APA - Austria Presse Agentur

Militär wegen ausufernder Bandengewalt nach Manaus beordert

08. Juni 2021 · Lesedauer 2 min

Nach einer Welle von Vandalismus und mutmaßlicher Bandengewalt im Herzen des Amazonasgebiets hat die brasilianische Regierung das Militär nach Manaus geschickt. "Auf Ersuchen des Gouverneurs des Amazonas, Wilson Lima, und mit dem Ziel, zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung in der Hauptstadt des Bundesstaates beizutragen, habe ich soeben den Einsatz der Streitkräfte in Manaus genehmigt", schrieb Justizminister Anderson Torres auf Twitter in der Nacht auf Dienstag.

Mutmaßlich eine kriminelle Bande hatte als Vergeltung für den Tod eines ihrer Mitglieder bei einem Polizeieinsatz seit dem Wochenende Autos und Busse angezündet, Bankfilialen geplündert und öffentliche Gebäude beschädigt. "Ein Szenario der Zerstörung und des totalen Chaos", schrieb das Portal "Amazonia Real". Die Regierung des Bundesstaates Amazonas zählte bis Montagabend mehr als 40 Angriffe in Manaus und anderen Städten des Bundesstaates, 31 Verdächtige wurden festgenommen, wie brasilianische Medien unter Berufung auf den Sekretär für öffentliche Sicherheit, Louismar Bonates, berichteten.

Unter den Festgenommenen waren demnach zwei führende Mitglieder des "Comando Vermelho" (Rotes Kommando) und ein elfjähriges Kind, das der Zeitung "Folha de S. Paulo" zufolge als Späher gearbeitet haben soll. Das Verbrechersyndikat aus Rio de Janeiro kontrolliert laut "Folha" nach einem Machtkampf mit der "Familia do Norte" (Familie des Nordens) den Drogenhandel in Manaus. Dutzende Menschen wurden bei der blutigen Bandenfehde in den vergangenen Jahren unter anderem bei Auseinandersetzungen in Gefängnissen getötet.

Wegen der jüngsten Angriffe stand das öffentliche Leben in der Millionenstadt Manaus, die zudem unter Rekord-Hochwasser leidet, fast still. Der öffentliche Nahverkehr wurde vorübergehend eingestellt, Schulen wurde geschlossen. Auch die Corona-Impfkampagne wurde unterbrochen. Bewohner sagten der Zeitung "O Globo", sie fühlten sich wie Geiseln in ihren Häusern und hätten Angst, diese zu verlassen.

Quelle: Agenturen