APA/AFP/Chris Delmas

Marilyn Manson: Die Schilderungen der mutmaßlichen Opfer im Wortlaut

02. Feb 2021 · Lesedauer 6 min

Die Missbrauchsvorwürfe gegen Marilyn Manson werden mehr. Die Missbrauchsvorwürfe von Evan Rachel Wood, Sarah McNeilly und Ashley Lindsay Morgan im Wortlaut.

Während Marilyn Manson die Worte seiner mutmaßlichen Opfer als "schreckliche Verfälschungen der Realität" bezeichnet, melden sich immer mehr Frauen zu Wort. Die Schilderungen ähneln sich, die Erfahrungen sind die gleichen. Im Folgenden die Schilderungen von Schauspielerin Evan Rachel Wood und den Models Sarah McNeilly und Ashley Lindsay Morgan - und auch das Statement des Beschuldigten Manson - übersetzt im Wortlaut:

Evan Rachel Wood

"Der Name meines Missbrauchers ist Brian Warner, der Welt auch als Marilyn Manson bekannt.
Er begann sich mein Vertrauen zu erschleichen, als ich ein Teenager war und missbrauchte mich jahrelang auf grausame Weise.
Ich wurde einer Gehirnwäsche unterzogen und zur Unterwerfung manipuliert.
Ich bin es leid, in Angst vor Vergeltung, Verleumdung oder Erpressung zu leben.
Ich bin hier, um diesen gefährlichen Mann zu entlarven und die vielen Industrien, die ihn befähigt haben, anzuprangern, bevor er noch mehr Leben ruiniert.
Ich stehe an der Seite der vielen Opfer, die nicht länger schweigen werden."

Hinweis: Evan Rachel Wood postete dieses Statement hier auf Instagram.

Sarah McNeilly

"Er (Brian Warner) lockte mich mit 'Love Bombing'. Er gab sich als der perfekte Freund aus. Er behauptete, er sei nur missverstanden worden. Charmant, klug, witzig, charismatisch. Während er um mich warb, fand ich heraus, dass er andere folterte. Schon bald war ich diejenige, die gequält wurde.
Ich wurde emotional missbraucht, terrorisiert und mit Narben übersät. Ich wurde in Zimmern eingesperrt, wenn ich "böse" war, manchmal gezwungen, ihm zuzuhören, wie er andere Frauen unterhielt. Ich wurde von bestimmten Freunden ferngehalten, oder wenn ich sie traf, drohte er mir, hinter ihnen her zu sein.

Man erzählte mir Geschichten von anderen, die versuchten, ihre Geschichte zu erzählen und deren Haustiere am Ende tot waren. Ich durfte nicht in die Nähe von anderen Künstlern, die am selben Set arbeiteten, da er mir sagte, sie hätten Aids und seien ekelhaft und wenn ich das täte, würde er sehr wütend werden und "das würde ich nicht wollen".

Ich wurde stundenlang verbal beschimpft. Er beschuldigte mich für alles Mögliche, damit ich mich wertlos fühlte. Alle männlichen Freunde in meinem Leben waren nicht mehr erlaubt. Er drohte, einen von ihnen abzustechen, nachdem er etwas auf meiner Facebook-Seite gepostet hatten. Ich wurde gegen die Wand geworfen und er drohte, mir mit dem Baseballschläger, den er in der Hand hielt, das Gesicht einzuschlagen, weil ich versucht hatte, ihn vor einem Musikvideo dazu zu bringen, eine Hose auszusuchen. Ich wurde Zeuge, wie er Probleme inszenierte oder fehlende Gegenstände versteckte, um seine Gewaltausbrüche zu rechtfertigen. Ich wurde Zeuge, wie er andere unbewusst aufnahm, um fast jeden zu erpressen, der "den Fleischschrank" (wie ich sein Zuhause nannte, das immer auf kühlen 62 Grad (Grad Fahrenheit, umgerechnet etwa 16,6 Grad Celsius,  Anm.) gehalten wurde) betrat. Ich war Zeuge, wie er andere in meiner Gegenwart terrorisierte und missbrauchte. Seine Verflossenen verleumdete. Ich hatte Angst, das Rampenlicht auf mich zu ziehen, um nicht wieder in sein Fadenkreuz zu geraten. Als Folge der Art und Weise, wie er mich behandelte, leide ich unter psychischen Problemen und PTSD, die meine persönlichen und beruflichen Beziehungen, mein Selbstwertgefühl und meine persönlichen Ziele beeinträchtigt haben. Ich glaube, es macht ihn an, das Leben anderer Menschen zu ruinieren. Ich unterstütze alle, die sich gemeldet haben und alle, die sich melden werden. Ich möchte sehen, dass Brian für sein Übel zur Rechenschaft gezogen wird."

