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Prozess um von Lokal-Betreiber schwer verletzten Party-Gast

Heute, 13:02 · Lesedauer 3 min

Weil er einen 17-jährigen Lokalgast attackiert und dem Burschen das Jochbein gebrochen und drei Zähne ausgeschlagen haben soll, ist am Freitag am Wiener Landesgericht gegen einen Gastronomen und ehemaligen Kampfsportler verhandelt worden. Der Angeklagte bekannte sich nicht schuldig und erklärte, ein ihm unbekannter Mann, den er davor und danach nie gesehen hätte, habe dem 17-Jährigen die Faust ins Gesicht geschlagen. Der Prozess wegen schwerer Körperverletzung wurde vertagt.

Der 17-Jährige hatte mit einer größeren Gruppe am 8. Juni 2025 im Partykeller eines Lokals am Flötzersteig in Wien-Penzing den Geburtstag einer Freundin gefeiert. Als das Lokal um 2.00 Uhr zusperrte, stand eine Gruppe noch draußen auf der Straße beisammen, worauf der Angeklagte diese aufgefordert haben soll, ruhig zu sein. In weiterer Folge kam es zu einem Disput zwischen dem 38-Jährigen und dem 17-Jährigen und wechselseitigen Beschimpfungen.

Plötzlich habe ihm der 38-Jährige einen Kick in die Rippen und Faustschläge ins Gesicht versetzt, schilderte der mittlerweile 18-Jährige der Richterin: "Als ich am Boden lag, ist er noch auf mich draufgegangen." Kurz sei er benommen gewesen: "Als ich zu mir gekommen bin, habe ich die Zähne im Mund gespürt." Von den körperlichen Verletzungen habe er sich inzwischen erholt: "Aber das war das erste Mal, dass ich zusammengeschlagen wurde. Das beängstigt mich." Er fühle sich nicht wohl, wenn er nachts allein unterwegs sei. Er sei nämlich "kein Kampfsportler", merkte der in der IT-Branche angestellte junge Mann an.

Seine Kampfsport-Zeiten seien lange vorbei, behauptete der Angeklagte. Seit einem Kreuzband- und Meniskus-Riss könne er nicht mehr kicken. Er bringe seither die Beine allenfalls "in die Höhe eines Sandwiches." Er habe die jugendliche Gruppe deswegen um Ruhe gebeten, weil die Nachbarn immer wieder über nächtliche Lärmbelästigung geklagt hätten: "Das sind Omas und Opis, die ich kenne." Mit dem späteren Opfer habe es "eine Rangelei" gegeben. Plötzlich sei dieser "gehüpft, hat eine Kampfstellung eingenommen, Box-Bewegungen angedeutet und 'Komm!' gerufen." Da sei er "hin, um ihn zu beruhigen. Ich wollte mit ihm reden."

Plötzlich sei "von der Seite ein Typ mit einem Anzug gekommen." Dieser habe dem damals 17-Jährigen einen Faustschlag verpasst. Auf die Frage der Richterin, warum er sich nicht um den Verletzten gekümmert und das Eintreffen der Polizei nicht abgewartet hätte, erklärte der Angeklagte: "Ich musste weg." - "Um 2.00 Uhr in der Früh? Wohin?", wollte die Richterin wissen. - "Nach Hause." Außerdem hätte er beim Niedergeschlagenen "keine Verletzungen wahrgenommen."

Da sich der Lokal-Betreiber vom Tatort entfernt hatte, war zunächst dessen Identität unklar. Auf einen Hinweis eines Unbeteiligten, der die Gewalttat mitbekommen hatte, erfuhren allerdings Freunde vom Instagram-Profil, auf dem der 38-Jährige stolz seine Kampfkunst-Erfolge abfeierte. Sie übermittelten den Link der Polizei, die darauf ein Strafverfahren in die Wege leitete.

Zusammenfassung
  • Ein 17-jähriger Gast erlitt am 8. Juni 2025 nach einer Geburtstagsfeier vor einem Lokal in Wien-Penzing einen Jochbeinbruch und verlor drei Zähne.
  • Der 38-jährige Lokalbetreiber und ehemalige Kampfsportler, der sich nicht schuldig bekannte, soll den Jugendlichen nach einem Streit körperlich attackiert haben.
  • Der Prozess wegen schwerer Körperverletzung wurde am Wiener Landesgericht vertagt, nachdem der Angeklagte aussagte, ein unbekannter Dritter habe zugeschlagen, und seine Identität erst durch Hinweise und Social Media ermittelt wurde.