APA - Austria Presse Agentur

Schlepperbericht: Corona bremst illegale Einreise kurzzeitig

19. Sept 2020 · Lesedauer 3 min

Durch die Coronakrise sind vorübergehend weniger illegal eingereiste Menschen aufgegriffen worden. Seit Juli sei ihre Zahl aber wieder im Steigen, sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) anlässlich der Veröffentlichung des Lageberichts Schlepperei und Menschenhandel 2019. Aktuell bestehe ein höherer Migrationsdruck Richtung Österreich. Nehammer will vor allem mit Drohnen die Grenzen überwachen.

Waren im Juli und August 2019 noch 3.590 Aufgriffe erfolgt, seien es in diesen beiden Monaten heuer 4.390 gewesen, eine Steigerung von mehr als 20 Prozent. "Wir werden daher bei der Überwachung unserer Grenzen verstärkt auf den Einsatz von Drohnen setzen", bekräftigte der Minister. Ein Pilotprojekt mit mehr als 40 Drohnen läuft.

Generell sind die Aufgriffe seit dem großen Flüchtlingszustrom von 2015 beständig zurückgegangen. Im gesamten Jahr 2019 wurden 19.274 Personen aufgegriffen, gegenüber 2018 ein Rückgang von neun Prozent. Dafür stieg die Zahl der festgenommenen Schlepper um 8,5 Prozent auf 242. Die meisten Menschen wurden im Tiroler Bezirk Kufstein (1.455) aufgegriffen, gefolgt vom Bezirk Innsbruck/Land (1.270 Aufgriffe), dem NÖ Bezirk Bruck a.d. Leitha mit 1.001 Vorfällen und Salzburg mit 957 aufgegriffenen Personen.

"Die Deliktsfelder Menschenhandel und Schlepperei stellen uns vor große Herausforderungen. Nicht nur, dass sich Kriminelle an der Notlage anderer bereichern, kommen jedes Jahr auch Hunderte Menschen zu Schaden", sagte Nehammer. Schlepperei meint die - meist teuer zu bezahlende - Unterstützung bei der illegalen Einreise, Menschenhandel die Ausbeutung vergleichbar der Sklaverei.

Die Schlepper sind laut dem Bericht überwiegend Männer aus Syrien, Österreich, der Türkei, Serbien und Afghanistan. Die Geschleppten stammten vor allem aus Afghanistan, Syrien und dem Irak. 45 Prozent waren 19 bis 30 Jahre alt, die Gruppe der 15- bis 18-Jährigen war mit 26 Prozent am zweithäufigsten vertreten. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre machten acht Prozent aus. Die Hauptroute verlief über den West-Balkan. Hauptübertrittsländer nach Österreich für illegale Migranten sind Italien und Ungarn.

Trotz aller Corona-Maßnahmen an den Grenzen läuft die Schlepperei laut Innenministerium "auf Hochtouren". Die Gefahren für die Migranten seien nun wieder extrem hoch: Selbst nach der Katastrophe von Parndorf im Burgenland, wo im August 2015 in einem Kühl-Lkw die Leichen von 71 erstickten Flüchtlingen entdeckt wurden, finden solche illegalen Menschentransporte statt. Jüngst flog einer bei Bruck a.d. Leitha in Niederösterreich auf.

Weiters ermittelte die Polizei 62 mutmaßliche Menschenhändler und 66 ihrer Opfer sowie 43 des grenzüberschreitenden Prostitutionshandels Verdächtige und 53 Betroffene. Sogar Minderjährige - zwölf Mädchen und zwei Buben unter 14 - waren darunter. Die meisten Opfer stammten aus Rumänien, Ungarn und Bulgarien.

Neben Prostitution und Bettelei spielt hier Arbeitsausbeutung eine Rolle - neu beobachtet wurde 2019 die illegale Fertigung von Teigtaschen: Chinesische Staatsangehörige produzierten in Wiener Wohnungen "Mengen von bis zu 10.000 Stück und lieferten sie abgepackt an chinesische Restaurants und Supermärkte. Die Ermittlungen gestalten sich aufgrund des weitreichenden Umfangs als äußerst schwierig, es wird sowohl wegen Menschenhandels als auch Schlepperei ermittelt", hieß es dazu.

Quelle: Agenturen