APA/APA/GEORG HOCHMUTH/GEORG HOCHMUTH

"Mordversuch": Raser in Wien angeklagt

Der 34-Jährige lieferte sich im Dezember 2023 eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. Er war ohne Visum oder Führerschein mit einem nicht zugelassenen Fahrzeug unterwegs gewesen. Der Tötungsvorwurf gegen zwei Polizisten sei nicht gegeben, so der Anwalt des Angeklagten.

Die Staatsanwaltschaft Wien hat einen rücksichtlosen Auto-Raser, der sich am 10. Dezember 2023 einer Polizeikontrolle entzogen und der Exekutive eine kilometerlange Verfolgungsjagd quer durch die Stadt geliefert hatte, wegen versuchten Mordes angeklagt.

Der 34-Jährige, der sich in U-Haft befindet, bestreitet den ihm unterstellten Tötungsvorsatz. "Das ist kein versuchter Mord. Das ist allenfalls eine Nötigung", sagte sein Verteidiger Rudolf Mayer Freitagmittag der APA.

Kein Visum, kein Führerschein, Auto nicht zugelassen

Der gebürtige Serbe besitzt keinen Führerschein, der von ihm gelenkte Jaguar war nicht für den Verkehr zugelassen. Außerdem stand der 34-Jährige unter dem Einfluss von Cannabis, als Beamte des Stadtpolizeikommandos Meidling ihn gegen 20.30 Uhr am Gaudenzdorfer Gürtel einer routinemäßigen Kontrolle unterziehen wollten. Statt anzuhalten, drückte der Mann aufs Gaspedal. "Er hatte kein Visum", erläuterte Verteidiger Mayer zur Motivlage.

Auf der Flucht vor der Polizei missachtete der Jaguar-Fahrer mehrere rote Ampeln. Er fuhr einen Radfahrer nieder und krachte gegen ein ihm entgegenkommendes Fahrzeug, wobei die Beifahrerin im anderen Auto ebenso schwer verletzt wurde wie der 46 Jahre alte Radler. Beide landeten mit Knochenbrüchen im Spital.

Fuhr auf Polizisten los

Den versuchten Mord sieht die Anklagebehörde insofern gegeben, als der 34-Jährige laut Anklage auf zwei Polizisten losfuhr, die sich ihm mit gezückten Dienstwaffen in den Weg gestellt hatten. Die Beamten konnten sich der Staatsanwaltschaft zufolge erst im letzten Moment retten, indem sie zur Seite sprangen. Aus Sicht des Verteidigers war für die Betroffenen keine Lebensgefahr gegeben: "Das sind trainierte Beamte und keine Invaliden. Die wissen, was sie in so einer Situation machen müssen."

Offen sei außerdem, ob bzw. wann der Angeklagte die Beamten überhaupt gesehen und ob er - als er sie wahrnahm - einen Bremsvorgang eingeleitet habe, meinte Mayer. "Es wurde im Ermittlungsverfahren kein Gutachten eines verkehrstechnischen Sachverständigen eingeholt", bemängelte der Verteidiger. So stehe nicht fest, mit welcher Geschwindigkeit der Angeklagte überhaupt unterwegs war: "Ich habe daher die Beiziehung eines Kfz-Sachverständigen und die Einholung eines Gutachtens beantragt." Dieses soll im Rahmen der Hauptverhandlung - Termin gibt es dafür noch keinen - erstattet werden.

Sprang aus Auto

Die Verfolgungsjagd mit der Polizei endete, als der Jaguar am Landstraßer Gürtel frontal in ein ihm entgegenkommendes Fahrzeug krachte. Der Lenker versuchte noch zu flüchten, indem er aus dem Wagen sprang. Er wurde wenig später von der Polizei gefasst. In seiner ersten Beschuldigteneinvernahme behauptete er, am Steuer des Jaguar sei einer seiner Cousins gesessen. Er wurde jedoch von mehreren Zeugen - darunter die Polizeibeamten, die ihn kontrollieren hatten wollen - eindeutig als der Lenker des Fahrzeugs identifiziert, worauf er seine Verantwortung änderte.

ribbon Zusammenfassung
  • Am 10. Dezember 2023 wurde in Wien ein 34-jähriger Mann ohne Führerschein und unter Cannabis-Einfluss wegen versuchten Mordes angeklagt, nachdem er eine Polizeikontrolle ignorierte und eine gefährliche Verfolgungsjagd initiierte.
  • Während der Flucht überfuhr der Mann mehrere rote Ampeln, verletzte einen Radfahrer und eine Autofahrerin schwer und fuhr auf zwei Polizisten zu, die sich ihm in den Weg stellten.
  • Der Verteidiger des Angeklagten bestreitet den Tötungsvorsatz und hat ein Gutachten zur Geschwindigkeit des Fahrzeugs während der Jagd gefordert. Die Hauptverhandlung steht noch aus.