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Monarch mit Humor - Norwegischer König Harald wird 85

21. Feb. 2022 · Lesedauer 5 min

Norwegens König Harald V. scheint ein spaßiger Opa zu sein. "Ich möchte dir ganz besonders für all die Male danken, als du mich zum Lachen gebracht hast. Und für unsere ganzen schönen Selfies", sagte seine Enkelin Prinzessin Ingrid Alexandra bei ihrer Konfirmation 2019 an ihren royalen Großvater gerichtet. Am Montag (21. Februar) dürften einige freudige Selfies in Oslo hinzukommen: Dann nämlich wird der norwegische Monarch 85 Jahre alt.

König Harald betrachtet sein Amt als Lebensaufgabe - sein Wahlspruch "Alt for Norge" (Alles für Norwegen) kommt also nicht von ungefähr. Seit 31 Jahren sitzt er auf dem Thron, der eines Tages an seinen Sohn Kronprinz Haakon (48) und danach irgendwann an die gerade volljährig gewordene Ingrid Alexandra übergehen wird. Bis diese royalen Generationen am Zuge sind, bleibt Harald der humorvolle, aber ruhige Anker, auf den sich die Norwegerinnen und Norweger verlassen können.

Denn auch wenn Harald das Leben mit Humor nimmt: Er erkennt auch, wenn es ernst wird. Zu Beginn der Corona-Krise zum Beispiel, als er seinen Landsleuten gut zusprach und sie zum Befolgen der ungeliebten Beschränkungen aufrief. Oder nach den brutalen Anschlägen des Rechtsterroristen Anders Behring Breivik im Osloer Regierungsviertel und auf der Insel Utøya am 22. Juli 2011 mit insgesamt 77 Toten, nach denen der König seine wohl schwierigste Rede halten musste.

"Ich halte an dem Glauben fest, dass Freiheit stärker ist als Furcht. Ich halte fest an dem Glauben an eine offene norwegische Demokratie und Gesellschaft", sagte Harald damals unter Tränen. Diese Worte trugen dazu bei, dass das norwegische Volk nicht mit Hass auf die Anschläge reagierte, sondern mit Liebe.

Große Worte mag der stille Monarch dabei eigentlich nicht. Er gilt als ruhig, zurückhaltend, weniger schillernd als manch andere Royals. Die Norweger schätzen diese Bodenständigkeit. Auch um seinen 85. Geburtstag macht Harald kein großes Getöse. Der Ehrentag des Königs werde im Privaten begangen, hieß es im Voraus vom Osloer Hof lediglich.

Harald kam am 21. Februar 1937 in der Gemeinde Asker bei Oslo zur Welt. Damals war er der erste in Norwegen geborene Prinz seit 567 Jahren. Im Zweiten Weltkrieg floh die Königsfamilie nach dem Einmarsch der Nazis 1940 ins Ausland, Harald als kleines Kind mit seiner Mutter Kronprinzessin Märtha und seinen beiden Schwestern erst nach Schweden und dann in die USA. Nach fünf Jahren der deutschen Besatzung kehrte die Familie unter Jubel nach Norwegen zurück, wo der junge Prinz Harald in den Folgejahren in Oslo zur Schule ging.

Schon früh begeisterte sich Harald für den Sport und die Natur. Im Segeln trat er später bei drei Olympischen Spielen an, 1964 war er bei der Eröffnungsfeier in Tokio sogar Fahnenträger. Viele Olympische Spiele hat er auch als Zuschauer mitverfolgt - besonders begeistert immer dann, wenn Norwegerinnen und Norweger auf Skiern antraten.

An seiner Seite steht dabei seit über einem halben Jahrhundert die kunstinteressierte Kaufmannstochter Sonja. Erst nach jahrelangem Zögern seines Vaters König Olav V. heiratete Harald die Bürgerliche im Jahr 1968. 1991 wurde er nach Olavs Tod schließlich Norwegens neuer König - als erst dritter Monarch seit der Unabhängigkeit 1905.

Seitdem ist Harald der Leuchtturm, der seinem Land in aller Ruhe den Weg weist. Im Zuge der Flüchtlingskrise lieferte er ein international beachtetes Plädoyer für Vielfalt und Toleranz. "Norweger sind Mädchen, die Mädchen mögen, und Jungen, die Jungen mögen, und Mädchen und Jungen, die einander mögen. Norweger glauben an Gott, Allah, an alles und nichts", sagte er damals zu seinem 25. Thronjubiläum 2016.

Zuletzt machte dem König immer wieder die Gesundheit zu schaffen. Ende 2020 musste bei ihm eine künstliche Herzklappe ausgetauscht werden, wegen eines Sehnenschadens oberhalb des rechten Knies musste er vor einem Jahr am Bein operiert werden. Erst vor wenigen Tagen war er für fast zwei Wochen wegen einer Erkältung krankgeschrieben.

Zum Glück hat Harald tüchtigen Nachwuchs. Kronprinz Haakon ist bei Terminen oft an seiner Seite, auch bei den wöchentlichen Treffen mit der Regierung. Dort schaute jüngst auch Prinzessin Ingrid Alexandra an ihrem 18. Geburtstag vorbei - zunächst nur als Beobachterin.

Wie seine jüngeren Amtskollegen in Skandinavien - Dänemarks Königin Margrethe II. (81) und Schwedens König Carl XVI. Gustaf (75) - hat Harald die jüngeren Generationen des Königshauses längst erfolgreich mit ins Boot geholt. Die Royals sind so in den vergangenen Jahrzehnten skandinavienweit moderner und auch volksnäher geworden. Doch nicht alle Schritte in die Moderne liefen reibungslos: Harald weigerte sich lange, sich ein Handy anzuschaffen. Erst während der Corona-Krise soll das passiert sein. Den Selfies zum Geburtstag steht also rein technisch nichts im Weg - auch wenn für diese Bilder wohl wieder Enkelin Ingrid Alexandra zuständig sein dürfte.

Quelle: Agenturen