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Schäden und Tote durch Wetterextreme in den USA

13. Jan. 2023 · Lesedauer 5 min

Überflutete Ortschaften und meterhohe Schneemassen an der Westküste, tödliche Wirbelstürme im Südosten: Durch Wetterextreme sind in den USA Behörden und Medien zufolge mindestens 26 Menschen gestorben. Allein in Kalifornien stieg die Zahl der Toten, etwa durch umstürzende Bäume oder Sturzfluten, demnach bis Donnerstag (Ortszeit) auf 19. Ein Ende der starken Winterstürme in dem gewöhnlich sonnenverwöhnten Bundesstaat an der Westküste ist laut Meteorologen nicht in Sicht.

Die anhaltenden Niederschläge haben kleine Bäche in reißende Flüsse verwandelt, Teile des bevölkerungsreichsten US-Staates stehen unter Wasser. Es werden weitere Opfer befürchtet. Gleichzeitig führten Tornados vor allem im südöstlichen Bundesstaat Alabama zu schweren Verwüstungen. Sieben Menschen kamen ums Leben, wie Gouverneurin Kay Ivey am späten Donnerstagabend auf Twitter schrieb. Besonders stark wütete ein Wirbelsturm im Bezirk Autauga, wo die Todesopfer zu beklagen waren, sowie in der rund 50 Kilometer entfernten Stadt Selma, wie die Notdienste mitteilten. Dutzende Häuser seien zerstört oder schwer beschädigt worden. Mehrere Menschen würden noch vermisst.

Eine Bewohnerin in Selma sagte dem Sender CNN, sie und ihre Mutter hätten sich im Badezimmer in Sicherheit bringen können, bevor der Wirbelsturm ihr Haus zerstörte. "Wir haben nur den Wind gehört, und das ganze Haus hat gewackelt." Stadtrat Clay Carmichael beschrieb den Anblick in der örtlichen Zeitung "The Selma Times Journal": "Unsere 100 Jahre alten Eichen lehnen an unseren 100 Jahre alten Häusern, und man kommt in keiner Straße mehr durch. Es ist einfach verheerend." Tote habe es in Selma nach bisherigem Stand nicht gegeben, wohl aber Verletzte, sagte Bürgermeister James Perkins auf einer Pressekonferenz.

Die Stadt Selma wurde in den 1960er Jahren durch die von Martin Luther King angeführten Protestmärsche gegen die Diskriminierung von Schwarzen weltbekannt. Die Märsche von Selma nach Montgomery, der Hauptstadt Alabamas, bildeten damals den politischen Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung.

Im Nachbarstaat Georgia wurde ein fünf Jahre altes Kind in einem Auto von einem umstürzenden Baum erschlagen, wie der Gerichtsmediziner im Bezirk Butts laut örtlichen Medien mitteilte. Ein weiterer Insasse sei lebensgefährlich verletzt worden. Im selben Bezirk habe die Wucht des Windes drei Waggons eines Güterzuges zum Entgleisen gebracht, hieß es weiter.

Der Webseite poweroutage.us zufolge waren in Alabama und Georgia Freitag früh rund 60.000 Haushalte ohne Strom. Am Nachmittag (Ortszeit) waren es noch gut die Hälfte.

In Teilen beider Bundesstaaten wurde angesichts der Schäden der Notstand ausgerufen. Insgesamt meldete der Wetterdienst landesweit 33 Tornados oder schwere Stürme.

In Kalifornien droht sich die Lage im Küstenbezirk Monterey County, südlich von San Francisco, weiter zuzuspitzen. Das beliebte Touristengebiet von Monterey könnte bei steigendem Wasserpegel zum Teil vom Rest des Bundesstaates abgeschnitten werden, so die Warnung von Sheriff Tina Nieto. "Einige der Straßen werden gesperrt sein, und Sie könnten auf der einen oder anderen Seite festsitzen."

Der viel befahrende Highway 1 droht zu überfluten, wenn der Salinas-Fluß noch weiter über die Ufer tritt. Der Ernstfall könnte nach weiteren starken Regenfällen bereits am Freitag eintreffen. Anrainer in tieferliegenden Gebieten mussten schon ihre Sachen packen und sich in Sicherheit bringen. Die Behörden mahnten, Evakuierungsaufrufe zu befolgen. Zuletzt war es 1995 in dem wichtigen Obst- und Gemüseanbaugebiet im Salinas-Tal zur Überschwemmungskatastrophe gekommen, mehr als ein Dutzend Menschen starben.

Weiter südlich, im Bezirk Santa Barbara, liefen noch die Aufräumarbeiten von Überschwemmungen der letzten Tage. Die Behörden warnten vor weiteren Regenstürmen am Wochenende. Zu Wochenbeginn waren dort mehrere Ortschaften vorsichtshalber geräumt worden. Betroffen war auch der Ort Montecito, wo Prinz Harry und Herzogin Meghan, Oprah Winfrey, Ellen DeGenres und weitere Prominente leben.

Sturmerfahrungen machte auch der Schauspieler Rob Lowe. "Ich habe Glück, dass ich überhaupt hier sein kann", sagte der 58-jährige Star am Donnerstagabend (Ortszeit) bei einer Filmpremiere in Los Angeles laut "People.com". Er und seine Nachbarn in Santa Barbara hätten eineinhalb Tage festgesessen, nachdem ein umgestürzter Baum die Zufahrtsstraße blockiert habe.

Ellen DeGeneres hatte auf Instagram die Überschwemmungen mit einem Selfie-Video neben einem schlammigen Sturzbach dokumentiert. In dem Video erinnerte DeGeneres auch an die schweren Überflutungen und Schlammlawinen, die sich vor fünf Jahren in der Region ereigneten. "Menschen haben ihre Häuser und Leben verloren", sagte sie.

Im Jänner 2018 waren in Montecito 23 Menschen durch Schlammlawinen getötet worden. Wasser und Geröll rissen Häuser weg, teilweise stand der Schlamm hüfthoch in den Straßen. Zuvor hatten dort großflächige Wald- und Buschbrände gewütet. Dadurch war der Boden in Hanglagen extrem instabil und nach Starkregen für Erdrutsche besonders anfällig geworden.

Trotz der Bedrohung sind die Niederschläge auch willkommen. In den letzten Jahren hatte Kalifornien unter einer historischen Dürre gelitten. Nach Einschätzung von Wissenschaftern verschärft der Klimawandel Trockenheit, Hitze und Wetterextreme, die auch zu heftigeren Waldbränden beitragen können.

Viele Stauseen und Wasserreservoirs füllen sich nun wieder auf, auch die Schneedecke in der Sierra Nevada ist so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Die jüngste Sturmserie brachte Skigebieten in der kalifornischen Gebirgskette mehrere Meter Schnee ein.

Quelle: Agenturen