APA - Austria Presse Agentur

Israel: Gehäufte Herzmuskelerkrankung nach Biontech-Impfung

04. Juni 2021 · Lesedauer 3 min

Laut einer israelischen Untersuchung könnte es einen Zusammenhang zwischen der zweiten Impfung mit Biontech/Pfizer und einer Herzmuskelentzündung geben. Demnach sollen bis zu 275 Fälle dieser Nebenwirkung aufgetreten sein. Besonders betroffen seien junge Männer.

Israel sieht einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Covid-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer und Fällen von Herzmuskelentzündung. Unter den mehr als fünf Millionen Geimpften traten nach Angaben des israelischen Gesundheitsministeriums zwischen Dezember und Mai 275 Fälle von Myokarditis auf. Eine Untersuchung sei zu dem Ergebnis gekommen, dass es einen möglichen Zusammenhang zwischen der zweiten Dosis und Herzmuskelentzündung bei Männern im Alter zwischen 16 und 30 gebe.

Bei 16- bis 19-jährigen Männern sei dies häufiger beobachtet worden als in anderen Altersgruppen. Israel genehmigte gleichwohl die Impfung von 12- bis 15-Jährigen und will damit in der kommenden Woche beginnen, wie der israelische Koordinator für die Pandemiebekämpfung, Nachman Asch, dem Radiosender "103 FM" am Mittwoch sagte. "Die Vorteile überwiegen die Risiken."

Mediziner rät weiterhin zur Impfung

Eine Myokarditis, oder auch Herzmuskelentzündung tritt meist als Folge einer Virusinfektion auf. In den meisten Fällen macht sich die Erkrankung durch Brustschmerzen oder Kurzatmigkeit bemerkbar. Auch wenn es sich dabei eher um eine milde Erkrankung handelt, muss sie nach kurzer Zeit im Krankenhaus behandelt werden. Die Myokarditis kann auch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen zur Folge haben.

"Ob es sich bei den Fällen, die im Zusammenhang mit der Impfung aufgetreten sind, um exakt die gleiche Form der Erkrankung handelt, wie nach Virusinfektionen, ist noch unklar", wird der Kardiologe Dirk Westermann vom Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf im "SPIEGEL" zitiert. Der Mediziner riet im Interview dennoch weiterhin zur Impfung.

Laut der  Virologin Dorothee von Laer ist die Corona-Impfung die einzige Möglichkeit, um zur Normalität zurückzukehren.

Bisher kein kausaler Zusammenhang gefunden

Pfizer erklärte, dass dem Unternehmen die Befunde aus Israel bekannt seien. Bisher sei aber kein kausaler Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und Myokarditis festgestellt worden. Es sei bisher keine höhere Rate von Herzmuskelentzündungen beobachtet worden, als in der Allgemeinbevölkerung zu erwarten gewesen wäre. Nebenwirkungen der Impfung würden gründlich überwacht und Pfizer tausche sich regelmäßig mit der Abteilung für Impfstoffsicherheit des israelischen Gesundheitsministeriums aus, um die Daten zu überprüfen. Das israelische Gesundheitsministerium hatte Ende April erklärt, Fälle von Herzmuskelentzündung in Verbindung mit der Impfung zu untersuchen.

Eine Beratungsgruppe der US-Seuchenbehörde CDC hatte im vergangenen Monat weitere Untersuchungen empfohlen hinsichtlich der Möglichkeit eines Zusammenhangs zwischen Myokarditis und mRNA-Impfstoffen, zu denen neben dem von BioNTech/Pfizer auch der von Moderna gehört. Die Behörde hat bisher nicht mehr Fälle beobachtet, als allgemein in der Bevölkerung zu erwarten gewesen wären. Israel war bei der Einführung von Covid-19-Impfungen weltweit führend. Etwa 55 Prozent der israelischen Bevölkerung sind bereits geimpft.

Immunreaktion als denkbarer Auslöser

Gegenüber dem Spiegel wies der Kardiologe Westermann darauf hin, dass grundsätzlich Herzmuskelentzündungen als seltene Nebenwirkung nach einer Corona-Impfung auftreten könne. Bei Lebendimpfung habe man diesen Zusammenhang bereits festgestellt. Unklar sei aber noch, inwiefern mRNA-Impfstoffe diese Nebenwirkung auslösen können.

"Denkbar wäre, dass das Immunsystem bei jungen Männern nach der Impfung in seltenen Fällen überschießt", sagt der Mediziner im "SPIEGEL"-Interview. Demnach würde die Herzmuskelentzündung durch die Immunreaktion ausgelöst werden.

Quelle: Agenturen / Redaktion / pea