Lawine in Steiermark - Gruppe wollte Freunde selbst bergen
Die Gruppe habe bereits am Freitag eine Skitour in der Gegend um Pusterwald (obersteirischer Bezirk Murtal) unternommen. Am Samstag wollten die sieben Tschechen - zwei Frauen und fünf Männer im Alter zwischen 35 und 69 Jahren - die beliebte Tour auf den Schönfeldspitz (2.202 Meter Seehöhe) unternehmen. Sie seien um 10.00 Uhr vom Parkplatz Hainzl gestartet und dann in guter Zeit, etwa vier Stunden, auf den Gipfel gekommen. "Nachdem sie sich gestärkt und für die Abfahrt vorbereitet hatten, sind sie guter Stimmung abgefahren", schilderte Abteilungsinspektor Murer die Erkenntnisse aus den Befragungen, die mit Dolmetschern durchgeführt wurden.
Gegen 14.45 Uhr sei es zur Auslösung der Lawine unterhalb des Gipfels gekommen. Vier Personen wurden verschüttet, zwei Frauen und zwei Männer. Die Gruppe habe professionell reagiert, sagte der Alpinpolizist, eine nur zum Teil verschüttete Frau wurde unverletzt ausgegraben. Mit Lawinenpieps (Lawinenverschüttetensuchgerät, LVS) wurden die anderen drei geortet und zwei ebenfalls ausgegraben, eine weitere Person teilweise. Kameradenhilfe sei beim Faktor Zeit sehr wichtig. "Bei über 15 Minuten unter der Lawine nimmt die Überlebenschance rapide ab", so der Alpinspezialist. Die Suche habe etwa eine Stunde gedauert, ein Gruppenmitglied sei ins Tal gefahren, um die Einsatzkräfte zu alarmieren - an der Unglücksstelle und im Umkreis gab es keinen Handyempfang. Die Verschütteten seien aber bereits leblos gewesen.
Die Einsatzkräfte stiegen dann zur Unglücksstelle auf, mussten aber ebenso feststellen, dass die drei Gruppenmitglieder bereits verstorben waren. Die Bergung musste man wegen Dunkelheit und schlechtem Wetter mit Wind und Nebel abbrechen und auf Sonntag verschieben. Am Sonntag wurden die Verunglückten mit Unterstützung zweier Polizeihubschrauber geborgen. Das Abseilen der Verunglückten aus dem steilen Gelände über einige hundert Höhenmeter war laut Bergrettung ausgesprochen herausfordernd.
"Bei jeder Tour Restrisiko"
Die Tourenplanung der Tschechen sei in Ordnung gewesen, sagte der Alpinpolizist. Die Leichname seien zur Überführung freigegeben worden, über die Botschaft in Wien seien die Angehörigen in Tschechien verständigt worden. Zur Ursache sagte Murer, es sei unter anderem das bekannte "Altschneeproblem" gewesen. Der Lawinenwarndienst Steiermark habe das zutreffend beurteilt und kommuniziert. Am Samstag habe zusätzlich eine Windverfrachtung von Schnee in Mulden und Karen geherrscht. "Diese aufbauende Umwandlung mehrerer Schneeschichten ist sehr, sehr schwer zu erkennen", sagte der Polizist. Es gebe leider bei jeder Tour immer ein Restrisiko. Am Samstag habe im Bereich der Unglücksstelle Lawinenwarnstufe eins (gering) von fünf geherrscht. Für den Sonntag war diese dann auf zwei (mäßig) hochgestuft worden. Bei beiden Skalenstufen bedeutet das aber, dass Lawinen im Steilbereich bei geringer Belastung ausgelöst werden können.
Die Kooperation mit der Bergrettung, der Feuerwehr und der Gemeinde Pusterwald sei perfekt gewesen, sagte Murer. Der Bürgermeister habe Räumlichkeiten und Verpflegung für die Einsatzkräfte organisiert, der Bergungsablauf unter schwierigsten Bedingungen bei böigem Wind im Steilgelände habe vorbildlich geklappt.
Beliebtes Skitourengebiet
Die Gegend um Pusterwald ist ein beliebtes Tourengebiet, im Sommer wie im Winter. Allerdings kommt es immer wieder vor, dass die Straße (L528) in den Ort bzw. in die hinteren Talbereiche wegen Lawinengefahr gesperrt ist. Am 26. Februar 2010 hat es bei einer Skitour einer Studentengruppe im Bereich Fuchsgraben ebenfalls ein Lawinenunglück gegeben, das ein Todesopfer forderte.
Zusammenfassung
- Bei einem Lawinenunglück am Samstagnachmittag unter dem Schönfeldspitz in der Steiermark kamen drei Skitourengeher aus einer siebenköpfigen tschechischen Gruppe ums Leben.
- Am Samstag herrschte Lawinenwarnstufe eins (gering), die Bergung der Opfer war wegen Dunkelheit und Wetter erst am Sonntag mit zwei Polizeihubschraubern möglich.
