APA - Austria Presse Agentur

Presseclub kritisiert Umgang von Richterin mit sexueller Belästigung

04. März 2021 · Lesedauer 2 min

Das Frauennetzwerk Medien und der Presseclub Concordia kritisieren das Verhalten einer Richterin in einem Prozess um sexuelle Belästigung scharf und wenden sich per offenem Brief an die Richter-Vereinigung. Die Aussagen der Richterin senden ein "fatales Signal".

Das Frauennetzwerk Medien und der Presseclub Concordia wandten sich am Donnerstag wegen des Verhaltens einer Richterin in einem Prozess um sexuelle Belästigung an Sabine Matejka, die Präsidentin der Vereinigung der österreichischen Richterinnen und Richter. Man kritisiert die Aussagen von Richterin Andrea Mayrhofer und ihren Umgang und ihr Verständnis mit Betroffenen von sexueller Belästigung. Das Frauennetzwerk und der Presseclub verlangen mehr Sensibilität im Umgang mit dem Thema. 

Zur Vorgeschichte:

Ein Wiener Medienmacher führt aktuell einen Prozess gegen eine Ex-Mitarbeiterin. Die Fernsehmoderatorin wirft ihm sexuelle Belästigung vor und wurde deshalb entlassen. Sie wehrt sich vor Gericht gegen die Entlassung. Nun prozessiert der Medienmacher seinerseits gegen die Frau und verlangt, dass sie die Vorwürfe unterlässt. Darüber berichtete der "Standard" am 2. März. 

"Fatales Signal für alle anderen Betroffenen und für die Öffentlichkeit"

Im Artikel wird Richterin Andrea Mayrhofer zitiert, die gefragt haben soll, warum die Beschuldigte nicht gekündigt habe. "Man wisse doch, wie es im Unternehmen zugeht". Im offenen Brief wird ausdrücklich festgehalten, dass "ein solches Verhalten in unsere Branche weder die Norm ist noch als Norm betrachtet werden darf." Richterin Mayrhofer wird kritisiert, dass Aussagen dieser Art einschüchtern würden. Sie seien "auch ein fatales Signal für alle anderen Betroffenen und für die Öffentlichkeit". Frauennetzwerk Medien und Presseclub Concordia verlangen "unabhängige und unbeeinflusste" Entscheidungen von Richtern, eine objektive Verhandlungsführung und "ein nötiges Maß an Feingefühl bei der Befragung mutmaßlicher Gewaltopfer".

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam