APA - Austria Presse Agentur

KJA Wien warnt: Mehr als 200 Zwangsehen jährlich in Österreich, Tendenz steigend

21. Juni 2021 · Lesedauer 2 min

In Österreich werden jährlich rund 200 Ehen erzwungen, wobei die Dunkelziffer deutlich höher sein dürfte, wie die Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien warnt.

200 Millionen Minderjährige sollen weltweit nach Schätzungen von Zwangsheirat betroffen sein. Wie hoch die Zahl an österreichischen Fällen ist, kann laut einer Aussendung der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien (KJA) nicht genau gesagt werden. Man geht von zirka 200 Fällen aus, die Dunkelziffer sei aber wahrscheinlich deutlich höher - mit steigender Tendenz.

Corona verschärft Problem

Zwangsehen sind in Österreich verboten, Hilfseinrichtungen warnen jedoch seit Jahren vor steigenden Zahlen. Die Corona-Pandemie erschwert die Arbeit der Hilfsorganisationen. Familien reagieren auf Corona-Maßnahmen wie Lockdowns und Hochzeits-Gästebeschränkungen. Bei groß geplanten Hochzeiten wurden Berater teils vorab aus dem Umfeld der betroffenen Minderjährigen informiert. Durch Corona finden die Feiern nun im engsten Kreis der Familie statt. Dadurch erfahren auch weniger Leute davon, die helfen könnten. 

Verfälschte Zahlen

Laut offiziellen Zahlen gehen die Zwangsehen deshalb zurück. Diese Zahlen, so die Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien (KJA), seien jedoch trügerisch. Auch die Reisebeschränkungen ins Ausland hätten laut KJA nicht den erhofften Effekt. Während des Lockdowns wurden Betroffene mit dem Auto verschleppt, gegen ihren Willen ins Ausland gebracht oder an der Rückkehr nach Österreich gehindert. Deshalb wird auch hier von einem Anstieg der Fälle ausgegangen. 

Junge Frauen, die sich an Hilfseinrichtungen wenden, um sich der Zwangsverheiratung zu entziehen, bringen sich in Lebensgefahr. Nach traditioneller Vorstellung verletzen die Mädchen die Ehre ihrer Familie, wenn sie sich widersetzen.

Aufgrund der Corona-Pandemie sind Anlaufstellen wie Jugendzentren und Schulen lange Zeit ausgefallen. Hilfe können Betroffen bei der Beratungsstelle Orient Express oder bei Online-Beratungsplattformen bekommen. 

Quelle: Redaktion / lam