APA/APA/dpa/Markus Scholz

Mitarbeiter soll in Impfzentrum vorgetäuschte Injektionen verkauft haben

21. Jan. 2022 · Lesedauer 3 min

Das Landeskriminal Niederösterreich ermittelt wegen falscher Nachweise im Landesimpfzentrum St. Pölten. Ein 58-Jährige soll dort seit Anfang Dezember Impfungen vorgetäuscht und so gefälschte Zertifikate verkauft haben.

Der Verdächtige soll mit einer Frau (28) und zwei 48 Jahre alten Männern zusammengearbeitet haben. Ins Rollen waren die Ermittlungen Ende Dezember nach einem Hinweis gekommen, laut dem eine 28-jährige Ungarin aus St. Pölten in einem Fitnessstudio einem Besucher ein vorgetäuschtes Impfzertifikat angeboten haben soll. Die Polizei forschte daraufhin den 58-Jährigen aus. Der Mann war laut Polizeiinformationen seit Anfang Dezember im Landesimpfzentrum beschäftigt, wo er Stiche setzte. Er wurde vergangenen Samstag auf frischer Tat ertappt und vorübergehend festgenommen.

Bis zu 200 Euro pro Fälschung

Als weitere Komplizen wurden zwei 48-Jährige - ein Mann aus dem Bezirk St. Pölten-Land und ein bosnischer Staatsbürger aus Wien-Donaustadt - ausgeforscht. Sie dürften die "Kunden"  vermittelt und gegen Bezahlung von bis zu 200 Euro mit Erkennungszeichen oder Codewörtern zu Scheinimpfungen in die Kabine geschickt haben. In weiterer Folge täuschte der Mitarbeiter des Zentrums den Stich vor und bestätigte eine Injektion auf dem Aufklärungsbogen. Das Geld sollen sich die drei Verdächtigen geteilt haben. 

Teil-Geständnisse und Hausdurchsuchungen

Bei Hausdurchsuchungen wurden 2.000 Euro in bar und Mobiltelefone sichergestellt. Die vier Verdächtigen waren laut Exekutive bei ihren Einvernahmen teilweise geständig. Sie werden nach Abschluss der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft St. Pölten angezeigt.

Elf "Kunden" ausgeforscht

Am Samstag wurden elf Personen namentlich ausgeforscht, die Scheinimpfungen erhalten hatten. Der 58-Jährige soll zumindest an fünf weiteren Tagen im Dezember Injektionen vorgetäuscht haben, dazu laufen noch Erhebungen. Personen, die gegen Bezahlung eine Scheinimpfung erhalten haben, werden nach Abschluss der Ermittlungen ebenfalls der Staatsanwaltschaft St. Pölten angezeigt, teilte die Polizei mit. Hinweise zu den vorgetäuschten Covid-19-Schutzinjektionen werden an das Landeskriminalamt Niederösterreich (Tel.: 059133-30-3336) erbeten.

Der Betreiber der Einrichtung, Notruf NÖ, hat sich nach der Festnahme von dem Mitarbeiter getrennt. Zudem wurde der Mann von seinem Arbeitgeber, der Landesgesundheitsagentur, entlassen. Der 58-Jährige war im Universitätsklinikum St. Pölten beschäftigt. Bereits seit längerem gelten laut einem Sprecher von Notruf NÖ verschärfte Vorkehrungen, um kriminelle Machenschaften rund um Impfungen hintanzuhalten. So wechseln die Beschäftigten regelmäßig den Arbeitsplatz bzw. die Aufgaben. Außerdem werden beispielsweise Personalpläne so gestaltet, dass die Teams in unterschiedlicher Besetzung tätig sind. Weiters werden Impfkärtchen mit QR-Code-Aufkleber ausgeteilt und elektronisch erfasst.

Bei den Ermittlungen stehe primär Paragraf 178 Strafgesetzbuch (Vorsätzliche Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten) im Fokus, sagte Leopold Bien, Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten, auf APA-Anfrage. Der Strafrahmen dafür beträgt bis zu drei Jahre Haft. In Betracht kommen demnach auch andere Delikte wie Paragraf 309 (Geschenkannahme und Bestechung von Bediensteten oder Beauftragten). Weitere Straftatbestände "sind zu prüfen", hieß es.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam