Prozess gegen "White Tiger" startet in Hamburg
Eine junge Finnin - die ebenfalls von ihm missbraucht worden sein soll - wurde als Nebenklägerin zugelassen. Der Prozess begann mit rund halbstündiger Verspätung, da eine Schöffin es wetterbedingt nicht pünktlich ins Gericht geschafft hatte. Insgesamt sind für die Verhandlung bis Dezember 82 Verhandlungstermine anberaumt.
Der Angeklagte, der laut Staatsanwaltschaft Kopf des internationalen Sadisten-Netzwerks "764" war, soll die Taten zwischen Jänner 2021 und September 2023 verübt haben. Da er damals selbst noch Jugendlicher oder Heranwachsender war, findet die Verhandlung vor einer Jugendkammer der Großen Strafkammer unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Der Angeklagte habe in Internetforen gezielt nach psychisch labilen Kindern und Jugendlichen gesucht, um ihr Vertrauen zu gewinnen und sie dann zu missbrauchen, so die Staatsanwaltschaft. Er habe sie mit Bildern und Videos von Missbrauchsdarstellungen erpresst und vor laufender Kamera zu Selbstverletzungen gezwungen - bis hin zum Suizid. Auch habe er seine Opfer teilweise als Werkzeug zur Misshandlung anderer Kinder und Jugendlichen eingesetzt.
"White Tiger"-Anwältin nennt Vorwürfe haltlos
Einen 13-jährigen Burschen aus den USA soll er in den Suizid getrieben haben. Eine 14-jährige Kanadierin hat laut Anklage versucht, sich umzubringen. Die Verteidigerin des 21-Jährigen wies die Vorwürfe vor Beginn der Verhandlung erneut als haltlos und konstruiert zurück. Die Anklage, die beim Mordvorwurf von einer doppelten mittelbaren Täterschaft ausgeht, nannte sie "experimentell".
"Dieses Konstrukt dieser sogenannten mittelbaren Täterschaft ist, wie schon das Wort sagt, eine Konstruktion, die hier sachlich fehlerhaft ist und auch nicht beweisbar wäre", sagte Verteidigerin Christiane Yüksel.
Angeklagter soll von Mitgefangenen verprügelt worden sein
Ihren Angaben zufolge wurde ihr Mandant am Donnerstag in Untersuchungshaft von Mitgefangenen verprügelt. Nachdem er von der Jugendvollzugsanstalt Hahnöfersand ins Untersuchungsgefängnis nach Hamburg gebracht worden sei, hätten dort in einer Sammelzelle mehrere Gefangene auf ihn eingeprügelt, sagte die Rechtsanwältin. Dabei hätten sie nach Angaben ihres Mandanten "White Tiger, White Tiger" gerufen. Der 21-Jährige war Mitte Juni vergangenen Jahres in der elterlichen Wohnung in Hamburg festgenommen worden und sitzt seither in Untersuchungshaft.
Zusammenfassung
- Die Verteidigung weist die Vorwürfe als haltlos zurück, berichtet von einem Angriff auf den Angeklagten in der Untersuchungshaft und bezeichnet die Anklage beim Mordvorwurf als 'experimentell'.
