APA - Austria Presse Agentur

Schneefall in ganz Österreich: Verkehrsbehinderungen, Unfälle, Lawinengefahr

09. Dez 2021 · Lesedauer 7 min

Vom Burgenland im äußersten Osten bis nach Vorarlberg ganz im Westen erstrahlt Österreich am Donnerstag weiß. Seit der Nacht auf Donnerstag fällt in allen Bundesländern Schnee. Das führte bereits zu zahlreichen Problemen im Verkehr, Unfällen und Lawinengefahr.

Seit der Nacht schneit es bei Minusgraden in allen Teilen Österreichs. Der Schneefall wurde am Nachmittag laut ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) in den meisten Regionen seltener.

Länger und auch intensiver schneit es demnach aber in den Staulagen der Alpennordseite zwischen den Kitzbüheler Alpen und dem Salzkammergut, aber auch rund um den Alpenostrand sowie im östlichen Flachland. Hier wurde der Schneefall am Nachmittag sogar noch einmal stärker. Die Tageshöchsttemperaturen liegen bei minus zwei bis plus drei Grad.

Wien: Busunglück mit neun Verletzten

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Die heftigen Schneefälle haben Donnerstagfrüh zu einem Busunglück in Wien-Donaustadt geführt. Laut Gerald Schimpf, Sprecher der Wiener Berufsfeuerwehr, schlitterte gegen 6.00 Uhr ein Bus am Heidjöchl im Bezirksteil Hirschstetten gegen einen Mast. Dabei wurden laut Andreas Huber, Sprecher der Berufsrettung, neun Menschen verletzt, davon einer schwer.

Auch der Lenker wurde verletzt. Einsatzkräfte der Feuerwehr bargen das an der Front und einer Seite beschädigte Fahrzeug. Kräfte der Berufsrettung und des Arbeitersamariterbundes versorgten die Verletzten und brachten sie in ein Krankenhaus.

In Wien hatte die Berufsfeuerwehr mit etwa 15 wetterbedingten Unfällen zu tun, die aber, abgesehen von dem Busunglück, eher glimpflich verliefen. Bei den Wiener Linien gab es Behinderungen durch den Schnee nur bei den Bussen. U- und Straßenbahnen verkehrten planmäßig, sagte eine Sprecherin der APA. Der Schwerpunkt lag im Westen und Süden der Stadt. Im Lauf des Vormittags beruhigte sich die Lage aber, auch weil die Schneeräumung vorankam. Die Wiener Magistratsabteilung (MA) 48 war nach eigenen Angaben bereits seit 3.00 Uhr im Einsatz.

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Auf der B 57 bei Henndorf im Burgenland kam eine Lenkerin mit ihrem Fahrzeug ins Schlittern und geriet dabei in den angrenzenden Straßengraben, wo sie auf einer Wiese im tiefen Schnee stecken blieb.

Burgenland: Einsatzkräfte seit der Früh im Einsatz

 Im Burgenland sind die Einsatzkräfte am Donnerstag aufgrund des starken Schneefalls zu zahlreichen Fahrzeugbergungen ausgerückt. Betroffen waren vor allem die Bezirke Oberwart, Güssing und Jennersdorf. Hängengebliebene Pkw und Lkw gab es vereinzelt auch im Landesnorden. Mehrere Personen wurden bei Unfällen leicht verletzt. Die S31 Richtung Eisenstadt war bei Oberpullendorf für knapp vier Stunden gesperrt. Grund für die Sperre waren schlecht ausgerüstete Lkw, die den Zubringer blockierten.

Insgesamt gab es laut LSZ bis zum Nachmittag 88 Alarmierungen. Auch als die Straßen bereits großteils geräumt waren, blieben auf Güterwegen immer wieder Fahrzeuge stecken oder landeten im Graben. Schwerverletzte gab es glücklicherweise nicht.

