APA/APA/AFP/RIJASOLO

Schwere Dürren und Zyklone: Madagaskar leidet unter Klimawandel

29. Mai 2022 · Lesedauer 4 min

Weitgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt, leidet Madagaskar besonders unter den Folgen des Klimawandels. Immer wieder haben in den vergangenen Jahren Wirbelstürme die bei Urlaubern beliebte Insel vor der Küste Südostafrikas schwer getroffen.

Allein seit Jahresbeginn trafen fünf Zyklone das Land, wie "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) jetzt darlegte. Und gleichzeitig hat vor allem den Süden Madagaskars eine außergewöhnlich schwere Dürre getroffen.

Kaum Erholung für Bevölkerung

Jean-Marc Perrin, Projektkoordinator von MSF, wies gegenüber der APA darauf hin, dass die permanente Exposition der Bevölkerung für schwere Naturkatastrophen es schwer mache, sich davon zu erholen. "Das Land ist im Süden von schweren Hungerkrisen betroffen, von denen erst im Vorjahr die schwerste nach drei Jahren einer außergewöhnlichen Dürre über die Menschen hereingebrochen ist", sagte Perrin.

Nahrungsmittelkrise 

Doch auch die Wirbelstürme gefährden den Nahrungsmittelnachschub: Der Ostteil des Landes wurde laut dem MSF-Experten heuer von einer Serie von Zyklonen und Tropenstürmen getroffen. "Diese haben nicht nur zahlreiche Gesundheitseinrichtungen beschädigt, sondern auch die Getreideernte für die Menschen in den Gebieten zerstört, in denen wir arbeiten", schilderte Perrin.

Die Menschen würden normalerweise Pfeffer, Gewürznelken und Kaffeebohnen anbauen und die Produkte verkaufen. "Aber viele haben uns gesagt, dass sie ihre Lebensgrundlage nach den Zyklonen verloren haben. Zusammen mit den steil ansteigenden Preisen für Nahrungsmitteln wird es hart, eine Familie zu versorgen. Wir haben in den vergangenen Wochen einen Anstieg bei unterernährten Kindern wahrgenommen und wir befürchten, dass das mit der Zeit noch schlimmer wird", sagte Perrin. Unterernährung schwächt das Immunsystem und macht die Kinder so anfälliger für Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Malaria oder Cholera.

Auch die Fischer in der Region sind betroffen: Viele sagten dem MSF-Projektkoordinator, dass nach den Wirbelstürmen weniger Fische im Meer waren und die Menschen sich die Fische ohnehin nicht leisten können. "Es ist eine besorgniserregende Situation, wir haben daher beschlossen, unsere medizinischen Aktivitäten in dem Gebiet auszuweiten, damit wir die Ernährungssituation genau beobachten können und zu einer schnellen Reaktion in der Lage sind, wenn das notwendig wird."

Sauberes Trinkwasser als Herausforderung

Eine der größten Herausforderungen ist es für MSF, den Menschen in den Krisenregionen den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen, und zwar sowohl in den von Dürren heimgesuchten Regionen als auch in den von Zyklonen bedrohten Gebieten, wo Wasserquellen nicht geschützt sind und daher Menschen im Wasser lebenden Krankheitserregern ausgesetzt sind. Madagaskar habe zu wenig Ressourcen, um sich von Schäden der Klimakrise zu erholen, darauf zu reagieren oder sich darauf vorzubereiten. Der Klimawandel dürfte vermutlich Gesundheitsrisiken in Madagaskar vergrößern. "So wird es wichtig sein, ein robustes Gesundheitssystem zu haben, das den Bedürfnissen der Menschen gerecht wird und den Folgen künftiger Klimaschocks widerstehen kann", erläuterte Perrin. Auch das Monitoring und die Entwicklung von Frühwarnsystemen für Krankheitsausbrüche im Zusammenhang mit dem Klimawandel seien sehr wichtig.

Medizinische Hilfe 

MSF sei dabei, den Umfang der medizinischen Aktivitäten in Madagaskar auszubauen: "Nicht nur, um den aktuellen Anforderungen gerecht zu werden, sondern auch, um ein besseres Verständnis für die klimatischen Bedingungen im Zusammenhang mit gesundheitlichen Entwicklungen zu erlangen, damit die besten Präventionsstrategien und künftige Reaktionsmöglichkeiten entwickelt werden können", erklärte Perrin. Er machte darauf aufmerksam, dass wie bei den anderen vom Klimawandel am stärksten betroffenen Ländern auch Madagaskar zu den am wenigsten für die globale Erwärmung verantwortlichen Staaten zählt. "Diese Länder müssen ausreichende Unterstützung bekommen, damit sie in der Lage sind, gesundheitliche und humanitäre Bedürfnisse zu erfüllen und sich auf die Zukunft vorzubereiten", forderte der MSF-Experte. Bisher seien die Versprechungen der Länder mit hohem CO2-Ausstoß für Verluste und Schäden in den vom Klimawandel am meisten betroffenen Ländern nicht angekommen.

Quelle: Agenturen