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Italienische Profis wegen schweren Raubes in Wien verurteilt

17. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

"Das ist eine eigene Liga. Das ist hochprofessionelle Kriminalität. Das ist kein Vergleich zu den üblichen Verfahren, die wir hier haben", meinte Richter Philipp Krasa am Donnerstag am Wiener Landesgericht, nachdem er das Urteil im Prozess gegen zwei Kriminelle aus Neapel verkündet hatte. Die Italiener im Alter von 47 und 48 Jahren wurden wegen schweren Raubes, schweren Diebstahls und krimineller Vereinigung rechtskräftig zu viereinhalb bzw. vier Jahren Haft verurteilt.

Die Angeklagten hatten sich gemeinsam mit einem dritten Landsmann - nach diesem wird noch gefahndet, wobei den Strafverfolgungsbehörden seine Identität bekannt ist - Ende März 2022 nach Österreich begeben. Sie mieteten sich unter falschen Namen in einem Hotel in Wiener Neustadt ein und verwendeten mehrere Handys, wobei sie laufend die SIM-Karten wechselten. In Luxus-Hotels in der Wiener Innenstadt hielten sie dann gezielt nach potenziellen Opfern Ausschau, die einen vermögenden Eindruck machten.

Am 22. März fiel ihnen ein 64-jähriger Geschäftsmann auf, der eine sündteure Armbanduhr am rechten Handgelenk trug. Zwei verfolgten ihn mit einem in Deutschland als gestohlen gemeldeten Motorrad mit einem gefälschten Kennzeichen, als sich der Mann in ein Auto setzte und in den 18. Bezirk fuhr. Der dritte Täter wartete in einem Pkw, um nötigenfalls einzugreifen. Als der Geschäftsmann am Ziel angelangt war, eingeparkt hatte und gerade aus dem Auto steigen wollte, sprang einer der Angeklagten vom Motorrad, riss die Fahrertür auf und zog dem Mann mit Gewalt eine Patek Philippe-Uhr im Wert von 70.000 Euro vom Handgelenk.

"Das Ganze hat zehn, 15 Sekunden gedauert", schilderte der Beraubte dem Schöffensenat. Da das Armband aus Kautschuk gefertigt war, habe er sich nicht verletzt: "Das waren Profis. Die waren sofort weg. Das wär' sich gar nicht ausgegangen, dass ich die erwischt hätte."

Am 4. April waren zwei Schmuck-Händler aus Hongkong in der Innenstadt unterwegs, um in Juwelier-Geschäften ihre Preziosen zum Kauf anzubieten. Dabei wurden sie von den italienischen Kriminellen beobachtet und mit dem Motorrad verfolgt. Auf der Ringstraße schlugen die Täter auf Höhe des Burgtheaters dann im wahrsten Sinne des Wortes zu. Einer von ihnen zertrümmerte mit einem Bohrkopf die Heckscheibe des Fahrzeugs der Hongkong-Chinesen und angelte sich aus dem Fahrzeuginneren einen Rucksack, in dem sich Schmuckstücke im Wert von mehr als 400.000 Euro befanden.

"Es war wie in einem Film", berichtete eine Augenzeugin dem Gericht. Sie sei derart entsetzt gewesen, dass die soeben Bestohlenen beruhigend auf sie einwirken mussten: "Die haben mir gesagt, dass ich mich nicht aufregen soll. Und dass das öfter passiert und sie darauf ausgebildet und geschult sind." Die Beraubten sind längst in ihre Heimat zurückgekehrt, auf ihre Zeugenladung wurde verzichtet.

Deren Einvernahme war auch insofern nicht notwendig, als sich die Angeklagten grundsätzlich geständig verantwortet hatten. Lediglich die Bildung einer kriminellen Vereinigung stellten sie in Abrede. Sie behaupteten außerdem, sie wären zum Verkauf von italienischer Bekleidung nach Österreich gekommen, womit sie beim Gericht aber keinen Glauben fanden. "Sie sind einen Volvo gefahren. Viel Gewand hätte da nicht Platz", wusste der vorsitzende Richter.

Die beiden Männer waren nach akribischen, Länder übergreifenden Ermittlungen ausgeforscht und festgenommen worden. Mit Bildern aus Überwachungskameras, Ergebnissen einer Rufdatenauswertung und ihren Reise-Bewegungen kam man ihnen auf die Spur. Für den einen klickten Anfang Mai, für seinen befreundeten Komplizen - die beiden stammen aus demselben Viertel in Neapel und kennen einander seit vielen Jahren - Mitte September in Italien die Handschellen. Nach der Verhandlung hatte der 48-Jährige nur einen Wunsch. "Können wir jetzt in dieselbe Zelle?", wollte er vom Richter wissen.

Quelle: Agenturen