APA/dpa/Christian Charisius

Radfahrerin stirbt nach Unfall - war Klimaprotest schuld?

04. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Die bei einem Unfall mit einem Betonmischer in Berlin lebensgefährlich verletzte Radfahrerin ist tot. Ein Spezialfahrzeug, das die Verletzte befreien sollte, stand im Stau. War eine Klimaaktion für den Tod der Frau verantwortlich?

Die Radfahrerin, die bei einem Unfall mit einem Betonmischer in Berlin lebensgefährlich verletzt wurde, ist die verstorben. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag gemeinsam mit. Die 44-Jährige sei am Donnerstagabend im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen. Zuvor war die Frau nach Polizeiangaben bereits für hirntot erklärt worden.

Hatte Klimaaktion Einfluss?

Dem Unfall vorausgegangen war ein Stau, der durch eine Klima-Protestaktion der Gruppe "Letzte Generation" verursacht wurde. Ein Spezialfahrzeug, das helfen sollte, die Verletzte unter dem Lkw zu befreien, stand nach Angaben der Feuerwehr in einem Stau auf der Stadtautobahn. Stellt sich die Frage, war die Klimaaktion am Tod der Frau schuld?

Nein, sagen die behandelnden Notärzte einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge. Der Stau, den Klimaaktivist:innen in Berlin auslösten, habe keine Auswirkungen auf die Rettung der verunglückten Radfahrerin gehabt.

Klimaaktivist:innen sehen "öffentliche Hetze"

In einem Statement weist "Letzte Generation" eine Mitschuld am Tod der Radfahrerin zurück. Man sei zwar "bestürzt und in Trauer", es sei aber "an der Zeit, eine Grenze zu ziehen". Die "medial Öffentlichkeit" habe "den Unfall der Radfahrerin" "instrumentalisiert". Nur mit dem Ziel "unseren friedlichen Protest durch den Dreck zu ziehen."

Man zeige sich "schockiert", dass man sich auf "neutrale, faktenbasierte Berichterstattung" nicht verlassen könne und spricht von einer "Welle der Vorwürfe, Unwahrheiten" und "öffentlicher Hetze". Weiterhin werde man "das einzig moralisch Richtige zu tun: In einer alles entscheidenden Krise nicht zu verharren, sondern loszugehen".

Die Medien hätten die Aufgabe, "angemessen zu berichten", hieß es vom Sprecher des Deutschen Journalistenverband (DJV), Hendrik Zörner.  Dass es jetzt eine "kritische Kommentierung der Proteste sowohl in den klassischen als auch sozialen Medien gebe, könne nicht verwundern. Denn der Unfall sei ein "Ereignis, das polarisiert".

Ermittlungen gegen Aktivist:innen

Die Polizei ermittelt gegen zwei 63 und 59 Jahre alte Klimaaktivisten wegen unterlassener Hilfeleistung beziehungsweise der Behinderung hilfeleistender Personen. Nach dem Tod der Radfahrerin werde geprüft, ab auch der Vorwurf einer fahrlässigen Tötung in Betracht komme, sagte eine Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft am Freitag.

Es werde eine Obduktion der Leiche der 44-Jährigen angeordnet, um zu klären, was konkret zu deren Tod geführt habe. Ein wesentlicher Punkt sei dabei die Frage der Kausalität und wem was zuzurechnen sei, erklärte die Sprecherin.

UN mahnt Verantwortungsbewusstsein

Auch die UN äußerste sich zu dem Vorfall in Berlin: Ein Sprecher mahnte Verantwortungsbewusstsein bei Klimaprotesten ein, zeigte aber auch Verständnis für die Demos. "Menschen müssen engagiert sein, aber natürlich müssen sie in jeder Situation verantwortungsbewusst sein, um anderen keinen körperlichen Schaden zuzufügen", sagte UN-Sprecher Stephane Dujarric am Freitag in New York. "Aber ich bezweifle, dass es die Absicht jeglicher Proteste gewesen ist, die medizinische Versorgung zu verzögern."

UN-Generalsekretär António Guterres teile die Wut und Frustration von Demonstrantinnen und Demonstranten über den Mangel an Fortschritten im Kampf gegen die Erderhitzung - Proteste seien wichtig. "Wir haben die Jugendbewegungen vor ein paar Jahren gesehen. Und ich denke, ohne diese Bewegungen hätten wir nicht die Fortschritte erzielt, die wir erzielt haben", so Dujarric weiter.

Maximilian SperaQuelle: Redaktion / msp