geprüft werden, die Vorwürfe gehen bis 1960 zurück, viele betreffen die Zeit ab den 1990er-Jahren. Inhaltlich gehe es vornehmlich um Quälen oder Vernachlässigen von Unmündigen, aber auch sexueller Missbrauch werde behauptet, so der Staatsanwalt.
Das Land Kärnten hatte im Dezember den Zuweisungsstopp verfügt. Dem Träger wurden mangelnde Kooperation und Transparenz vorgeworfen, angeforderte Unterlagen würden nur sehr schleppend übermittelt, darunter auch die Daten von Kindern, die Gewalterfahrungen gemeldet hatten.
Zur nun erfolgten Aufhebung des Zuweisungsstopps erklärte der zuständige Landesrat Peter Reichmann (SPÖ), es sei ihm wichtig gewesen, eine neue Grundlage der Zusammenarbeit zu erarbeiten, bevor dem Träger weitere Kinder und Jugendliche anvertraut würden. Beim Land wurde mit Jahreswechsel die Kinder- und Jugendhilfe einer anderen Abteilung unterstellt. Seit 19. Dezember habe man fünf unangekündigte Kontrollen beim Kinderdorf Moosburg gemacht. Auch künftig werde engmaschig kontrolliert. Reichmann: "Wir haben klar kommuniziert, dass bei auch nur dem kleinsten Verdacht auf Missstände der Aufnahmestopp unverzüglich wieder in Kraft treten wird. Dies gilt auch, sollte es bei den der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebrachten Sachverhalten im Rahmen der Ermittlungen zur Erhärtung von Verdachtsmomenten kommen."
Dem SOS-Aufsichtsratsvorsitzenden Friedrich Santner spricht Reichmann "ehrliches und konstruktives Bemühen" zu, um die Vergangenheit transparent aufzuarbeiten und neue Strukturen zu schaffen, bei denen statt Wirtschaftlichkeit "das Kindeswohl an erster Stelle" stehe. Erst direkte Gespräche zwischen Reichmann und Santner ebneten demnach den Weg zur Aufhebung des Aufnahmestopps. Lückenlose Aufarbeitung bleibe zentral, so Reichmann. "Meine Anweisung, dass jeglicher Verdacht auf strafrechtlich relevantes Verhalten der Staatsanwaltschaft Klagenfurt übermittelt wird, bleibt weiterhin aufrecht."
Zusammenfassung
- Nach rund zwei Monaten hat das Land Kärnten den Zuweisungsstopp für das SOS-Kinderdorf aufgehoben, nachdem die Zusammenarbeit auf eine neue Vertrauensbasis gestellt wurde.
- Seit dem 19. Dezember wurden fünf unangekündigte Kontrollen im Kinderdorf Moosburg durchgeführt, und das Land kündigt weiterhin strenge Überwachung sowie eine sofortige Wiedereinsetzung des Aufnahmestopps bei neuen Verdachtsmomenten an.
