Weitere Menschen nach Crans-Montana im Visier der Ermittler
"Derzeit gelten ausschließlich die Betreiber als beschuldigte Personen", teilte Staatsanwältin Beatrice Pilloud mit. "Die Staatsanwaltschaft behält sich jedoch ausdrücklich vor, das Verfahren auf alle Personen auszuweiten, deren strafrechtliche Verantwortung in Betracht gezogen werden könnte."
Die Gemeinde Crans-Montana hatte eingeräumt, dass die eigentlich vorgeschriebenen Brandschutzkontrollen in der Bar seit 2019 nicht mehr durchgeführt worden waren. Die Verantwortlichen lassen sich inzwischen von Anwälten vertreten und geben keine Auskunft.
In der Bar war beim Feiern wahrscheinlich durch funkensprühende Partyfontänen Schaumstoff an der Decke in Brand gesetzt worden. Rund 80 Besucher überlebten das Inferno mit schweren Brandwunden, die teils monate- oder jahrelange Behandlungen brauchen. Rund 130 Opfer und Angehörige haben sich als Zivilkläger registriert, wie Pilloud berichtet. Sie würden von rund 50 Anwältinnen und Anwälten vertreten.
Freunderlwirtschaft oder "Walliserei"
Weil sich in den kleinen Gemeinden im Kanton Wallis alle Amtsträger kennen und viele Anrainer über ihre Parteizugehörigkeit vernetzt sind, wird oft die Gefahr von Freunderlwirtschaft genannt. Dafür gibt es einen eigenen Begriff, die "Walliserei". Deshalb haben Kritiker gefordert, dass die Ermittlungen von einem Sonderstaatsanwalt von außerhalb des Kantons geführt werden. Pilloud weist dies zurück. Es gebe weder objektive noch rechtliche Gründe dafür.
Die Walliser Staatsanwaltschaft setzt ihre Ermittlungen fort, wie diese am Freitag mitteilte. "Das Büro ist zum Schluss gekommen, dass es keinen objektiven oder rechtlichen Grund gibt, der die Ernennung eines außerordentlichen Staatsanwalts rechtfertigt", schreibt die Staatsanwaltschaft in einer von Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud unterzeichneten Medienmitteilung.
Italienische Staatsanwälte reisen in die Schweiz
Bei dem Feuer in der Bar "Le Constellation" kamen in der Silvesternacht 40 junge Menschen ums Leben, 116 weitere wurden verletzt. Sechs Tote und 14 Verletzte stammen aus Italien. Nun wollen italienische Ermittler ihre Zusammenarbeit mit den Schweizer Behörden ausweiten. Die Staatsanwaltschaft in Rom hat beantragt, dass die italienische Kriminalpolizei an den Ermittlungen beteiligt wird. Darüber soll in den kommenden Tagen bei einem Treffen mit der Staatsanwaltschaft im Wallis entschieden werden.
Hintergrund des Vorstoßes sind anhaltende Kontroversen über den bisherigen Verlauf der Ermittlungen in der Schweiz. Kritisiert wird insbesondere, dass keine Obduktionen oder weitergehenden forensischen Untersuchungen der Todesopfer angeordnet wurden. Die ausgestellten Sterbeurkunden enthalten demnach keine konkreten Angaben zur Todesursache. Nach der Überführung der Leichname nach Italien ließ die Staatsanwaltschaft in Rom eigene Obduktionen durchführen.
Positive Nachrichten zu Verletzten
Unterdessen gibt es aus Italien vorsichtig positive Nachrichten über den Gesundheitszustand einiger Verletzter. Zehn Jugendliche, überwiegend im Alter von 15 und 16 Jahren, werden weiterhin im Krankenhaus Niguarda in Mailand behandelt. Vier von ihnen befinden sich noch auf der Intensivstation, sechs im Brandverletztenzentrum. Nach Angaben der regionalen Gesundheitsbehörden könnten einzelne Patienten in den kommenden Tagen entlassen werden.
In Zürich erwachte unterdessen eine 15-jährige Italienerin nach mehr als drei Wochen aus dem Koma. Sie erkannte ihre Eltern wieder, befindet sich jedoch weiterhin in kritischem Zustand auf der Intensivstation. Das Mädchen wurde bereits mehrfach operiert, ein weiterer Eingriff musste wegen des fragilen Zustands der Jugendlichen verschoben werden.
Zusammenfassung
- Bei dem Feuer in der Silvesternacht kamen 40 Menschen ums Leben und 116 wurden verletzt, darunter viele schwer, während etwa 130 Opfer und Angehörige sich als Zivilkläger registriert haben und von rund 50 Anwälten vertreten werden.
- Italienische Staatsanwälte fordern angesichts von sechs toten und 14 verletzten italienischen Staatsbürgern eine stärkere Einbindung in die Ermittlungen und kritisieren das Fehlen von Obduktionen und forensischen Untersuchungen in der Schweiz.