Hinweis: Sarah McNeilly postete dieses Statement hier auf Instagram.

Ashley Lindsay Morgan

"Ich wurde von Marilyn Manson (Brian Warner) kontaktiert, als ich 2009/2010 in Bangkok, Thailand, modelte. Ich wusste nicht wirklich, wer er war, aber ich hatte in der High School von seinem Namen gehört. Wir hatten einen gemeinsamen Fotografen-Freund, und dieser sagte, dass Brain mich für ein kommendes Projekt haben wollte. Am Anfang war ich natürlich misstrauisch. Als wir uns trafen, sprachen wir über Literatur und Filme. Er schien intelligent, authentisch und fürsorglich. Nach einer sehr langen Zeit des Redens und Schreibens flog er mich nach Los Angeles, um Teil einer Film- und Fotoserie zu sein. Er sagte, er glaube an mich als Schauspielerin, und da ich ihm anvertraut hatte, dass ich mit dem Modeln aufhören wollte, schien es eine perfekte Gelegenheit zu sein. Zuerst war es das auch.

Er war wie viele der Musiker, die ich kennengelernt hatte... aber mit Kokain und Absinth. Bei ihm fühlte ich mich sicher, er sagte mir, er würde mich beschützen und ich glaubte ihm. Ich zog schnell vom Roosevelt Hotel zu ihm, und es wurde auch schnell dunkel. Mir wurden Regeln auferlegt und ich bekam "Ärger" für alles, was er nicht guthieß. Es gab Missbrauch, sexuelle Gewalt, körperliche Gewalt und Nötigung. Ich spüre die Auswirkungen immer noch jeden Tag. Ich habe in der Nacht Angst, PTSD, Angstzustände und vor allem eine lähmende Zwangsstörung. Ich versuche ständig, mich zu waschen, um ihn loszuwerden oder von mir wegzukommen.

Als ich von Thailand aus hin und her flog, bat er mich, ihm Nazi-Momorabilien mitzubringen, es gibt so viel in Asien, das während des Zweiten Weltkriegs versteckt wurde. Er wollte alles, was ich finden konnte... Ich brachte ihm Hakenkreuz-Wurfsterne, Messer, Ringe, es fühlte sich so falsch an, weil ich jüdisch bin. Er sagte, er gehe nur mit jüdischen Mädchen aus, und es war nur ein Witz zwischen uns. Ich habe ihm all diese schrecklichen Sachen mitgebracht und fühle mich deswegen so schuldig und beschämt. Ich wollte glauben, dass es passiert ist und dass er die Leute nicht so verletzt hat, wie er mich verletzt hat, mich beschämt hat, mich öffentlich blamiert hat. Er warf mich fast ohne Kleidung aus dem Haus, wenn ich um 3 Uhr morgens einschlief. Ich durfte weder essen, noch schlafen, noch gehen. Ich wurde mit lauter Musik geweckt, wenn ich einschlief. Er gab mir das Gefühl, dass er mich schneidet, verbrennt, seine Faust in meinem Mund war "unser Ding". Es gibt noch so viel mehr, was passiert ist. Ich will nicht, dass er das jemand anderem antut, und ich habe mich so lange dafür verantwortlich gefühlt, dass andere verletzt werden. Ich dachte nur, dass es irgendwie meine Schuld war.

Ich weiß, dass er das immer noch einer Reihe von jungen Mädchen antut und irreparablen Schaden verursacht. Ich melde mich jetzt, damit er endlich aufhört."

Hinweis: Ashley Lindsay Morgan postete dieses Statement hier auf Instagram.

Marilyn Manson

"Offensichtlich sind meine Kunst und mein Leben seit langem Magneten für Kontroversen, aber diese jüngsten Behauptungen über mich sind schreckliche Verzerrungen der Realität. Meine intimen Beziehungen waren immer völlig einvernehmlich mit gleichgesinnten Partnern. Unabhängig davon, wie - und warum - andere jetzt die Vergangenheit falsch darstellen wollen, ist das die Wahrheit."

Hinweis: Marilyn Manson postete dieses Statement hier auf Instagram.

Quelle: Redaktion / moe