APA - Austria Presse Agentur

NÖ: Ausreisetestpflicht führt zu Run auf Impfbusse

29. Okt 2021 · Lesedauer 3 min

Die Ausreisetestpflicht in Scheibbs, Melk, Lillienfeld und Amstetten führt offenbar zu einem Run auf die Corona-Impfbusse. Die Zahl der Impfungen habe sich mittlerweile mehr als verdoppelt haben, heißt es vom Impfbuss-Betreiber Notruf Niederösterreich.

In den beiden niederösterreichischen Bezirken Lilienfeld und Amstetten ist am Freitag der Startschuss für die coronabedingten Ausreisekontrollen erfolgt. Bereits vergangene Woche traten die Kontrollen in den Bezirken Melk und Scheibbs in Kraft. In Niederösterreich führen die Ausreisekontrollen offenbar in allen Gemeinden zu einem Run auf das Impfangebot, heißt es von Notruf Niederösterreich.

Generell sei die Zahl der Impfungen seit Bekanntwerden der 3G-Regel am Arbeitsplatz (20.Oktober) "mehr als doppelt so hoch", sagt ein Sprecher des Notruf Niederösterreichs gegenüber PULS 24. Egal ob beim Impfbus, den Pop-Up-Impfungen oder beim Hausarzt, der Trend soll bei beinahe allen Impfangeboten zu beobachten sein. Dabei sollen laut Notruf Niederösterreich 40 Prozent der Impfungen Erststiche sein. 20 Prozent holten sich die zweite Impfung und bereits 40 Prozent nutzen die Chance auf die dritte Impfung. Auch wenn wieder vermehrt ältere Personen sich impfen lassen, sei das Impfpublikum durchmischt, heißt es gegenüber PULS 24.

Corona-Situation weiter angespannt

Während die Corona-Situation in Österreich weiterhin angespannt ist, kritisiert die FPÖ u.a. die Ausreisetestpflicht in Lilienfeld.

Am Beispiel des Impfbuses lässt sich die Nachfrage auch anhand der Daten ablesen. Vor dem 20. Oktober wurden meist nie mehr als 100 Niederösterreicher gegen Corona geimpft. Mittlerweile seien es über 100, in manchen Gemeinden auch über 200 Personen, heißt es vom Sprecher des Notrufs Niederösterreichs. Der Impfbus bleibt durchschnittlich drei Stunden an einem Ort.

Scheibbs ist mit Stand 29.10. die Gemeinde mit den wenigsten Vollimmunisierungen in Niederösterreich. Laut Daten des Notrufs Niederösterreich liegt dieser Anteil in Scheibbs bei 57.88 Prozent. Im Vergleich dazu entspricht der Anteil der Vollimmunisierten in der Bevölkerung in Amstetten 57,88 Prozent, in Melk 60,28 Prozent und in Lilienfeld 61,09 Prozent.

"Diese Werte sind wirklich gut. Wir sehen, dass die Impfbusse der richtige Weg sind, um die Menschen zu erreichen", sagt der Bezirkshauptmann von Scheibbs Johann Seper gegenüber dem "ORF". Er hoffe mit einer höheren Durchimpfungsrate die Ausreisekontrollen beenden zu können.

FPÖ: "Gesunde werden in die Nagel gezwungen"

Die FPÖ protestierte umgehend. Landesparteiobmann Udo Landbauer bezeichnet die Ausreisekontrollen als "rechts- und verfassungswidrige, obrigkeitsstaatliche Schutzhaft von ÖVP und Grünen gegen die eigene Bevölkerung". Er sprach zudem von einem neuen Lockdown. Es werde nur ein Zweck verfolgt, kritisierte Christian Hafenecker, freiheitlicher Bezirksparteiobmann von Lilienfeld: "Gesunde, ungeimpfte Bürger zu drangsalieren und sie dadurch regelrecht in die Nadel zu zwingen."

Umweltmediziner Hans-Peter Hutter spricht im Interview mit PULS 24 über die aktuelle Corona-Lage in Österreich.

Hutter: "Wachrütteln der Bezirke"

In Niederösterreich entspricht der Anteil der Vollimmunisierten insgesamt 75,22 Prozent. Dennoch ist Niederösterreich, wie auch der Großteil Österreichs, laut der Ampel-Kommission rot gefärbt. Nur Wien und das Burgenland sind orange. Umweltmediziner Hans-Peter Hutter erklärt sich die Färbung mit der hohen Durchimpfungsrate des Burgenlands und dem Maßnahmen-Paket in Wien. Er rät daher den restlichen Bundesländern einige der Corona-Maßnahmen, wie etwa einer FFP2-Maskenpflicht, zu übernehmen. Auch die Ausreisekontrollen u.a. in Melk und Scheibbs sieht Hutter als "Wachrütteln in diesen Bezirken". 

Angela PerkonigQuelle: Agenturen / Redaktion / pea