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NÖ: 140 Einsätze südlich von Wien

In Niederösterreich führte der Schnee zu zahlreichen Verkehrsunfällen. Mehrere Fahrzeuge mussten geborgen werden. Der Schwerpunkt der bis Mittag etwa 140 Einsätze lag den Angaben zufolge im Bezirk Hollabrunn und südlich von Wien, betroffen waren aber so gut wie alle Bezirke. In höheren Lagen herrschte erhebliche Lawinengefahr. Von 44 Unfällen zwischen 6.00 und 8.45 Uhr ereigneten sich laut Polizei zehn im Bezirk Hollabrunn. Zwei Mal kamen Personen zu Schaden.

Am intensivsten fiel der Niederschlag laut Landespressedienst im Waldviertel und im Industrieviertel aus, wo in der Früh jeweils bis zu 15 Zentimeter Neuschnee gemessen wurden. I

Lawinengefahr in Tirol, Vorarlberg und Niederösterreich

In Tirol hat angesichts ergiebiger Schneefälle am Donnerstag weiter teils große Lawinengefahr, also Stufe "4", geherrscht. Dies betraf vor allem Gebiete im südlichen und westlichen Landesteil oberhalb der Waldgrenze. Ein besonderes schneebedingtes Einsatz-Aufkommen gab es in der Nacht auf Donnerstag sowie in der Früh indes nicht, wie es von der Leitstelle Tirol gegenüber der APA hieß.

Laut dem Lawinenwarndienst herrschte vor allem abseits der gesicherten Pisten eine heikle Situation. Triebschnee und schwacher Altschnee seien die Hauptgefahr. Schneebretter könnten in den besonders betroffenen Gebieten an vielen Stellen schon von einzelnen Wintersportlern ausgelöst werden. An Triebschneehängen in den Gebieten mit viel Wind seien spontane Lawinen möglich, vor allem solcher mittlerer Größe, warnten die Experten. Mit Freitag nehme die Lawinengefahr in Tirol dann tendenziell ab.

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Die Vorarlberger Landeswarnzentrale schätzte die Lawinengefahr aufgrund der großen Neuschneemengen verbreitet als "erheblich" ein, das bedeutet Stufe drei auf der fünfteiligen Skala. Gerade in Steillagen seien spontane Locker- und Schneebrettlawinen möglich, diese könnten bereits durch geringe Zusatzbelastung ausgelöst werden. Im Rätikon und in der Silvretta wurde die Gefahrenlage oberhalb von 2.000 Metern sogar als "groß" (Stufe 4) beurteilt, hier können schon einzelne Wintersportler eine Lawine auslösen.

Auch in Niederösterreich herrscht in höheren Lagen erhebliche Lawinengefahr. Stufe 3 auf der fünfteiligen Skala galt am Donnerstag laut dem Warndienst in den Ybbstaler Alpen, im Gippel-Göllergebiet und in der Rax-Schneebergregion oberhalb von 1.500 Metern. "Allen voran gilt es den Triebschnee zu beachten, der durch mehrmalige Windwechsel und Neuschnee in den erweiterten Ost- und Nordexpositionen entstanden ist bzw. weiter entsteht", wurde im Lawinenbericht erläutert.

Eine Schneebrettauslösung könne bereits durch die geringe Zusatzbelastung eines einzelnen Tourengehers erfolgen, wurde gewarnt. Im Semmering-Wechselgebiet wurde das Risiko oberhalb der Waldgrenze als "mäßig" (Stufe 2) eingeschätzt, in den übrigen Regionen und in niedrigeren Lagen als "gering" (Stufe 1).

Steiermark: Schneekettenpflicht auf zahlreichen Straßen

In der Steiermark schneite es speziell im Süden und auch in der Landeshauptstadt Graz. Der Norden war bereits davor in Weiß getaucht. Die Feuerwehren mussten zu mehreren Einsätzen ausrücken. So sprach die Feuerwehr in St. Stefan im Rosental im Bezirk Südoststeiermark beispielsweise von einem "Schneechaos auf der L203". Fahrzeuge konnten die Steilhänge der Ottersbacherstraße nicht mehr bezwingen. Dadurch blieben gleich mehrere Autos hängen, hieß es in der Aussendung der Einsatzkräfte.

Besonders im Raum Mariazell und in der nördlichen Oststeiermark wurde auf zahlreichen Straßenzügen eine Kettenpflicht für Fahrzeuge verhängt: So mussten sogar auf der Südautobahn (A2) Schwerfahrzeuge über 3,5 Tonnen sowohl zwischen Mooskirchen und Modriach als auch zwischen Pinggau-Friedberg und Aspang Schneeketten aufziehen.

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Vorarlberg: Verkehrsprobleme und Feuerwehreinsätze

Intensive Schneefälle über Nacht haben Donnerstagfrüh in Vorarlberg Verkehrsbehinderungen und Feuerwehreinsätze verursacht. Die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle Feldkirch (RFL) verzeichnete bis 7.00 Uhr 23 Einsätze, Hotspot war dabei der Großraum Feldkirch mit 14 Einsätzen. In einigen Gemeinden des Bezirks Feldkirch fiel laut ORF Radio Vorarlberg in den Nachtstunden der Strom aus, in der Früh waren aber wieder alle Haushalte mit Elektrizität versorgt.

Vom Stromausfall betroffen waren etwa die höher gelegenen Gemeinden Fraxern und Viktorsberg sowie der zu Zwischenwasser gehörige Ort Dafins. Bei Neuschneemengen von 20 bis 30 Zentimeter, lokal auch mehr, bezogen sich die Feuerwehreinsätze großteils auf abgeknickte Bäume, die Straßen verlegten, und auf von der Fahrbahn gerutschte Autos.

Der sehr nasse Schnee laste schwer auf den Bäumen und Dächern, größere Schäden seien aber bisher ausgeblieben, hieß es bei der RFL. Als "relativ ruhig" beurteilte die Polizei Donnerstag früh die Lage auf den Straßen. Aufgrund der Straßensituation kamen Verkehrsteilnehmer verbreitet nur langsam voran. Auf zahlreichen höher gelegenen Straßen Vorarlbergs galt Schneekettenpflicht für Lkw.

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Kärnten: Züge ausgefallen, zahlreiche Straßensperren

Auch in Kärnten kam es zu massiven Verkehrsbehinderungen: Wie die Landesalarm- und Warnzentrale (LAWZ) auf APA-Anfrage mitteilte, wurden in der Früh rund 40 Einsätze wegen des Wetters verzeichnet. Diese verteilten sich aufs ganze Land, einerseits mussten hängen gebliebene oder von der Fahrbahn abgekommene Fahrzeuge geborgen werden, andererseits versperrten oft wegen der Schneelast umgestürzte Bäume die Straßen.

Es gab auch Behinderungen im Kärntner Zugverkehr. Gegen Mittag wurde auf der Drautalstrecke zwischen Greifenburg und Steinfeld im Drautal ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Neuschneemengen von rund 50 Zentimetern sorgten in Oberkärnten stellenweise für hohe Lawinengefahr. In der Kreuzeckgruppe, den Karnischen Alpen und den Gailtaler Alpen herrschte Lawinenwarnstufe vier.

In der Früh galt auf so gut wie allen höher gelegenen Straßen Kärntens Kettenpflicht. Doch auch in den Tälern war es angeraten, vorsichtig zu fahren: Auf der Seeberg Straße (B82) im Bezirk St. Veit an der Glan gab es abschnittsweise überhaupt ein Fahrverbot für Lkw ab 7,5 Tonnen. Auf der Tauernautobahn (A10) war der Oswaldibergtunnel wegen eines Lkw-Unfalls nach dem Tunnel in Fahrtrichtung Salzburg gesperrt, auch auf der Südautobahn (A2) hatte es in der Nacht Straßensperren wegen hängengebliebener Lkw bei Wolfsberg gegeben. 

Quelle: Agenturen / Redaktion / hos