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Sommer-Reisechaos droht: Schon jetzt tausende Flugpassagiere gestrandet

06. Juni 2022 · Lesedauer 4 min

Akuter Personalmangel in der Flugbranche ließ tausende Fluggäste am Pfingstwochenende stranden. Die Sorge vor chaotischen Zuständen in der Hauptreisezeit wächst. Auch in Österreich ist man besorgt, auch wenn wir im Vergleich noch gut dastehen. Doch das nützt nicht viel, wenn es im Urlaubsland heißt: Nichts geht mehr.

Am Pfingstwochenende saßen wegen vielen Flugausfällen laut Medien unter anderem Tausende Britinnen und Briten aber auch Niederländer im Ausland fest. Die Zustände zu Pfingsten könnten ein müder Abklatsch vom dem sein, was Urlauber im Sommer erwartet. 

In ganz Europa warnen Flughäfen und Flugsicherungen derzeit vor Verspätungen in den Sommerferien. Ein Mangel an Personal bei Bodendiensten und Flugsicherung trifft auf unbändige Reiselust nach der Corona-Zwangspause. In Deutschland warnt Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) schon jetzt vor viel zu wenig Personal in der Reise- und Verkehrsbranche, wenn die großen Ferien beginnen. Die Gewerkschaft vida sieht ähnliche Probleme auch in Österreich. 

Zu wenig Personal nach Pandemie 

In der Pandemie nahm das Personal durch Weggänge und Kündigungen ab, davon habe sich die Branche noch nicht erholt. Es gebe nicht genug Personal, um dem Ansturm in den heißen Monaten bewältigen zu können.    

Österreich steht im Vergleich gut da

Auch in Österreich fehle es in der Luftfahrtbranche an Personal, so Liebhart. "Es braucht daher jetzt kein Schönreden, sondern vielmehr gute Löhne und Arbeitsbedingungen, um das bestehende Personal zu halten und neues anwerben und ausbilden zu können", fordert der Gewerkschafter, wobei er einräumt, dass Österreich dank der Kurzarbeit etwas besser dastehe. Die Kurzarbeitsregelung habe dafür gesorgt, dass die Unternehmen die Beschäftigten nicht abbauen durften, das sei jetzt der "rettende Strohhalm", so Liebhart. Trotzdem hätten sich die Personalstände signifikant verkleinert.

Flüge bei Easyjet, British Airways und TUI gestrichen

Sowohl die Airline Easyjet als auch British Airways und der Reiseveranstalter TUI strichen wie schon in den Tagen vor dem Pfingstsonntag wieder etliche Flüge. Die britische Regierung warf der Branche vor, sich nicht ausreichend vorbereitet zu haben.

Chaos in Schiphol: KLM holte Urlauber mit Verspätung heim

Die niederländische Fluggesellschaft KLM hatte am Sonntag damit begonnen, zahlreiche ihrer am Vortag in europäischen Ländern gestrandeten Passagiere nach Amsterdam zu bringen. Wegen erheblicher Verzögerungen bei der Abfertigung am Airport Schiphol hatte sich KLM den Angaben zufolge am Samstag entschieden, etliche Linienflüge von europäischen Städten ausfallen zu lassen.

Personalmangel: Amsterdam will mehr zahlen

Wegen großer Probleme bei der Abfertigung an dem Drehkreuz hatte KLM schon Ende Mai den Ticketverkauf zeitweise drastisch reduziert. In den Wochen zuvor hatte der Flughafen bereits mit großen Problemen durch Personalmangel bei der Gepäckabfertigung und Sicherheit gekämpft. Schiphol präsentierte Ende Mai einen Maßnahmenplan, um das für den Sommer befürchtete noch größere Chaos zu verhindern. Demnach will der Flughafen mehr Personal anwerben und höhere Löhne bezahlen.

Deutschland: 20 Prozent Bodenpersonal fehlen

Auch in Deutschland ist der Personalmangel groß - von der Passagierkontrolle über die Flugzeugabfertigung bis hin zu den Flugbegleitern fehlen Mitarbeiter, die sich in der Pandemie andere Jobs gesucht haben. "Über alle Standorte hinweg fehlen den Dienstleistern, die an der Abfertigung der Passagiere beteiligt sind, rund 20 Prozent Bodenpersonal im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit. Das kann vor allem beim Check-in, beim Beladen der Koffer und in der Luftsicherheitskontrolle zu Engpässen in Spitzenzeiten führen", hatte der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel, der Deutschen Presse-Agentur jüngst gesagt. Die Flughafenbetriebsräte schätzen den Gesamtbedarf auf 5.500 Leute in ganz Deutschland.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam